Ich will endlich wieder arbeiten..

Die zermürbende Erkenntnis: Auf die aktuellen Initiativbewerbungen gab’s bislang auch keinerlei Reaktion. Jahrgangsbester in der Gesellenprüfung 2017 (sogar mit Erwähnung in der Rheinischen Post), im Anschluss das Abi im zweiten Bildungsweg als Jahrgangsbester abgelegt. Was dann folgte, war ein nutzloses Studium ohne Abschluss. Völlig konträr zu den davor erbrachten Leistungen und meinem Intellekt. Denn der Stoff war einfach, nahezu banal. Es lag definitiv nicht an mir und meinen geistigen Fähigkeiten – wie manche Stimmen gern behaupteten. Dennoch ist das offensichtlich das Argument, das jegliche vorher erbrachten Qualifikation für potentielle Arbeitgeber so irrelevant erscheinen lässt, dass man es nichtmal für nötig erachtet, auf meine Bewerbungen zu reagieren.

Im einzigen Bewerbungsgespräch, das ich seit April hatte, stilisierte man nämlich dieses verkackte Studium zum Mittelpunkt des ganzen Gespräches. Die vorgelegten Nachweise und Zeugnisse über mein Leben vor dem Studium fanden keinerlei Erwähnung, mein Wissen und der Enthusiasmus über Pflanzen und Botanik wurden auch ignoriert. Oder ist es der Schwerbehindertenausweis, der mich direkt durchs Raster fallen lässt? Die Einstellung eines Menschen mit Schwerbehindertenausweis wird vom IFD mit bis zu 25000 Euro bezuschusst, um mögliche Einschränkungen durch die Behinderung für den Betrieb zu kompensieren, bzw den Arbeitsplatz behindertengerecht auszustatten und das Thema Schwerbehindertenausweis sollte im Jahr 2023 wirklich kein Problem mehr darstellen! Würden sich die Herren Chefs auch nur einmal dazu herablassen, mich zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, wären mögliche Bedenken über Vorurteile sowieso direkt vom Tisch. Ich bin Asperger-Autist nicht bewegungsunfähig oder geistig eingeschränkt.

Mittlerweile bin ich verzweifelt und frustriert, wütend und enttäuscht. Ich will nur wieder als Zierpflanzengärtner arbeiten, aber offensichtlich erscheine ich potentiellen Arbeitgebern als ungeeignet, zu wenig qualifiziert für diesen – pardon für diese direkte Formulierung – nicht sonderlich anspruchsvollen Beruf, zu dessen Ausbildung ein Hauptschulabschluss ausreicht. Ich rede hier vom Beruf des Gärtners! Ich bin Gärtner, kein Arzt oder Kernphysiker und will auch wieder als Gärtner arbeiten! Das nachdem ich so lange darauf hinarbeitete, mein Hobby zum Beruf zu machen, deshalb extra das Abi im zweiten Bildungsweg nachholte, um studieren zu dürfen – wenn das mal nicht von purer Motivation spricht, weiß ich auch nicht, was in den Köpfen der Betriebe vor sich geht..

Alle reden ständig vom Fachkräftemangel, aber sie weigern sich, eine Fachkraft einzustellen! Pflanzen begleiten mich seit Kindergartentagen. Eine Umschulung kommt nicht in Frage. Niemals! Das käme einer Aufgabe meiner eigenen Identität gleich.

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Fortsetzung: ständige Anrufe trotz Hinweis, dass man nicht telefoniert..

Aufgrund einer Anfrage, die ich schriftlich via Supportpostfach im Onlinebanking der Sparkasse Gelsenkirchen stellte, wurde ich mehrfach angerufen.

Auf meine schriftliche Antwort, die ich mit mit folgenden Worten beendete:

“Da ich Autist bin, bevorzuge ich die schriftliche Kommunikation, kann aber alternativ persönlich in der Filiale vorbeischauen. Bitte rufen Sie mich nicht an.”

kam folgende Reaktion:

“vielen Dank für Ihre Nachricht. Leider konnte ich Sie telefonisch nicht erreichen.Gern kümmern wir uns um Ihre Anfrage, würden den Sachverhalt allerdings gern mit Ihnen telefonisch durchgehen.”

Was zum Teufel ist so schwer daran, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die nicht telefonieren? Ich habe meinen Schwerbehindertenausweis nicht im Lotto gewonnen oder besitze ihn, weil er so cool ist, sondern wegen erheblicher Einschränkungen im sozialen Bereich, insbesondere in der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Ich fragte extra, ob ich persönlich vorbeikommen sollte, worauf man in keinem Wort einging, stattdessen weiterhin am Telefonat festhielt. Eben antwortete ich erneut stoisch auf den besagten Mailverlauf. Darin nochmals folgende Zeilen:

“Ich bitte Sie nochmal: Rufen Sie mich bitte NICHT an, ich bin Autist und telefoniere NICHT! Antworten Sie mir bitte schriftlich, ob sich das Problem akut lösen lässt oder ob ich in einer Filiale vorbeischauen soll.”

Ich wette beim Leben meiner Pflanzen darauf, dass ich morgen wieder entgangene Anrufe der Sparkasse Gelsenkirchen auf dem Handy habe und eine Mail mit der Info, dass man mich leider telefonisch nicht erreicht – ohne auch nur annähernd auf meine Frage und Bitte eingegangen zu sein..

Wenn das der Fall sein sollte, leite ich den Sachverhalt direkt an diverse Autismus- und Inklusionsvereine, den WDR und die WAZ weiter. Es kann nicht sein, dass man sich so über die Bitte nach schriftlicher Kommunikation aufgrund von Autismus hinwegsetzt.

