{"id":312,"date":"2019-03-12T20:12:48","date_gmt":"2019-03-12T19:12:48","guid":{"rendered":"http:\/\/aspienaut.de\/?p=312"},"modified":"2019-03-12T20:12:55","modified_gmt":"2019-03-12T19:12:55","slug":"erstkontakt-zu-psychologen-anno-2014-ein-erfahrungsbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aspienaut.de\/?p=312","title":{"rendered":"Erstkontakt zu Psychologen anno 2014: Ein Erfahrungsbericht."},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe einen alten Text wiedergefunden, den ich ~2014 schrieb, als ich den ersten Kontakt zu einem Psychiater und Psychologen aufnahm. Dies geschah lange vor meiner Diagnose und treibt mir auch heute noch die Wut in den Kopf:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Man sollte meinen, ein Psychologe w\u00e4re ein einf\u00fchlsamer Mensch, der es versteht, auf die Probleme anderer Menschen einzugehen, insbesondere wenn sich diese aus freien St\u00fccken dazu \u00fcberwinden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um langanhaltende Probleme zu bew\u00e4ltigen.<\/p><p>Ich selbst befinde mich an einem Punkt, an dem mir eben diese Hilfe der einzig vern\u00fcnftige \u2013 unumg\u00e4ngliche \u2013 Weg zu sein scheint. Viel zu lang schon schiebe ich meine z\u00e4hfl\u00fcssigen Gedanken umher, ohne wirklich aus ihnen schlau zu werden. Sie bestimmen meinen Alltag seit viel zu langer Zeit und hindern mich, Dinge zu tun, die f\u00fcr andere Menschen allt\u00e4glicher Natur sind.<\/p><p>Mein erster Kontakt zu einem Psychologen f\u00fchrte mich zu einem Amtspsychologen der Arbeitsagentur, welcher sich meiner Geschichte annahm und ein offenes Ohr zeigte. Es war ein leicht schrulliger, aber doch sympathischer Mensch, der Geduldig zuh\u00f6rte, \u00fcber scheinbar banales mit mir sprach und zum Schluss ein Res\u00fcmee zog, welches ich \u00fcber mich und meine Situation nicht passender h\u00e4tte formulieren k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich war mir bewusst, dass dieses eine Gespr\u00e4ch keine allgemeing\u00fcltige Diagnose war, doch wurd mir zu diesem Zeitpunkt klar, wo ich meine Gedanken einzuordenen habe und war recht froh, eine grobe Einsch\u00e4tzung eines professionellen Gedankendoktors erhalten zu haben. Ich wusste zumindest nun, wo ich ansetzen musste, um weiter am Ball zu bleiben, welche Schritte ich zu gehen hatte.<\/p><p>Der n\u00e4chste Schritt f\u00fchrte mich, wie von mehreren Seiten empfohlen, zu einem Neurologen. Im Grunde ein \u00fcberfl\u00fcssiger Gang, dem ich bis heute nichts positives abverlangen kann. Gerade wenn es um sensible Themen wie die Psyche geht, sollte man sich im Umfeld der Behandlung zumindest nicht so unwohl f\u00fchlen, dass man am liebsten schlagartig fliehen m\u00f6chte. Schlie\u00dflich muss die Chemie stimmen, um sich erfolgreich auf die Behandlung einzulassen. All dies war dort nicht gegeben:\u00a0 Eine altbackene Praxis, welche aus Zeiten Freuds pers\u00f6nlich h\u00e4tte stammen k\u00f6nnen, sowie ein ebenso biederer Psychiater, welcher mir pers\u00f6nlich nicht unbedingt als der sympathischte erschien. Hier wollte ich gar nicht sein, doch gab es kein zur\u00fcck. Ich f\u00fchlte mich in eine vergangene Epoche zur\u00fcckversetzt, in der Lobotomien die einzig probate Behandlung zu sein schienen. Ein recht ruppiger Umgang und Massenabfertigung rundeten die ganze Situation ab. Der Arzt vermittelte mir direkt, dass er f\u00fcr meinen konkreten Fall nicht die richtige Anlaufstelle darstellte und empfahl mir stattdessen einen Psychotherapeuten. Zudem gab er mir eine erste Dosis Antidepressiva mit. F\u00fcr welche ich mir nach zehn Tagen ein Rezept h\u00e4tte abholen m\u00fcssen. Doch schon beim ersten Besuch war mir recht schnell klar, dass ich diese Praxis kein weiteres Mal betreten w\u00fcrde. Ekel und Abscheu f\u00f6rderten in mir ein zu gro\u00dfes Unwohlsein zu Tage, dass ich besagte Praxis nicht wieder betrat und somit auch kein Rezept erhielt. Ein Fehler, welchen ich bewusst begangen habe, doch ma\u00df ich ihm keine weitere Bedeutung bei. Schlie\u00dflich gab es auch noch andere Praxen, welche in Frage kamen.