{"id":164,"date":"2017-12-03T17:54:26","date_gmt":"2017-12-03T16:54:26","guid":{"rendered":"http:\/\/aspienaut.de\/?p=164"},"modified":"2017-12-03T18:35:17","modified_gmt":"2017-12-03T17:35:17","slug":"resuemee-november","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/aspienaut.de\/?p=164","title":{"rendered":"Res\u00fcmee: November."},"content":{"rendered":"<p>Mittlerweile ist die Fassungslosigkeit und Trauer der Wut gewichen. Die Gedanken sind gefasst und die Entt\u00e4uschung tat ihr bestes. Letztendlich ist Entt\u00e4uschung nur ein Akt, sich der T\u00e4uschung zu entledigen, der man lange Zeit erlegen war. Das Ergebnis: akzeptieren, reflektieren, realisieren. Wobei Akzeptanz immer wieder mit Kompromissen und Eingest\u00e4ndnissen einhergeht, mit denen man sich selbst als schwaches Glied dieser Kette offenbart. Ich akzeptierte in der Ohnmacht meiner Trauer den Verlust eines scheinbar liebenden Menschen, reflektierte mit der Entt\u00e4uschung und realisierte, dass diese Liebe nur noch ein Hirngespinst meiner selbst war, mich selbst in Hoffnung und Zuversicht suhlend, blindlings etwas nachzueifern, was schon lange nicht mehr existierte.<\/p>\n<p>Ich hatte l\u00e4ngst die Rolle des Hassobjektes eingenommen, fand mich scheinbar selbstlos damit ab, um ihr alles recht zu machen. Doch sch\u00fcttete ich damit weiterhin \u00d6l ins Feuer und erreichte genau das Gegenteil von dem, was ich mir vorstellte: Ich wurde beleidigt, als r\u00fcckgratlos, als Memme, als Lappen bezeichnet. Mein Verhalten, nicht anecken zu wollen um der Person, von der ich glaubte, dass sie mich liebte, m\u00f6glichst keine Last zu sein, wurde letztendlich als &#8220;feiges Kuschen&#8221; bezeichnet. Selbst vor ihren Eltern nahm sie kein Blatt mehr vor dem Mund und bezeichnete mich immer \u00f6fter als Idiot, gar Vollidiot.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte die Trennung von vornerein als Geschenk sehen sollen. Nein: Ich h\u00e4tte diesen Schritt selber gehen m\u00fcssen. Schon viel, viel eher, statt dieser Person auch nur eine Tr\u00e4ne hinterherheulen zu sollen!<\/p>\n<p>Wer nach 5 1\/2 Jahren erst zu dem Schluss kommt, dass die Beziehung mit einem Asperger-Autisten nunmal anders verl\u00e4uft, und dass ein Aspie im Bezug auf sozialer Interaktion nunmal unkonventionell agiert, handelt egoistisch und sadistisch, eine Beziehung unter gegebenen Fakten mir nichts, dir nichts mit fadenscheinigen Argumenten zu beenden.<\/p>\n<p>Letztendlich diente ich nur noch als S\u00fcndenbock. War das Krebsgeschw\u00fcr, das sie einschr\u00e4nkte, gar ihre Gesundheit belastete. Ich nahm es in Kauf gekniffen, in den Haaren gezogen und getreten zu werden. Aus R\u00fccksicht vor einer fragilen Pers\u00f6nlichkeit, die ich mit meinem Aspergerverhalten nicht weiter strapazieren sollte. Doch als S\u00e4tze fielen wie &#8220;<em>ich muss mich an dir r\u00e4chen, du hast mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin, ich muss dir wehtun, dich kneifen<\/em>&#8220;, h\u00e4tte mir ein Licht aufgehen sollen. Ich war viel zu sehr in diesem Uhrwerk integriert, als dass ein Schlussstrich meinerseits jemals eine plausible L\u00f6sung f\u00fcr mich dargestellt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ich trug die Schuld an ihrem Verhalten, an ihren Allergien, an ihren psychischen Ausf\u00e4llen. Nur ich war es, der Fehler machte. Ich schaltete aus Faulheit nicht rechtzeitig in den n\u00e4chsttieferen Gang und der Wagen begann zu blubbern: &#8220;Kannst du nicht Auto fahren? Hast du alles wieder verlernt? Bist du wieder in deiner Welt gefangen?