Verlangt man von einem Gelähmten etwa auch, dass er auf einen Baum klettern soll?

Exakt das gleiche Spiel wie vor ein paar Wochen mit meinem ehemaligen Internetanbieter Osnatel

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ständige Anrufe trotz Hinweis, dass man nicht telefoniert..

Immer wieder erlebe ich es, dass sich der Kundenservice diverser Anbieter und Institutionen geflissentlich über die Info, dass man Autist ist und die schriftliche Kommunikation bevorzugt, hinwegsetzt und hartnäckig versucht, etwas telefonisch zu erreichen.

Vor einigen Wochen quälte ich mich mit meinem ehemaligen Internetanbieter EWE/Osnatel herum, den ich mehrfach darauf hinwies, mir per Mail zu antworten. Stattdessen kamen immer wieder Mails, dass man mich telefonisch nicht erreichen konnte.

Heute ein solches Beispiel mit der Sparkasse. Mein Anliegen schilderte ich im Kontaktformular und setzte extra folgenden Satz in die Mail:

Da ich Autist bin, bevorzuge ich die schriftliche Kommunikation, kann aber alternativ persönlich in der Filiale vorbeischauen. Bitte rufen Sie mich nicht an.

Nun darf man gern raten, wer hier anrief.. Wetten, dass gleich wieder eine Mail kommt, dass man mich telefonisch nicht erreichen konnte?

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Ins Wespennest gestochen und als Kulturbanause deklariert

Aus den Medien kennt man mittlerweile viele solcher Videos, in denen Menschen ruhig im Restaurant sitzen, ihr Essen genießen und plötzlich lauthals schallernder Operngesang ertönt. Direkt am Nebentisch.

Einen solchen Beitrag fand ich nun auf der Facebookseite einer WDR-Nachrichtensendung und kommentierte ihn mit den Worten:

Richtig nervig.. Der Typ ist momentan mit diesen Aktionen in sämtlichen Medien präsent. Wäre für mich ein Grund, das Restaurant sofort zu verlassen, wenn da plötzlich jemand wie ein brünstiger Hirsch herumgröhlt. Absolute Reizüberflutung auf sämtlichen Ebenen!

Ja, ich gestehe. Die Worte sind schon etwas schroff, jedoch nutzte ich genau die Worte, die den Gefühlen entsprechen, die eine solche Situation in mir provoziert: Ablehnung!

Es dauerte nicht lang, bis die ersten fiesen Reaktionen kamen:

man muss ja klassische Musik nicht mögen. Aber Ihre Ausdrucksweise ist unterirdisch.

Ein Satz, der mich auf vielfacher Art wirklich massivst aufregt. Zum einen die Pauschalisierung, dass ich keine klassische Musik möge – was nicht völlig korrekt ist. Es gibt durchaus klassische Komponisten, deren Werke ich mir gerne und mit dem Gefühl einer positiven Gänsehaut anhöre.

Zum anderen frage ich mich, was ist an meiner Ausdrucksweise unterirdisch? Ist es nicht viel unterirdischer, pauschal die verbale Mistgabel herauszuholen, wie diese Dame es tat? Jedem steht seine Meinung frei, davon machte ich ebenso gebrauch – aber wäre als Reaktion nicht ein Nachfragen möglich gewesen, wieso ich genau diese Worte wählte und es als ABSOLUTE REIZÜBERFLUTUNG titulierte, statt meine Ausdrucksweise als unterirdisch zu bezeichnen?

Ein weiterer Kommentar ließ nicht lang auf sich warten:

Kulturbanause !!!

Ebenfalls von einer alten Frau (ich verzichte auf die höfliche Umschreibung “Ältere Dame”, weil dies ein viel zu interpretationsfähiger Begriff ist). Die drei Ausrufezeichen in Verbindung mit dem Leerzeichen hinter dem Wort, verleihen diesem Kommentar eine unfreiwillige Komik. Man kann förmlich riechen, wie sehr da jemand in Rage geriet und unbeholfen auf der Tastatur herumtippte. Ok, jetzt pauschalisiere ich selber. Streichen wir die letzten Sätze.

Nach diesen Kommentaren kommentierte ich meinen Beitrag erneut mit folgenden Worten:

Ist ja lustig, wie ich aufgrund meiner Aussage nun angegangen werde. Ich bin weder Kulturbanause, noch habe ich etwas gegen klassische Musik – ganz im Gegenteil. Als Autist sind Restaurantbesuche für mich schon stressig, da wäre eine solche Situation, in der eine laute Stimme plötzlich zu singen beginnt – dann auch noch völlig unerwartet und spontan – ein mentaler Kopfschuss..

Selbige Worte ergänzte ich ebenfalls im eingangs erwähnten Kommentar.

Nun ein weiterer Kommentar, der von mangelndem Textverständnis zeugt:

Anscheinend NUR für Sie nervig, allen
anderen gefällt es!

Warum sind Menschen so? Warum? Ich möchte es gerne verstehen!

Mittlerweile haben mich die Kommentare dieser dummdreisten Personen so sehr getriggert, dass ich den Beitrag löschte.. Es ging einfach nicht mehr, ich hätte es nicht länger ertragen, ohne nicht komplett aus der Haut zu fahren.

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Stand der Dinge

Es ist viel passiert in den letzten Monaten.. Ich könnte ganze Bücher füllen, um mir die Worte von der Seele zu schreiben – ja, schreiben. Mein Ventil, zur Bewältigung schwieriger Situationen. Nicht immer zeitnah, aber es sammelt sich so viel Mist an, der irgendwie verbalisiert werden muss. Das Reden über solche Dinge fällt mir eher schwer, generell bin ich ein Mensch der geschriebenen Worte und präferiere es, meine Gedanken in die Tastatur zu hämmern.