<\/p><p>So wandte ich mich an den mir zuvor empfohlenen Psychotherapeuten und vereinbarte einen Termin. Die schnelle Wartezeit von 1 1\/2 Wochen stimmte mich positiv. Schlie\u00dflich sind in anderen Praxen meist mehrere Wochen bis gar Monate einzukalkulieren.<\/p><p>Beim Thema Psychologe hatte ich immer noch das fast viel zu ideale Gespr\u00e4ch mit dem Amtspsychologen im Hinterkopf. Mit dieser Vorstellung ging ich zu Herrn T. Ich suchte Antworten auf mein Problem, um dieses zu verstehen und damit umzugehen \u2013 einfach um zu wissen, was nun mit mir los ist, um an mir zu arbeiten.<\/p><p>Der Tag der Tage n\u00e4herte sich und fing schlie\u00dflich damit an, dass man mir eine recht umfangreiche Mappe mit diversen Frageb\u00f6gen vorlegte. \u00dcber fast zwei Stunden hinweg machte ich brav meine Kreuzchen und schilderte meine Situation in freien Texten. Vielfach erschienen diverse Frageb\u00f6gen in redunanter Ausf\u00fchrung mit leicht abge\u00e4nderten Fragegestellungen und erinnerten an Psychotests, wie man sie im Internet zu Hauf findet. Doch erschien mir diese Methode recht sinnvoll, um sich dem unbekannten Therapeuten in kompakter Weise vorzustellen. Auch wenn ich bis dato noch kein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch mit dem\u00a0<em>Master of Therapy himself<\/em>\u00a0f\u00fchrte, war ich guter Dinge und freute mich gar auf das nahende Gespr\u00e4ch.<\/p><p>Zwischenzeitlich lie\u00df sich der Therapeut sogar im Wartezimmer blicken, doch w\u00fcrdigte er die Wartenden keines Blickes. Angesichts der Tatsache, dass zu dem Zeitpunkt das Wartezimmer recht \u00fcberschaubar besetzt war und im Grunde nur ich (mit meiner Freundin als Begleitung) dort wartete, schon ein erstes Ereignis, das mich ein wenig skeptisch stimmte. War er einfach nur unfreundlich oder hatte er wirklich so viel zu tun, dass es nicht einmal f\u00fcr eine kurze Begr\u00fc\u00dfung des neuen Patienten reichte?<\/p><p>Die ausgef\u00fcllte Mappe gab ich schlie\u00dflich bei der Empfangsdame ab, welche die Frageb\u00f6gen auswertete und die Ergebnisse dem Therapeuten vorlegte. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde ich auch schon ins Gespr\u00e4chszimmer gerufen. Der Therapeut wirkte wortkarg und distanziert. Der erste Eindruck alles andere als sympathisch. Ich deutete das Verhalten als taktische Ma\u00dfnahme, um meine Reaktion zu ergr\u00fcnden. Schlie\u00dflich fragte er mich, was mein Anliegen sei und was er f\u00fcr mich tun k\u00f6nne. ich schilderte meine Geschichte, wie ich sie auch schon in der zuvor ausgef\u00fcllten Mappe darstellte und nannte Beweggr\u00fcnde und Ziele, welche ich mir aus einer Therapie erhoffte.<\/p><p>Aufgrund der Tatsache, endlich den Schritt in Richtung Therapie gewagt zu haben war ich dementsprechend aufgeregt und sprach hektisch und schnell. Eine Sache, die mir in solchen Stresssituationen oft widerf\u00e4hrt. Doch dass ausgerechnet der Therapeut dies scharf kritisierte und mich regelrecht dazu aufforderte endlich mal vern\u00fcnftig und deutlich zu sprechen, stimmte mich noch missmutiger und erregter. Ich f\u00fchlte mich zunehmends unwohler und verschloss mich um so mehr dem Therapeuten gegen\u00fcber.