{"id":576,"date":"2023-10-14T21:06:42","date_gmt":"2023-10-14T19:06:42","guid":{"rendered":"http:\/\/aspienaut.de\/?p=576"},"modified":"2023-10-14T21:06:43","modified_gmt":"2023-10-14T19:06:43","slug":"gedanken-zum-thema-psychische-gesundheit-anlaesslich-des-mental-health-awareness-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aspienaut.de\/?p=576","title":{"rendered":"Gedanken zum Thema psychische Gesundheit anl\u00e4sslich des &#8220;mental health awareness day&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p>In dieser Woche fand der weltweite mental health awareness Tag statt &#8211; ein Tag, um auf psychische Erkrankungen und deren Auswirkungen aufmerksam zu machen. Denn gerade nicht sichtbare Krankheiten und Behinderungen werden immer noch von vielen Menschen als Faulheit, Dummheit Unwille oder Unf\u00e4higkeit abgestempelt, Betroffene nur zu oft in ein entsprechendes Klischee einsortiert, ohne die Hintergr\u00fcnde und Umst\u00e4nde einer Situation zu kennen. <\/p>\n\n\n\n<p>Meine Reise durch diese Kontroverse der eigenen psychischen Abgr\u00fcnde dauert nun schon seit meiner Jugend an und pr\u00e4gte mein ganzes Leben. Die Einsicht, den Umstand als Krankheit zu bezeichnen, kam leider erst sehr sp\u00e4t in meinen Zwanzigern. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stell dich nicht so an&#8221;, lass das Gejammer sein&#8221;, &#8220;Heule nicht herum&#8221;, &#8220;sei ein Mann&#8221;, &#8220;musst du eigentlich immer anecken?&#8221;: Nur wenige, aber pr\u00e4gende, Beispiele, die man regelm\u00e4\u00dfig zu h\u00f6ren und lesen bekommt, wenn man das Thema Depression offen kommuniziert. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst fand mich sogar mal in dieser Position wieder, jemandem mit lebenseinschr\u00e4nkenden psychischen Leiden ernsthaft klar machen zu wollen, dass Therapien und ein starker Wille immer zum Ziel f\u00fchren und man manchmal einfach &#8220;aus dem Quark kommen muss&#8221;. Ganz ehrlich? Ein Satz, wie man ihn h\u00e4ufig zu h\u00f6ren bekommt, der von vielen scheinbar als Allheilmittel gegen Depressionen und Artverwandtes angesehen wird. Doch S\u00e4tze wie dieser sind der Grund, weshalb auf psychische Erkrankungen immer noch aktiv aufmerksam gemacht werden muss, solang sie nicht gesellschaftlich akzeptiert sind. F\u00fcr mich ist klar &#8211; und so wurde mir in den letzten Jahren meiner Reise bewusst: ich sch\u00e4me mich, jemals einer Person einen solchen Satz gesagt zu haben. Er ist anma\u00dfend, \u00fcberheblich, arrogant und zeugt von eklatanten Wissensl\u00fccken \u00fcber psychische Erkrankungen und dem massiven Unwillen, sich mit der psychischen Gesundheit einer anderen Person auseinander zu setzen &#8211; was man eigentlich machen sollte, wenn man eben jene Person zu seinem Bekannten- oder gar Freundeskreis z\u00e4hlen will. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch bin ich eben so aufgewachsen und lernte es nicht anders: Depressionen wurden in meinem Umfeld &#8211; teils sogar in der eigenen Familie &#8211; nur zu oft als &#8220;Wehwehchen&#8221; menopausierender, arbeitsloser Hausfrauen abgetan, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Im besten Falle wurde das Thema einfach totgeschwiegen oder jedwede Gespr\u00e4chsversuche \u00fcber die psychische Gesundheit im famili\u00e4ren Umfeld mit Zorn im Keim erstickt. Klar, dass man sich selbst der Realit\u00e4t verwehrt, wenn man pl\u00f6tzlich in sich geht und einem bewusst wird, dass man genau diese Symptome an sich seit Ewigkeiten wahrnimmt. Meine Erkenntnis glich damals einem coming out &#8211; zumindest soweit, wie ich mir als heterosexueller Mann anma\u00dfen kann, diese Wortwahl verwenden