Ich nehme hiermit Bezug auf meine Beiträge vom 18. und 10. Januar, in denen es um eine Absage einer Stelle nach erfolgter Jobzusage ging, die offensichtlich durch meine Behinderung (Asperger-Syndrom, GdB 60) begründet war und eine ziemliche Welle der Empörung und Unterstützung auslöste.

Auf das damalige Geschehen möchte ich nun nicht mehr im Detail eingehen, daher verlinke ich den Beitrag vom 18. Januar: https://www.facebook.com/groups/814925385536212/posts/2041911896170882

Fakt ist jedoch: Ich habe den Konzern verklagt und bin in dieser Woche endlich am Ziel meiner Odyssee angekommen. Der gerichtlich bestätigte Vergleich ging auf meinem Konto ein; ein Schuldeingeständnis des Konzerns laut Anwalt. Ich habe gewonnen!

Als wäre die Klage als solches nicht schon Stress genug gewesen, musste ich meinen ersten Anwalt “feuern”, da er nicht in die Pötte kam und 2 Wochen vor Verstreichen der Frist keinerlei Interesse an meinem Fall mehr zeigte. Ich war am Ende meiner Kraft und wollte aufgeben, mich geschlagen geben, einfach nur vergessen – obwohl mein Gewissen und mein Gerechtigkeitssinn strikt dagegen waren. Aber ich war fertig.

Dank meiner Freundin fand ich jedoch zeitnah einen neuen Anwalt, der die komplette Klageschrift binnen eines Tages verfasste und betreffende Personen in dem Konzern namentlich vor Gericht zitierte. Die Klageschrift trieb mir die Tränen in die Augen. Freudestränen! Der neue Anwalt nannte jedes kleinste, von mir erwähnte Detail, nannte jeden Übeltäter beim Namen, kippte dem Konzern verbales Salz in die Wunden und zeigte deutlich jeden Missstand in diesem Unternehmen auf. Worte, die sicher kein Geschäftsführer über sein Unternehmen bei Gericht wissen möchte. Kurzum: Ein Anwalt, wie er im Buche steht: Fachlich kompetent, transparent, aggressiv, enthusiastisch, motiviert und engagiert. Schon im Erstgespräch merkte man, wie seine Empörung mit jeder weiteren Schilderung meiner Erfahrungen größer wurde. Er hatte wirklich Bock und erreichte binnen einer Woche mehr, als der vorherige Anwalt in fast 3 Monaten schaffte.

Offenbar zeigte das Handeln des neuen Anwaltes zeitnah Wirkung und man kam mir mit einem Vergleich entgegen, eh es tatsächlich zu einer Verhandlung kommen sollte.

Ja, die ganze Klage war Stress. Unausstehlicher Stress, den ich gar nicht beschönigen möchte. Die größte Angst war, keine Kraft für ein Gerichtsverfahren mehr zu haben und dieses eventuell zu verlieren. Daher habe ich mich auf Empfehlung meines Anwaltes auf den Vergleich eingelassen.

Leider dehnte man die Frist hier bis zum letzten Tag, aber im Laufe der letzten Woche ging der Betrag endlich ein und ich kann abschließen, wieder nach vorn Blicken und mich auf meine anderen Bewerbungen konzentrieren. Über 4 Monate Stress, Ungewissheit und Angst fielen schlagartig ab.

Worauf ich eigentlich hinauswill: Kämpft, wenn Euch Unrecht und Diskriminierung widerfährt! Der Weg mag anstrengend sein, man mag dabei Angst und massiven Stress erleben, aber es lohnt sich, ein Zeichen zu setzen und (potentielle) Arbeitgeber in die Schranken zu weisen, wenn dort massive, rechtswidrige Diskriminierung stattfindet. Diskriminierung darf man nicht unkommentiert stehen lassen. Leider zeigte meine Erfahrung, dass eine Meldung bei der Antidiskriminierungsstelle oder der betreffenden Kammer nichts bringt und man selbst aktiv werden muss – die Kammer zeigte nicht einmal den Hauch von Interesse und antwortete mir nur gleichgültig, dass es nicht deren Aufgabenfeld sei, sich um Diskriminierung in den angeschlossenen Firmen zu kümmern.

Kurzum: Man muss einen Anwalt einschalten, der jedes kleinste Detail in einer aggressiven Klageschrift vor Gericht bringt – ob daraus nun ein Gerichtsverfahren entspringt oder das ganze im Vorfeld in einem Vergleich endet, ist zweitranging. Wichtig ist nur, dass das Unternehmen merkt, dass es einen groben Fehler machte und es Menschen gibt, die sowas nicht wort- und tatenlos über sich ergehen lassen!

Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen in meiner Situation zu entsprechendem Handeln inspirieren.

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