<\/p><p>Als Fehler stellte sich nun heraus, von dem vorhergehenden Besuch beim Neurologen erz\u00e4hlt zu haben. Die Tatsache, dass ich es damals bei einem Besuch belie\u00df wertete er als Desinteresse an einer Behandlung. Das Argument, dass ich mich dort unwohl f\u00fchlte, lie\u00df er nicht gelten und redete mich in Grund und Boden. Selbst die Aussage des Neurologen, dass ich bei einem Therapeuten besser aufgehoben sei, widerlegte er. Unter solchen Umst\u00e4nden habe er \u2013 wortw\u00f6rtlich \u2013 keinen Bock, mich zu behandeln und ich w\u00fcrde anderen Leuten die Kapazit\u00e4ten klauen. Ich fiel aus allen Wolken. Sowas von einem Psychologen? So langsam begriff ich, wieso es dort so schnell einen Termin gab.<\/p><p>Statt meiner erhofften Antworten erhielt ich nur weitere Fragen: Hat mich der Therapeut \u00fcberhaupt ernst genommen? War ihm \u00fcberhaupt bewusst, dass er einen Menschen vor sich hatte, f\u00fcr den dieser Gang zum Therapeuten eine gro\u00dfe \u00dcberwindung darstellte? Auf mich als Person wurde nicht eingegangen. Mein Problem in ein komplett falsches Licht gedr\u00e4ngt und einhergehende Symptome und Begleitumst\u00e4nde zum Hauptproblem gemacht. Es hagelte Zynismus und Vorurteile. Man lie\u00df mich nicht ausreden und pauschalisierte anhand oberfl\u00e4chlicher Fakten, ohne auch nur den Versuch zu starten, mich kennenzulernen. Immer wieder wurde auf meinem Verhalten herumgeritten und Begleiterscheinungen, welche nur das Resultat anderer Probleme sind, zum angeblichen Hauptproblem glorifiziert. Der Fragebogen, welchen ich zuvor \u00fcber 2 Stunden ausf\u00fcllte, wurde erst gar nicht beachtet, mein Hilferuf komplett ignoriert. All das Seelenstriptease vergebens.<\/p><p>Jegliche Hoffnung auf L\u00f6sung meines Problems schien in dieser Praxis zu verpuffen. Empathie suchte ich vergebens. Dieser Unmensch wirkte auf mich wie ein emotionaler M\u00e4hdrescher, der es verstand, sein gegen\u00fcber einzusch\u00fcchtern und zu manipulieren. Nie f\u00fchlte ich mich so hilflos, dumm und schlecht, wie bei diesem Gespr\u00e4ch.<\/p><p>Der Therapeut nutzte seine Position schamlos aus und spielte ein perfides Machtspiel. Sein Verhalten verschlug mir all zu oft die Sprache, ich konnte nicht fassen, was ich dort erlebte. In Anbetracht der Schocksituation fiel es mir schwer, passende Worte zu finden und merkte, wie sich Zorn und Hilflosigkeit in mir ausbreiteten und mich stottern lie\u00dfen.\u00a0<em>Sie k\u00f6nnen sich ja nicht einmal vern\u00fcnftig artikulieren<\/em>, war seine Reaktion und er fing an mich als hoffnungsloser Bl\u00f6del darzustellen. Das Gespr\u00e4ch entw\u00fcrdigte mich immer mehr und er ging in seiner Rolle immer weiter auf, mich unaufh\u00f6rlich zu dem\u00fctigen, beleidigen und einzusch\u00fcchtern.<\/p><p>Was ich dort erlebte, war traumatisierend, entw\u00fcrdigend und versetzt mich auch nun \u2013 36 Stunden danach \u2013 noch in einen Zustand der Ohnmacht. Es ist ein Unding, wie ein solch inkompetentes Arschloch in einem solch sensiblen Bereich arbeiten kann. Was ich dort zu h\u00f6ren bekam, war Stammtischgeplenkel unterster G\u00fcte. Eine Internetrecherche zeigt, dass ich nicht der einzige bin, dem dies bei besagten Therapeuten passierte.<\/p><p>Nun wird eben wieder herumtelefoniert und nach Alternativen gesucht.. Dort werde ich mich auf jeden Fall nicht wieder blicken lassen!<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe einen alten Text wiedergefunden, den ich ~2014 schrieb, als ich den ersten Kontakt zu einem Psychiater und Psychologen aufnahm. 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