&#8221;. Der Wagen machte laute Fahrger\u00e4usche, die vom Fahrbahngrund her r\u00fchrten: dito. Ich drehte mich um meine eigene Achse, ich hatte Entscheidungsschwierigkeiten, ich erz\u00e4hlte Fakten zu Dingen, die uns im Alltag begegneten, ich war einfach nur ich.. und wurde jedes Mal auf&#8217;s Neue beleidigt.<\/p>\n<p>Ich war es, f\u00fcr den man sich rechtfertigen musste, ich war der Grund, weshalb sie sich vom sozialen Leben immer mehr zur\u00fcckzog. Ich war einfach Schuld an allem. Ich war sogar Schuld an der Tatsache, dass sie mit meinem Freundeskreis nie richtig warm wurde. &#8220;<em>Wenn man in eine Beziehung geht, verschmelzen die Freundeskreise beider Partner<\/em>&#8221; war ihre Ansicht. Da diese Person jedoch so derma\u00dfen vorurteilsbehaftet und voreingenommen war, das absolut jeder in ihren Augen in irgendeiner Art eine Macke hatte, stand dies jedoch nie zur Option. Letztendlich war dies aber auch ein Argument das im Trennungsgespr\u00e4ch betont wurde. Danke.<\/p>\n<p>Zwei Wochen nach der Trennung verschlug es mich nach Berlin. Ich schickte ihr Postkarten und Bilder, die ich eine Woche vor der Trennung noch von ihr machte. Mein Fehler: Die Postkarten beschriftete ich mit &#8220;<em>Ich vermisse dich, du fehlst mir, ich liebe dich<\/em>&#8220;. Die Reaktion war dementsprechend. Ich wurde verbal angegriffen; Absolut unpassende Worte.. Sie liebt mich nicht. Wie konnte ich es nur wagen, dieser Furie meine Liebe entgegenzubringen.<\/p>\n<p>Sie wolle wieder gl\u00fccklich werden und h\u00e4tte viel &#8220;nachzuholen&#8221;.<\/p>\n<p>Ein solcher Mensch hat meine Liebe nicht verdient. Ich kann kotzen. Einfach nur kotzen, dass ich nicht viel eher aufgewacht bin und den Schritt zuerst ging.<\/p>\n<p>Hauptsache sie lag mir am Tag der Trennung noch heulend in den Armen und schluchzte &#8220;Meld dich bitte mal&#8221; ins Ohr..<\/p>\n<p>Jetzt frage ich mich: Wer ist hier der gest\u00f6rte? Ich, der Aspie, der null Empathie besitzt und m\u00f6glichst darauf getrimmt ist, das Uhrwerk geschmeidig am Laufen zu halten, oder die Neurotypische, vermeintlich psychisch unauff\u00e4llige Person, die mich des Psychoterrors bezichtigt, selbst aber handelte, wie der Elefant im Porzellanladen?<\/p>\n<p>So traurig ich bin, aber Ich bin frei. Auch ich habe ein Recht, wieder gl\u00fccklich zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile ist die Fassungslosigkeit und Trauer der Wut gewichen. Die Gedanken sind gefasst und die Entt\u00e4uschung tat ihr bestes. Letztendlich ist Entt\u00e4uschung nur ein Akt, sich der T\u00e4uschung zu entledigen, der man lange Zeit erlegen war. Das Ergebnis: akzeptieren, reflektieren, realisieren. 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