zu d\u00fcrfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Reise durch die psychischen Abgr\u00fcnde meiner selbst begann eigentlich schon in der Kindheit, schr\u00e4nkte mich aber erst seit der Jugend wirklich ein und brauchte Jahre, um ausgesprochen zu werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Letztes Jahr kam &#8211; mit damals noch 36 Jahren &#8211; nach \u00fcber 20 Jahren des Leidens und immer gr\u00f6\u00dfer werdender, akuter Suizidalit\u00e4t nun die offizielle Diagnose &#8220;rezidivierende Depression&#8221; hinzu &#8211; jedoch, so bin ich \u00fcberzeugt, als Symptom jahrzehntelangen Maskings aufgrund des viel zu sp\u00e4t diagnostizierten Aspergersyndroms. Sich sein Leben zu verstellen, um als normal angesehen zu werden und nicht aufzufallen, ist wie ein ewigw\u00e4hrender Marathon ohne Pause, ohne Schlaf, immer auf 180: st\u00e4ndig versuchen, unterm Radar zu bleiben, nicht als sonderbar angesehen zu werden und gesellschaftliche Ziele zu erreichen, die einfach nicht erreichbar sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Antidepressiva (davon habe ich rund ein Dutzend durch) wirken bei mir nicht, wie sie sollen, jahrelange Psychotherapie im verschiedensten Auspr\u00e4gungen und zuletzt ein mehrmonatiger Klinikaufenthalt im letzten Jahr waren auch nicht zielf\u00fchrend. Letzterer eher kontraproduktiv, weil man mich st\u00e4ndig mit meiner Andersartigkeit und Unangepasstheit konfrontiert. Einzig die Best\u00e4tigung der eben genannten Diagnose rezidivierende Depression war der einzige Benefit, den ich f\u00fcr mich pers\u00f6nlich aus diesem Klinikaufenthalt mitnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war meine einzige und f\u00fcr mich letzte L\u00f6sung, mein &#8211; eh schon immer weniger &#8211; lebenswertes und selbstst\u00e4ndiges Leben aufzugeben und mit 37 wieder ins Elternhaus zu ziehen, um irgendwie wieder mental mit mir selbst im Reinen zu sein und wieder lernen, zu funktionieren. Selbst Kleinigkeiten, wie \u00fcberhaupt erstmal das Bett zu verlassen, sich zu duschen und zu rasieren, seine W\u00e4sche nicht wahllos in die Ecke zu werfen, sondern zu sortieren, sind manchmal riesige Erfolge &#8211; an manchen Tagen sogar die einzigen, zu denen ich im Stande bin.. Wenn \u00fcberhaupt. Das sind verdammt kleine Schritte und ich habe keine Ahnung, wohin mich dieser Weg f\u00fchrt, aber die Panik, irgendwo in einem anderen Bundesland v\u00f6llig einsam im seinen eigenen M\u00fcll dahin zu vegetieren und sich unaufhaltsam den Tod herbei zu w\u00fcnschen, ist erstmal vom Tisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal hat man einfach die Arschkarte im Leben gezogen. Depressionen und psychische Erkrankungen im Allgemeinen m\u00fcssen in dieser Gesellschaft endlich sichtbarer werden und diese Banalisierung, die leider immer noch in vielen K\u00f6pfen zu finden ist, muss endlich aufh\u00f6ren! Man ist kein schlechter Mensch oder Mensch zweiter Klasse, weil man eben nicht so funktioniert, wie es der kapitalistisch leistungsorientierte gesellschaftliche Konsens von einem verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Depressionen haben viele Ursachen, sind individuell wie die betroffene Person und \u00e4u\u00dfern sich in mannigfaltigen Auspr\u00e4gungen. Doch eines ist ihnen immer gemein: Depressionen sind eine potentiell t\u00f6dliche Erkrankung, die nicht nur den Betroffenen, sondern sein komplettes Umfeld belasten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Woche fand der weltweite mental health awareness Tag statt &#8211; ein Tag, um auf psychische Erkrankungen und deren Auswirkungen aufmerksam zu machen. 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