Aus diesem Grunde habe ich beschlossen, nun wieder mit dem Bloggen zu beginnen und mache das, was ich vor Jahren schon tat, wenn ich mich ablenken, erheitern oder irgendwie Luft verschaffen musste: Schreiben, über Interessen referieren, Erlebtes interpretieren und verbalisieren, Fotos teilen und kommentieren.

Der Fotoblog ist bereits wieder reaktiviert, der Pflanzenblog wird folgen und dieser hier.. ein erster neuer Beitrag ist soeben erschienen.

Leider hatte ich mich in der letzten Zeit vermehrt Socialmedia als Ventil gewidmet. Instagram, Facebook. Mobil, von unterwegs, aus dem Garten, aus dem Bad, aus dem Wald.. alles vom Handy. Man musste sich kurz halten, ausholen am Handy mit Zeichenbegrenzung auf diversen Portalen, ist nicht drin.

Merke nun, wie es mir schwerfällt, wieder wie früher im Zehnfingersystem zu schreiben. Die Geschwindigkeit hat merklich nachgelassen, ich verhake mich manchmal und muss neu ansetzen. Aber es wird wieder.. genau so, wie mein Ziel, wieder zu bloggen, Gedanken nieder zu schreiben.

Die nächsten Beiträge werden nicht chronologisch auf das Erlebte eingehen. Dafür ist einfach zu viel geschehen, jedoch versuche ich möglichst alles irgendwie zu thematisieren. Es bedrückt mich einfach zu sehr, als dass ich es unausgesprochen lassen kann. Worte werden erst entschärft, wenn ich sie auf dem Monitor lesen kann.

Ich spreche hier von einem Umzug, einem unfreiwilligen Neuanfang, der Verlust von Zielen, eine neue Partnerschaft, das unglückliche Verliebtsein über einen langen Zeitraum in eine offenbar narzisstische Frau, Kündigung eines geliebten Jobs, ein Einbruch, das Aufgaben der mühsam aufgebauten Selbstständigkeit, erfolglose Jobsuche..

Bis dahin..

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Eigentlich müsste man „im Alter“ ja durch Erfahrungen und Erlebnisse, weiser werden, was Abweisungen angeht, gar irgendwie ein wenig abstumpfen oder zumindest eine so große Distanz zu dieser Thematik aufbauen, dass es einem nicht mehr irrational nahe geht. Im Klartext: Gesund und erwachsen mit nicht erfüllten Vorstellungen/Wünschen umgehen können, ohne dass man sich – wenn auch unbewusst – gedanklich hineinsteigert und ständig versucht, das „Warum“ zu erkennen – auch wenn einem bewusst ist, dass man dieses „Warum“ nie erfahren wird.

Damit meine ich nun nicht dieses Grübeln, in das jeder Halbwegs sensible und denkende Mensch verfällt, wenn man vom Gegenüber, plötzlich nicht mehr beachtet wird oder sich die Stimmung der Kommunikation schlagartig ändert. Sprich: „grübeln, Wunden lecken, nochmals grübeln, sauer sein und irgendwann die Gedanken ad acta legen“, sondern einen unaufhaltsamen, destruktiven Gedankenstrudel, der einen so sehr im Griff haben kann, dass der Alltag dadurch in einer negativen Art und Weise geprägt und das alltägliche Handeln eingeschränkt wird. (Eben die klassische Depression mit all ihren Facetten von Schlaflosigkeit, über Appetitlosigkeit, Lethargie, Unfähigkeit, seine gewohnte geistige und körperliche Leistung zu erreichen. Das über einen Zeitraum von Wochen oder länger.)

Letztes Jahr hatte ich in so einer Situation meinen Job geschmissen, weil mich das ganze Grübeln so viel Energie kostete, dass ich mich auf nichts anderes mehr fokussieren konnte und letztendlich mein Tagesablauf komplett durcheinandergeriet. Dem Ganzen war ein Zeitraum von März bis Semptember vorausgegangen, in dem ich viel Zeit mit einer Frau verbrachte, in die ich mich schlussendlich verliebte. Auf die Aussprache folgte das Ghosting – eine Handlung, die mein Gehirn nicht verstand und daher zwanghaft nach Antworten suchte, die ich natürlich nie bekam.

Ghosting ist für mich DER Dämon schlechtin. Meine absolute Urangst.

Wie ich auf die Trennung von meiner Ex nach fast sechs Jahren Beziehung reagierte, muss ich wohl nicht erwähnen. Im Grunde hat das damals den Stein bei mir ins Rollen gebracht, mich zu einem Menschen gemacht, der im Kontrast zu jedem normalen sozialen Denken und Handeln steht.

Ich mache mittlerweile deutlich bewusster die Erfahrung, dass sich die Effekte von Abfuhren summieren, sich einbrennen, mich nachhaltig prägen und massiven Einfluss auf mein weiteres Kennenlernverhalten nehmen. Dazu muss im Grunde nichtmals mehr klassisches Dating vorausgegangen sein, selbst Gefühle fürs Gegenüber sind nicht obligat, sondern einzig die Tatsasche, dass ich Energie investierte und einfach nur eine intensive Konversation über einige Zeit mit einer mir interessant erscheinenden, jedoch unbekannten Frau führte, reicht mittlerweile aus.

