Was es heißt, Autist zu sein.

Beim Durchforsten der Seite fand ich in einem der ersten Artikel ein paar Worte, die es passender eigentlich nicht hätten treffen können. Daher möchte ich sie an dieser Stelle zitieren.

(Asperger-)Autismus wird nicht umsonst die unsichtbare Behinderung genannt. Man sieht es dem Betroffenen einfach nicht an und schließt daraus, dass dieser deswegen nicht leiden könne und sich nicht so anstellen solle. Viele Betroffene, vor allem spätdiagnostizierte Asperger haben im Laufe ihres bisherigen Lebens Strategien entwickelt, um sich – zumindest nach außen – anzupassen. Teils bewusst, teils unbewusst. Diese Strategien kommen einer erlernten Fremdsprache nahe, die man zwar mehr oder weniger fließend beherrscht, aber eben nicht mit der Perfektion eines Muttersprachlers. Irgendwann kommt man auch als angepasster Asperger-Autist an seine Grenzen und die so mühsam aufgebaute Fassade bricht in sich zusammen.

Diese Grenzen sind jedoch meist nicht durch den Autismus gesteckt, sondern durch das falsche Bild, das in der Gesellschaft herrscht. Etwas mehr Weitsichtigkeit in Bezug auf Menschen, die nicht der Norm entsprechen, würde der Gesellschaft gut tun. Durch falschen Umgang mit Autisten werden diese erst behindert und eingeschränkt. Würde beispielsweise ein Arbeitgeber von sich aus auf die Bedürfnisse seines autistischen Angestellten eingehen, bräuchte dieser keinen Schwerbehindertenausweis, um Nachteilsausgleiche einzufordern, gar einzuklagen.

Autist sein heißt, sich ständig rechtfertigen zu müssen und dennoch missverstanden zu werden.

Link zum Kompletten Artikel: aspienaut.de/?p=61

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Warum es falsch ist, die Probleme eines Autisten zu banalisieren

Ich lege mich mit diesen Worten nun bewusst weit aus dem Fenster und behaupte pauschal, dass JEDER Autist bereits Sätze von Nichtautisten hörte, die seine Probleme relativieren, gar banalisieren sollen: “Stell dich nicht so an, andere schaffen das auch.”, “Ich habe auch Probleme und bekomme das hin“, “Du brauchst endlich mal einen Tritt in den Hintern um dein Leben in geordnete Bahnen zu lenken!“, “Du musst auch mal über den Tellerrand blicken und offen für Neues sein, sonst wird sich in deinem Leben nie etwas ändern!“.

Solche Sätze sollen vielleicht aufmunternd, erheiternd, motivierend wirken, zeugen aber letztendlich nur von eingeschränkter Sichtweise und mangelndem Verständnis, gar einer Art von Ignoranz gegenüber der Problematiken eines Autisten. Es ist verletzend, herablassend und in Teilen durchaus übergriffig und respektlos, sich von Nichtbetroffenen anhören zu müssen, wie einfach Dinge sein können – oder mehr: wie einfach Dinge in ihrem Leben sind.

Leider hat Autismus ein allgemeines Imageproblem, ähnlich dem von psychischen Erkrankungen, wie Depressionen. Zwar haftet Autismus mittlerweile – der Populärkultur sei “Dank” – etwas “Verwegenes” und scheinbar “Cooles” an, wenn man die offensichtlich autistischen Figuren in populären Serien betrachtet, doch entspricht der Alltagsautist leider nicht immer irgendwelchen Seriencharakteren, sondern leidet häufig unter seinem Anderssein, als dass er tatsächlich daraus Kraft und Vorteile schöpfen kann.

Wie bei allen nichtsichtbaren Krankheiten und Behinderungen gilt für Außenstehende so häufig: Was man nicht sieht, ist nicht existent. Der Wille, sich damit auseinanderzusetzen ist verständlicherweise auch gering, wenn man keinerlei Berührungspunkte zur Thematik hat. Daher besteht kaum eine Chance, etwas am eingerosteten Denken zu ändern, wenn das Bild und die daraus resultierende Meinung in den Köpfen bereits manifestiert ist.

Verlassen wir den Kontext Autismus und fokussieren unseren Blick viel mehr auf den Aspekt der Behinderung.

