{"id":149,"date":"2017-11-20T21:42:29","date_gmt":"2017-11-20T20:42:29","guid":{"rendered":"http:\/\/aspienaut.de\/?p=149"},"modified":"2017-11-20T21:42:29","modified_gmt":"2017-11-20T20:42:29","slug":"reflexion-einer-misere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aspienaut.de\/?p=149","title":{"rendered":"Reflexion einer Misere"},"content":{"rendered":"<p>Mittlerweile liegt die Trennung drei Wochen zur\u00fcck und ich schaffe es wieder, so langsam klare Gedanken zu fassen und die ganze Situation zu reflektieren.<\/p>\n<p>Wie kann man einen Menschen, den man sechs Jahre kannte und f\u00fcnfeinhalb Jahre an seiner Seite hatte, von jetzt auf gleich abschieben? Ihm alle Ablehnung entgegenbringen, die man sich nur vorstellen kann? Ich m\u00f6chte gar nicht wissen, welch Abneigung sich nun angestaut hat, damit eine derartige Entscheidung so leicht ausgesprochen werden kann.<\/p>\n<p><em>Ich bin kein Opfer der Trennung, ich bin der Grund.<\/em><\/p>\n<p>Harter Tobak, wenn man versucht, es st\u00e4ndig allen Recht zu machen, aber dennoch irgendwie nicht das erreicht, was das Gegen\u00fcber sich vorstellt. Mittlerweile bin ich jedoch an einem Punkt angelangt, an dem ich die Trennung als eben solche sehe und auch f\u00fcr mich den finalen Schlussstrich gezogen habe. Das Vertrauen ist hin\u00fcber, die Hoffnung weg. Wie lange wurde ich belogen? Wie lange wurde ich schon nicht mehr geliebt?<\/p>\n<p>Wozu etwas hinterhertrauen, was nicht mehr ist.<\/p>\n<p>Retrospektiv betrachtet, fallen mir auch mittlerweile immer mehr Punkte auf, die in einer gesunden Beziehung einfach nie h\u00e4tten sein d\u00fcrfen. Wenn jemand starr und fest behauptet, eine Mutterrolle eingenommen zu haben, nur weil die Liebe, die man f\u00fcr diese Person empfand, einen dazu brachte, sein Leben komplett zu \u00e4ndern, ist das nicht nur ein Unding, sondern Arrogant und Egozentrisch und verletzend, dem gegen\u00fcber, der durch die Liebe den Anlauf fand, sich zu entwickeln. Statt Anerkennung folgte nur noch Ablehnung. Von der Mutterrolle oder auch die Rolle des Therapeuten wurde gesprochen, ich als Marionette bezeichnet, die nur in Abh\u00e4ngigkeit von dieser Person existieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p>In den letzten beiden Jahren habe ich es erduldet, mich beschimpfen zu lassen, mit den Launen einer unberechenbaren Furie klarzukommen, die f\u00fcr jeden Fehltritt\u00a0meinerseits &#8211; sei er auch noch so klein &#8211; ein Fass \u00f6ffnete und mich als Idiot darstellte. Habe ich nicht rechtzeitig heruntergeschaltet, zu stark gebremst, zu langsam aufger\u00e4umt, zu viele Fakten erz\u00e4hlt &#8211; oder auch einfach nur gegr\u00fcbelt &#8211; war ich der Idiot, der nichts auf die Reihe bekommt und mal wieder in seiner eigenen Welt lebt.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr der Beziehung kamen k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe hinzu, die man eher in das erste Kindergartenjahr einsortiert h\u00e4tte, statt in die Beziehung zweier erwachsener Menschen; Kneifen und Bei\u00dfen. Ersteres in Verbindung mit einem grenzdebilen, grotesken &#8220;ich muss mich r\u00e4chen, du machst mein Leben kaputt&#8221;, unterlegt mit einem clownartigen Gel\u00e4chter. Sp\u00e4testens, als mein K\u00f6rper von vielen blauen Flecken vom st\u00e4ndigen Kneifen \u00fcbers\u00e4t war, h\u00e4tte ich zuerst die Rei\u00dfleine ziehen m\u00fcssen und merken sollen, dass dieses Verhalten eben keine Form der Liebkosung, sondern eine abgrundtiefe Verachtung darstellte.<\/p>\n<p>Ich hatte schon lange den Wunsch, die Ketten zu sprengen, doch konnte ich mir das nicht eingestehen. Die Angst vor der Trauer, der Einsamkeit, dem Neuanfang und dem Kennenlernen fremder Menschen lie\u00df mich jedoch immer erdulden, was mich innerlich zerst\u00f6rte. Klar, die Liebe war da. Unbestritten konnte ich dies auch mit meinem Gewissen vereinbaren, dass ich diese Person als Seelenverwandte absolut und uneingeschr\u00e4nkt liebte und ich \u00fcber viele Missst\u00e4nder duldend hinwegblickte. Auch wenn ich das als Autist sicher nicht so darstellen konnte, wie es ein Nicht-Autist sich w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Wenn ich eines nun gelernt habe: Liebe ist mehr als einen Menschen in sein Leben zu lassen, ihn als Seelenverwandten zu akzeptieren und mit ihm die kleinste, noch so banale Erfahrung zu teilen, ihn mit Nettigkeiten \u00fcberh\u00e4ufen, die man sonst nur f\u00fcr sich selbst aufwenden w\u00fcrde, sich diesem Menschen zu 100% hingeben und ausschlie\u00dflich auf diese Person zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Liebe bedeutet aber auch nicht, jede Form der Erniedrigung zu akzeptieren, nur um dem Gegen\u00fcber nicht vor den Kopf zu sto\u00dfen. Jedoch erweckt eben dieses Verhalten das Bild einer unselbstst\u00e4ndigen Marionette, eines Waschlappen, den man beschimpfen kann.<\/p>\n<p>Ich bin frei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile liegt die Trennung drei Wochen zur\u00fcck und ich schaffe es wieder, so langsam klare Gedanken zu fassen und die ganze Situation zu reflektieren. Wie kann man einen Menschen, den man sechs Jahre kannte und f\u00fcnfeinhalb Jahre an seiner Seite hatte, von jetzt auf gleich abschieben? 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