Leider vergesse ich kaum etwas, besonders wenn es mit starken Emotionen gekoppelt ist – positive, wie auch negative, wobei hier die negativen im Vordergrund stehen. Ich schreibe mit einer Frau, die ich nicht kenne, aber irgendwie interessant finde und das einzige, an das ich denke, ist: GHOSTING. Dadurch sind die negativen Assoziationen, die ich mit dem Kennenlernen verbinde, immer sehr schnell sehr präsent. Sobald ich anfange, mich einem Gegenüber zu öffnen, ist da direkt diese Angst, erneut vergebens Energie zu investieren und schlussendlich doch wieder fallengelassen zu werden. Dieses Gefühl kann ich auch leider nicht abschalten. Erfrischend, wenn man doch auf Menschen trifft, da ähnlich denken und eine ähnliche Skepsis an den Tag legen, zu denen man scheinbar irgendeinen Draht hat.. Scheinbar..

Mittlerweile bin ich aus reinem Selbstschutz daher so sehr auf Distanz, dass ich kaum mehr das Level der Kommunikation erreiche, ab dem ich ein Gegenüber überhaupt auf einer Art und Weise interessant finde, um diese Energie zu investieren, das Gegenüber zu ergründen. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel, sind jedoch für meine Verhältnisse eher schon sowas wie ein Sechser im Lotto – und so eine Ausnahme hatte ich unlängst erlebt.

Ich bin sowieso kein Mensch, der viele Kontakte knüpft, auch wenn mir das im Netz fälschlicherweise oft angedacht wird. Zudem kommt die just erwähnte Thematik hinzu, dass ich ständig in einer starken Defensivhaltung bin, was das Kennenlernen angeht und ich dadurch nur sehr selten nachhaltiges Interesse am Gegenüber entwickeln kann. Dumm nur, wenn diese Defensivhaltung mal versagt, man wider erwarten eine Frau interessant findet, da einfach diese mentale Deckungsgleichheit vorhanden ist und.. vom Gegenüber nichts mehr kommt.

Deja-vu.

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Rückblick.

Puh, ich lebe noch. Tatsächlich. In den letzten Monaten sind meine psychischen Probleme wieder stärker geworden – einzig durch äußere Faktoren (Dazu aber gleich mehr). Zwar bin ich nun erfolgreich vom Venlafaxin weg, was auch mit Abstimmung meiner Neurologin relativ unkompliziert ging, doch öffneten sich währenddessen wieder andere Baustellen.

Zum Einen war ich äußerst froh und voller Energie, als ich mein Leben wieder ohne die Fremdbestimung durch Psychopharmaka leben konnte: Während der Sommermonate habe ich viele Möglichkeiten gefunden, mich abzulenken, meinen Körper irgendwie zu pushen, bis ich einfach gar keine Zeit und Gedanken mehr für Depressionen hatte. Durchs exzessive Radfahren und ständiges Unternehmen von Ausflügen habe ich da ein probates Mittel gefunden, um über die Runden zu kommen.

Doch soviel zu den positiven Seiten.

Durch die auslaufende Bafögbewilligung musste ich den Antrag erneut einreichen. Dieses Mal jedoch – bedingt dadurch, dass ich im Studium meilenweit hinterherhinke – mit großem bürokratischen Akt.

Ich will jetzt auch gar nicht so weit ins Detail gehen. Durch mehrere Missverständnisse und Fehlkommunikation seitens Fakultätssekretariat und Bafögamt, war die Bewilligung ein vermeidbarer Stressfaktor, der mich an meine Grenzen brachte. Oft schlief ich nächtelang nicht und heulte einfach nur, weil man mir – so fühlte es sich an – unnötig und absichtlich Steine in den Weg legte.

Es fing damit an, dass ich vom Bafögamt eine Frist gesetzt bekam, an die sich das Sekretariat nicht halten wollte/konnte. Zudem erhielt ich vom Sekretariat ein Formular, das unvollständig ausgefüllt war, auf dem der Stempel fehlte. Viele Kleinigkeiten, die sich zu einem riesigen Stressberg summierten.

Letztendlich erhielt ich eine finale Deadline vom Bafögamt per 13. August. Am 10. August fand ich endlich das besagte Formular aus dem Sekretariat bei mir im Briefkasten.. Obwohl ich drum bat, es persönlich abzuholen, schickte man es dennoch stur per Post, wodurch ich die Frist nahezu vollends ausreizen musste.

Schlussendlich wurde aber alles bewilligt und die Finanzierung meiner nächsten beiden Semester ist erstmal geklärt. Im nächsten Jahr muss ich mich dann um eine andere Geldquelle bemühen und mindestens halbtags arbeiten, um den Bedarf zu decken. Aber das sollte eigentlich zu schaffen sein – Sofern ich einen neuen Job finde. In der Spedition möchte ich nämlich beim besten Willen nicht länger als nötig arbeiten. Zu viele Stressfaktoren, zu viele Reize.

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Job weg..

So wie es aussieht, habe ich nun meinen Nebenjob verloren.

Wieso? Weil ich telefonieren müsste.

Neben meinem Studium arbeite ich in einer Spedition als Staplerfahrer auf 450Eur Basis. Gegen Ende des Monats muss man dort im Büro vorstellig werden, um die Termine für die Arbeitszeiten des folgenden Monats zu klären.

Der Kollege im Büro ist seit letzter Woche nicht da (war nun mehrfach persönlich im Büro wegen meines Anliegens) und die Vertretung war im Lager unterwegs. Da ich heute außerhalb meiner Arbeitszeiten dort war, hatte ich demnach keine Sicherheitsschuhe dabei. Das Problem: Das Lager darf man nur mit Sicherheitsschuhen betreten. Hatte also keine Möglichkeit den Kollegen persönlich zu erreichen. Auf Nachfragen im Büro sagte man mir nur, ich solle mich telefonisch an den Büromenschen wenden, der seit Tagen im Homeoffice ist.