Ein kleines Gedankenspiel gefällig? Prima! Dann verinnerliche Dir den Folgenden Satz und versuche, zu verstehen, was ein solcher Satz beim Betroffenen bewirken mag, wie er ankommt, wie er den Sprecher beim Betroffenen darstellt:

Querschnittslähmung ist keine Ausrede, dich davor zu drücken die Treppe hochzukrabbeln und auch keine Ausrede immer faul im Rollstuhl herumzulungern.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Würdest Du einen solchen Satz zu einem Querschnittsgelähmten sagen, der hilfesuchend in seinem Rollstuhl vor einer Treppe steht und an der Situation verzweifelt, weil es keinen barrierefreien Weg gibt?

Nein?

Warum? Weil es unverschämt, erniedrigend und unhöflich ist, einem Querschnittsgelähmten aufgrund seiner Behinderung zu benachteiligen und ihm Fähigkeiten zu unterstellen, zu denen er aufgrund seiner Einschränkungen gar nicht fähig ist – du als Nichtbehinderter, jedoch schon – richtig?

Wenn Du dieser Antwort zustimmst, dann gehe kurz in Dich und stelle Dir folgende Frage: Warum ist es Okay, einem Autisten zu sagen, dass er sich nicht so anstellen soll und über seinen Schatten springen muss, wenn er in seinem Leben an scheinbar leichten Dingen verzweifelt, die Du als Nichtautist jedoch einfach meistern kannst?

Warum ist die Hemmschwelle häufig so viel niedriger, solche Sätze einem Autisten aufzutischen? Weil man die Behinderung nicht sieht? Weil laut populärer Logik ein Mensch nicht behindert sein kann, wenn er einen funktionierenden Körper mit intakten Gliedmaßen besitzt und von außen nicht behindert aussieht und zudem auch noch intelligent (häufig sogar intelligenter, als der Durchschnitt) ist? Leider entspricht genau dieses Denken der Sichtweise, die in den Köpfen vieler selbst heute noch vertreten ist und eigentlich schon seit zig Jahren obsolet sein sollte.

Ein kleiner Gedankenanstoß: Schwerbehindertenausweise gewinnt man nicht im Lotto, findet sie auch nicht im Supermarkt. Die Hürden, einen solchen Ausweis zu erlangen, sind extrem hoch. Dem voraus geht meist jahrelange Therapie und gründliche Diagnostik, dazu das Bewilligungsverfahren, das ein Paradebeispiel Deutscher Bürokratie ist und einem nichts, aber auch gar nichts schenkt.

Dass ein Autist einen Schwerbehindertenausweis ausgestellt bekommt, heißt, dass dieser Mensch unüberwindbare Hürden im Alltag erlebt, die ihn auf einer massiven Art und Weise einschränken, sein Leben so zu leben, wie es nichtbehinderte Menschen machen können. Ob sichtbare oder unsichtbare Behinderung: Behinderung ist Behinderung. Da gibt es keinerlei Unterschiede. Betroffene sind auf ihrer Art und Weise eingeschränkt und werden im leben behindert. Ja, man ist nicht behindert, man wird behindert – und zwar durch altbackene Ansichten, verquere Ignoranz und Hürden, die einfach nicht sein müssten.

Deshalb sei froh, dass Du dein Leben ohne Schwerbehindertenausweis meistern kannst, dass Du nicht an den profansten, alltäglichen Situationen scheiterst und dass man Dir keine Steine in den Weg legt, die dich daran hindern, auch nur ansatzweise ein normales Leben zu führen, wie du es kennst.

Möglicherweise hat man dir diesen Link geschickt, weil Du überdenken solltest, wie Du mit deinen autistischen Mitmenschen umgehst. Wahrscheinlich war es nicht einmal böse Absicht von Dir, sondern tatsächlich nur ein gut gemeinter Rat. Doch war dieser Rat absolut unangebracht und kontraproduktiv. Wenn du einem Autisten helfen möchtest, vermeide oben genanntes Verhalten und halte Dir vor Augen: Du wirst als Nichtbetroffener die Probleme eines Autisten niemals verstehen, wenn du es nicht willst. Liegt Dir was an der betroffenen Person, befasse dich bitte mit der Thematik andernfalls kann es vorkommen, dass man sich von Dir distanziert.

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ins Bürgergeld getrieben

Ich fühle mich abgrundtief schlecht, diesen Antrag nun vor mir liegen zu haben. Es ist absolut entwürdigend, beschämend, erniedrigend. Ich wollte es tunlichst vermeiden, so tief zu sinken und diesen Weg zu gehen, aber mir bleibt leider keine andere Wahl.