Telefonisch. Ich telefoniere nicht – zumindest nicht in meiner aktuellen mentalen Verfassung (Erläuterung folgt unten). Ergo habe ich keinerlei Arbeitszeiten für den nächsten Monat.

Es ist irrational, aber ich weiß genau, dass ich kein Wort herausbringen würde, wenn ich dort nun anrufe..

Ich drehe mich gerade völlig im Kreis. Könnte ausrasten. Vor 2 Wochen verstarb meine Oma unverhofft. Das heißt, ich muss in der Heimat noch so viel regeln und erledigen – ganz abgesehen von meiner emotionalen Situation in der ich mich befinde. Dann das Chaos im Studiumalltag durch die Coronasituation und nun die Sache mit dem Job. Zu allem Überfluss fällt aktuell auch noch meine Autismustherapie aus. Bin hier völlig auf mich allein gestellt und fahre das Schiff gerade vollends an die Wand.

Nachtrag, 24.03.20:

Wieder einmal die typische, ambivalente Weirdness.. Irgendwas brachte mich aus dem Konzept, weil es nicht so lief, wie ich es mir vorher ausmalte und schwups, drehte ich durch.

Nachdem ich eine Nacht drüber schlief, hatte ich mich wieder beruhigt und funktionierte plötzlich wieder wie ein Mensch. Ein kurzer Griff zum Telefon und alles war erledigt.

Manches kann so einfach sein.

Nichtsdestotrotz habe ich parallel dazu mögliche neue Stellen angepeilt.. Möchte so viel wie möglich an Nebenjobs im Studium mitnehmen, um Einblicke zu erlangen, zu denen ich später vielleicht keine Zeit und Möglichkeit mehr habe.

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Abschied nehmen..

Manchmal hat man Ängste, die man über Jahre vor sich herschiebt, in der Hoffnung, dass eine Situation noch lang auf sich warten lässt. Warum dann überhaupt diese Ängste und nicht einfach das Jetzt genießen? Keine Ahnung. Eine meiner größten Ängste war seit meiner Jugend die Angst vor dem Tod meiner Oma.

Schon als Jugendlicher hatte ich panische Angst davor, meine Oma zu verlieren. Allein die Tatsache, dass sie die älteste Person unserer Familie war, hielt mir immer den Gedanken vor Augen, dass sie wahrscheinlich die nächste sei, die ginge.

Dadurch, dass meine Mutter alleinerziehend war und trotz dieses Umstandes immer fleißig arbeiten ging, war es meine Oma, mit der ich die meiste Zeit als Kind verbrachte. Sie hatte für mich nie die typische Omarolle, sondern war alltäglich präsent, zog mich groß und unternahm mit mir immer irgendwelche Ausflüge.

Sie brachte mich zum Kindergarten, zur Grundschule, brachte jeden Morgen Brötchen, als ich irgendwann zur Realschule ging und war auch in den letzten Jahren ein ständiger Begleiter.

Als meine Mutter vor 16 Jahren das Haus baute, war meine Oma auch immer anwesend. Sie half, wo sie nur konnte. Sei es beim Kochen (Was sie bis zu ihrem Tod jeden Tag noch tat), oder Anfangs auch im Haus und Garten. Sogar den Rasen mähte sie, obwohl sie damals schon längst nicht mehr so gut zu Fuß war, wie sie es sich wünschte.

Gemäß dem Falle, dass ich mich wiederhole: Oma war immer da. Sie kam jeden Tag zu meiner Mutter, schmiss den Haushalt, kaufte ein und dachte nicht daran, auch nur einen Gang zurück zu schalten. Sie war einfach rastlos und zutiefst traurig, als der Körper in den letzten 3 Jahren schwächer, und die Schmerzen stärker, wurden. Trotzdem wollte und konnte sie einfach nicht anders. Sie dachte selten zuerst an sich und stellte ihre Familie stehts in den Vordergrund, während sie immer die bescheidene Rolle im Hintergrund einnahm.

Wahrscheinlich ein typischer Charakterzug einer Generation von Frauen, die den Krieg erlebten und in der Nachkriegszeit in jungen Jahren schon sehr früh erwachsen sein mussten, um zu funktionieren, um ihre Brüder und Mutter zu unterstützen, während der Vater in Russland in Gefangenschaft war.

Oma, oder Oms, wie ich sie seit meiner Kindheit nannte, war eben eine solche Person. Stark, zäh, empathisch, zutiefst sympathisch. Ein Fels in der Brandung, standfest und unkaputtbar. Immer da, wenn man sie brauchte.

In den letzten beiden Jahren merkte man, wie sehr es sie aufwühlte, dass ihr Körper nicht mehr so wollte, wie ihr Geist. Sie beklagte sich immer nur in kleinen Dosen. Freiwillig ging sie selten zum Arzt. Erst recht nicht wegen Kleinigkeiten. Sie riss sich bis zum letzten Augenblick zusammen und ließ sich nie etwas anmerken, auch wenn sie sich zum Ende viel zu viel zumutete. Die Gelenke schmerzten, die beine wurden schlapp. Dennoch ging sie jeden Tag einkaufen, fuhr Bus und kam jeden Tag ins Haus meiner Mutter, um zu kochen, die Katzen zu versorgen und letztendlich auch zu putzen (zumindest, solang sie es noch konnte).

Oms war rastlos. Sie musste einfach ständig auf Achse sein und irgendwas tun. Wenn sie sich schlecht fühlte, musste man sie regelrecht zwingen, ein bis zwei Tage bei sich zu bleiben. Und selbst das tat sie nur widerwillig. Ohne die ständige Routine wäre sie eingegangen wie eine Blume, die man in einen dunklen Schrank stellt. Mir kam es immer wieder vor, als zöge meine Oma ihre Energie aus ihrem Alltag. Sie war immer die gute Seele in der Familie, hatte ihre Prinzipien und Maximen, biss die Zähne zusammen, anstatt zu klagen.

Mit ihr konnte man über alles reden, sie war ein herzensguter Mensch und oftmals der Kitt in der Familie. Mir ist keine bewusste Situation im Kopf, in der wir uns gestritten haben. Klar gab es mal Meinungsverschiedenheiten, aber diese waren immer schnell aus der Welt.

Obwohl sie nicht mehr so konnte, wie sie wollte, war sie einfach immer da. Bis zuletzt besuchte sie mich mit meiner Mutter in Osnabrück und zeigte an allem Interesse.

Als meine Mutter das letzte Wochenende für 2 Tage nach Osnabrück kam, blieb meine Oma zuhause, um die Katzen zu verpflegen. Als wir am Samstag telefonierten, lief sie durchs ganze Haus, weil die Katzen mal wieder Verstecken spielten und sich nicht blicken ließen. Die Katzen hatten einen positiven Einfluss auf sie. Es tat gut zu sehen, wie sie in ihrer Gegenwart immer noch neue Energie schöpfte und die schmerzenden Gelenke und die damit verbundenen Schwächen etwas verdrängen konnte.

Sonntagabend, als meine Mutter wieder auf dem Weg nach Essen war, telefonierte ich noch etwa eine Stunde mit meiner Oma. Neben aktuellen Sachen, erzählte sie wieder ihre typischen Geschichten von Leuten, die schon weit vor meiner Zeit verstorben waren.. Eben typische Omageschichten, die man mindestens 4 mal im Jahr zu hören bekam.

Im Nachhinein ärgere ich mich so sehr über mich selbst, dass ich ihr nicht aufmerksam zuhörte und sie darauf hinwies, dass ich die Geschichten schon kannte.. Um ehrlich zu sein, langweilten mich die Geschichten dieses Mal, dass ich geistig abwesend war. Sie merkte es und schlug vor, dass wir das Gespräch beenden sollten.

Wir legten auf.

Wenig später erreichte meine Mutter ihr Ziel. Am Abend fuhr sie meine Oma nachhause.

Es war ein Tag wie jeder andere. Keiner, dem ich zu diesem Zeitpunkt irgendeine Bedeutung beimaß. Ein fataler Fehler, der mich immer noch zu heftigen Vorwürfen treibt, für den ich mich hassen könnte.

Als ich am Montag, den 8.3. gegen 13 Uhr aus der Uni kam, hatte ich noch Essen von meiner Oma im Kühlschrank, das sie meiner Mutter Samstagmorgen für mich mitgab. Während ich den Teller leerte, ging das Handy.

Eine – mir unbekannte – Nummer aus Gelsenkirchen. Ich ging dran. Das Evangelische Krankenhaus Gelsenkirchen meldete sie.. Wer ich sei, fragte man. Man hätte die Nummer im Portemonnaie einer Frau Dimanski gefunden. Ich konnte nicht folgen. Wieso wühlt man im Krankenhaus im Portemonnaie meiner Oma umher? Wieso ist meine Oma überhaupt im Krankenhaus?

Jetzt ging alles ganz schnell.. Ich entgegnete, dass ich der Enkel sei. Meine Oma hatte einen Zusammenbruch erlitten, während sie ihre Einkäufe tätigte. Man berichtete von halbseitigen Lähmungserscheinungen.. Scheiße. Ich war fassungslos. Ich machte mir aber Mut, indem ich meinem Gegenüber ständig sagte, dass ein Schlaganfall nicht unbedingt komplett schlimm enden müsse. Wie es ihr geht, wollte ich wissen. Ich solle mich jetzt nicht aufregen. Wieso, fragte ich. Sie verlor bereits im Rettungswagen das Bewusstsein und wurde eine Stunde lang reanimiert – vergebens. Sie ist leider verstorben, es tut uns leid, wir konnten nichts mehr für sie machen.

Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte. Es war ein seltsamer Traum, aus dem ich aufzuwachen versuchte. Vergebens. Noch während ich das Handy, mit dem Krankenhaus in der Linken hielt, griff ich mit der Rechten zum Telefon und versuchte meine Mutter zu erreichen. In meinem Schock wählte ich ständig meine eigene Nummer, bis ich endlich die Nummer meiner Mutter zusammenbekommen hatte.

Es platzte so aus mir raus.. Mama.. Oms hatte einen Zusammenbruch, sie war sofort tot. Meine Mutter war perplex, eh ich erklären konnte, dass ich das Krankenhaus auf der anderen Leitung hatte.

Scheiße. Ich war der Erste, der davon erfuhr und hatte die Bürde, diese Information weiterzugeben.. Ich wäre in dem Augenblick am liebsten selber gestorben.

Ich schrie aus voller Seele, gab dem Krankenhaus die Nummer meiner Mutter und legte auf. Ich schrie fortwährend, trommelte gegen die Wand.

Fünf Minuten später rief meine Mutter wieder an. Wir schrien beide ins Telefon. Sie machte umgehend Feierabend und fuhr ins Krankenhaus. Ich packte meine Sachen und raste, getrieben von Emotionen und völlig blind mit knapp 200kmh durch den Regen nach Gelsenkirchen. Irrsinn.

Nach 1:15 Stunden erreichte ich schließlich das Krankenhaus. Davor stand bereits meine Mutter, tränenüberflutet. Ich wollte noch rein, aber es ging nicht mehr. Der Schockraum wurde dringend benötigt. Dafür war ich nun so gerast? Ich wollte sie sehen, unbedingt. Ich machte mir Vorwürfe.

Wir fuhren heim, es war eine ekelhafte Situation. Ich hasse Trauer, ich hasse den Schock. Ich hasse es, geliebte Menschen zu verlieren.

Wie es schien, hatte ich am Telefon mehr Informationen bekommen, als meine Mutter. Die Krankenschwester, die mich anrief, hatte ihre Informationen direkt von der RTW-Besatzung, die Ärztin, die mit meiner Mutter sprach, konnte sich nur auf rudimentäre Informationen beschränken.

Wir wussten nicht, was geschah, wo es geschah und wann es geschah.

Ich erinnerte mich, dass ich in einer lokalen Facebookgruppe bin und postete dort die Frage, ob vielleicht jemand Zeuge eines Zusammenbruchs einer alten Dame in der Einkaufsstraße des Stadtteils geworden war.

Es meldete sich tatsächlich jemand. Die Frau, die den RTW rief und als erste an Ort und Stelle war.

Ich wollte erst nicht glauben, dass sie von meiner Oma sprach, aber die Informationen ließen nichts anderes zu. Meine Oma hatte einen anderen Weg als sonst genommen, war auf dem Weg zusammengesackt. Die Frau kam auf die zu, versuchte zu helfen, doch meine Oma konnte kaum mehr sprechen und war bereits halbseitig gelähmt. Ihren Namen, ihren Hausarzt und die Adresse gingen ihr noch schwer über die Lippen, danach verlor sie das Bewusstsein.

Das waren für mich wichtige Informationen, die mir das Krankenhaus nicht geben konnte. Ich bin unendlich dankbar, dass die Frau sich auf meinen Beitrag hin meldete. Damit schloss sich für mich ein wichtiger Kreis an Informationen.

Jedoch fühlte ich mich noch schlechter, als zuvor, als ich diese Infos noch nicht hatte. Mir wurde bewusst, dass meine Oma, allein auf der Straße verstarb – allein unter Fremden. Dieser Umstand schmerzt unendlich, ich bringe diese Zeilen nur unter einem Schwall von Tränen in die Tastatur meines Laptops.

Meine Oma hätte im Kreis der Familie sterben müssen, nicht auf der Straße, womöglich noch von Gaffern beglotzt.. Sie tut mir so Leid. Es muss grausam gewesen sein, was ihr durch den Kopf ging, als ihr bewusst wurde, dass sie einen Schlaganfall erlitt, dass dieser das Ende bedeutete..

Der Gang zum Bestatter am nächsten Tag war erneut eine emotionale Katastrophe für mich. Ich halte mich kurz..Wir mussten einen Sarg aussuchen, Formalia erledigen und allerhand Dinge überlegen, die man noch auf die lange Bank schob.. Ein Grab, eine Gruft? Was sollte es werden?

Oms war immer sehr bescheiden und hatte für Opa selbst über Jahrzehnte eine Gruft, die sie bereute und schließlich aufgab. Sie wollte immer anonym bestattet werden – auch hier nur ihre Kinder im Hinterkopf, denn alles andere sei untragbar und mache zu viel Arbeit. Meine Mutter wird 63, ich wohne in Niedersachsen und weiß nicht, wo es mich hin verschlägt.. vielleicht sogar mal ins Ausland. Dann noch die Pflege eines Grabes für 25 oder 40 Jahre zu übernehmen, wäre fatal. So dachte auch Oms.

Wir fanden jedoch eine Lösung, die uns allen nicht bekannt war. Eine mehr oder weniger anonyme Bestattung unter einer Blumenwiese. Man selbst weiß, an welcher Stelle sie liegt, aber das Grab ist nicht öffentlich und wird nicht zu einer Pilgerstätte für Klatsch- und Tratschliebende Menschen, wie es damals bei meinem Opa war, als mehrere hundert Menschen zu seiner Beerdigung erschienen.

Am Nachmittag des selben Tages erhielten wir den Anruf des Bestatters, dass wir uns sie nochmal ansehen könnten. Sofort ging es Richtung Bestattungshalle. Ich hatte einen Klos im Hals, mir war schlecht. Aber ich musste sie sehen und ärgerte mich zutiefst, dass ich sie am Tag vorher im Krankenhaus nicht mehr sehen konnte.

Ich hatte Angst, sah ich hier doch zum ersten Mal einen toten Menschen.. und dann auch noch meine geliebte Oms. Es war so ein schmerzlicher Anblick, der mich paralysierte. Aber es war mir eine Lebensaufgabe, sie nocheinmal zu sehen und ihr lebewohl zu sagen. Meine Mutter sagte zwar, sie sehe aus, als schliefe sie. Aber ganz ehrlich.. Tote Menschen sehen selten aus, als lägen sie nur im Tiefschlag. Sie war schön hergemacht, hatte die Kleidung an, die wir ihr am Morgen noch aus ihrem Schrank holten. Aber dennoch tat mir der Anblick so weh. Ich verstehe es heute noch nicht, dass Oms tot ist .

Klar, sie ging auf die 90, hatte mit fast 87 Jahren ihr Leben gelebt und viel erlebt. Ich denke, sie war schon lang drauf vorbereitet. Wenn das Thema Tod kam, versuchte sie immer zu beschwichtigen. Als hätte sie nicht gewollt, dass man sich ihretwegen den Kopf zerbricht. Aber wir verdrängten das Thema immer wieder, auch wenn man sich unbewusst schon seit Jahren auf diesen Moment vorbereitete und gerade deshalb eine solche Heidenangst davor hatte.

Aber irgendwann kommt der Augenblick, in dem man loslassen muss. Doch Oms, du hast es nicht verdient, allein auf der Straße zu sterben, Es tut mir so leid und bricht mir das Herz. Der einzige Trost und somit die positive Facette ist, dass du nicht krank warst und nicht lange leiden musstest.

Aber vielleicht hast du gelitten, es aber nur nicht nach außen getragen? Vielleicht hattest du auch schon abgeschlossen und hast den Tod erwartet. Vielleicht haben wir die Signale falsch gedeutet.

Ich hätte dir noch so viel zu sagen gehabt, hatte noch so viele Fragen, hätte dir noch so gern meinen Uniabschluss gezeigt, die Urenkel geschenkt. Mama wollte mit dir im Sommer ihrer Berentung an die Ostsee fahren.. Jetzt bist du fort und hast eine so riesige Lücke hinterlassen. Wir vermissen dich, du fehlst uns.

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Dilemma: Gruppenarbeit

Ganz großes Alptraumthema: Gruppenarbeiten im Studium.

Ich saß heute mit ~4 Leuten in einem Raum und musste diskutieren, wie ich mir meinen Part einer Präsentation vorstelle. Ich hätte am liebsten schreienderweise den Raum verlassen. Es fühlte sich an, als würden die Wände auf mich zukommen und gnadenlos zerdrücken. Genau deswegen kann ich nicht mit Menschen arbeiten..

Die Situation zeigte mir irgendwie wieder, wie autistisch ich eigentlich bin, obwohl ich nach außen relativ normal zu funktionieren scheine.. Alleine könnte ich solche Projekte viel effektiver bewältigen, so saß ich nur unproduktiv herum und konnte nichts beitragen. Das Bild, das ich dort ablieferte, möchte ich erst gar nicht vor Augen haben..Leider ist das erst der Anfang. Die nächsten Semester bestehen quasi nur noch aus solchen Gruppenarbeiten und Projekten.

Ich könnte heulen!

Ich habe Angst.

Eigentlich müsste ich nun weiter an der Präsentation arbeiten, doch haben mich die zwei Stunden mit ~vier Leuten in einem Raum so erschöpft, dass ich nun zu nichts imstande bin. Ich bin leer, ich bin ausgebrannt, ich bin kurz davor, wieder einmal von meinen Gedanken überrannt zu werden und den Kopf die nächsten Tage wieder völlig in den Sand zu stecken.

Es ist einfach fürchterlich und eine Höllenqual, mit einer banalen Selbstverständlichkeit zu Gruppenarbeiten gezwungen zu werden. Es wird von den Professoren einfach vorausgesetzt.

Schon mehrfach versuchte ich, einen Nachteilsausgleich für diese Thematik zu erlangen, in der Hoffnung für mich allein arbeiten zu dürfen.. In aller Regelmäßigkeit schreibe ich diese Thematiken in meinen Emails nieder. Leider blieben jegliche Anfragen dahingehend bei der Hochschule Osnabrück unbeantwortet. Kontinuierlich werde ich an die Nachteilsausgleiche zu den Prüfungen verwiesen. Mehr ist nicht drin? Als Autist mit sozialen Problemen hat man an dieser Hochschule leider die sprichwörtliche Arschkarte gezogen und muss sehen, wie man klarkommt.

Schwerwiegende Probleme? Ärztliche Gutachten und Diagnosen? Schwerbehindertenausweis? Scheint alles keine Relevanz zu besitzen. Bislang empfand ich keinerlei Entgegenkommen oder Unterstützung seitens der zuständigen Stellen. Lediglich in Prüfungen durfte ich Ohrstöpsel tragen. Aber das Gravierende ist diese verdammte Gruppenarbeit, zu der ich nicht imstande bin. Hier scheint es keine Lösung zu geben, die in Form von Nachteilsausgleichen mir zugute kommen kann.

Was sehr traurig ist, da es sämtliche Stellen für Inklusion, Integration und Gleichstellung gibt. Aber offensichtlich ist die gendergerechte Sprache wichtiger, als das Angebot an Unterstützungsmaßnahmen für autistische Studenten (Ja, Studenten, nicht Studierende!).

Das Einzige, was mich im Studium wirklich behindert, ist der verdammte Zwang zur sozialen Interaktion – nicht mein Autismus. Nur leider kann ich die Thematik im Alltag nicht offen kommunizieren und möchte auch nicht ständig mit der Tür ins Haus fallen oder die Rolle des Sonderlings einnehmen.

Fakt ist jedoch: Alleine kann ich viel effektiver und produktiver arbeiten. Meine Vergangenheit ist die beste Referenz dafür, dass ich ein Kämpfer bin, der seine Ziele erreicht. Aber auf die Bedürfnisse eines Einzelnen scheint es gar nicht anzukommen. So viel zum Thema Inklusion. Diese besteht nur auf dem Papier und in tollen Instagramvideos, die das Studieren mit Behinderung schmackhaft machen sollen, auch wenn die Realität einem jeden Tag ins Gesicht schlägt und man nur all zu oft dran erinnert wird, dass jeder Tag ein Kampf ist.

Ich fühle mich verdammt hilflos, so kenne ich mich gar nicht..

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