Ich bin es leid, mich weiterhin zu dieser Misere zu äußern. Es ist nicht meine Schuld, dass ich keinen Job finde.

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Fund: Meine Situation im Jahr 2010.

Ich fand eben etwas wirklich berührendes, was mich nachdenklich und traurig stimmt. Ein Text, den ich 2010, mit 25 Jahren schrieb. All die Problem die ich damals niederschrieb, sind genau das, weshalb ich 6 Jahre später die Asperger-Diagnose bekam, jedoch damals noch nicht im Wissen oder gar in der Ahnung, in diese Richtung zu tendieren, auch wenn mir Leute aus dem Umfeld bereits klar vermittelten, dass ich autistisch wirkte. Es waren genau die Probleme, mit denen ich auch heute noch kämpfe, die meine inneren Dämonen sind, die jedoch irgendwie mittlerweile so zu mir gehören, dass ich gelernt habe, damit umzugehen um doch irgendwie halbwegs zu funktionieren.

ich bin 25 Jahre alt und habe seit 2005 weder eine Schule besucht, noch in irgendeiner Form gearbeitet.
2002 wechselte ich von der Realschule auf ein Berufskolleg um dort mein Fachabi zu machen. Im Grunde habe ich mich von Anfang an nicht wohl gefühlt.


Es gelang mir nicht, die neue Situation zu akzeptieren und mich an die neuen Leute zu gewöhnen. Ich war von Anfang an ein Außenseiter, der es nicht schaffte, Kontakte zu knüpfen. Jeder Tag war eine Qual. Ich versuchte zwar, mein Bestes zu geben, allerdings zog ich mich mit meinen negativen Gedanken selbst herunter. Der Unmut über meine Situation wuchs stetig heran und brachte mich nach einiger Zeit auch außerhalb der Schule zum Grübeln.

2004 kamen die ersten Gedanken, dem ganzen ein Ende zu setzen. Die Ausführung scheiterte bereits in der Planung und ich flüchtete mich immer mehr ins Internet, um von der emotionalen Belastung in der Schule Abstand zu gewinnen. Der emotionalen Abwärtsspirale folgte die schulische, als ich die 12. Klasse wiederholen musste.

Das erste Halbjahr der Ehrenrunde verlief recht optimistisch und ich sah in dem Ganzen eine Chance, mein Leben neu zu ordnen und von vorn zu beginnen. Allerdings packte mich im zweiten Halbjahr ein weiteres seelisches Tief, dessen Ursachen mir nie bewusst wurden, dass mich nur noch weiter von der Außenwelt abschottete.

Ich war nicht mehr im Stande, mit meinem schulischen Umfeld in Kontakt zu treten. Ich fühlte mich, als hätte mich eine undurchdringliche Blase umgeben, die jegliche Kommunikation zur Außenwelt unterband. So kam es, dass meine eh schon mangelhafte mündliche Mitarbeit gen 0 stagnierte. Gruppenarbeit war ebenfalls undenkbar, da mich die Nähe zu meinen Gruppenprobanden anekelte und mir allein der bloße Gedanke, mit anderen Menschen zusammenarbeiten zu müssen, panische Angst bereitete, mich innerlich so dermaßen aufwühlte, dass ich keine Leistung erbringen konnte..

Nachts floh ich ins Internet, um die Ängste vor dem kommenden Tag und der erneuten Konfrontation mit anderen Menschen in virtuellem Blut zu ertränken. Es kam, wie es kommen musste. Die Unlust an der Schule wuchs ständig und mutierte zu einer aussichtslosen Situation. Das Fernbleiben vom Unterricht entpuppte sich als eine lukrative Möglichkeit, die Ängste wenigstens für kurze Zeit zu bändigen. Ergo täuschte ich teilweise vor, zum Bus zu gehen, um nach einer halben Stunde den Heimweg anzutreten, wenn ich mir sicher war, dass meine Mutter bereits auf dem Weg zur Arbeit war.

An anderen Tagen log ich und erfand Geschichten, um die ersten Stunden schwänzen zu können. Die Gewissheit, dass ich diese Schule wenige Monate später ohne Abschluss verlassen würde, bestätigte sich nun endgültig. Drei verplemperte Jahre. Eine Klassenfahrt im Frühling 2005 ignorierte ich völlig. Den Ersatzunterricht schwänzte ich ebenfalls.

“Wozu diese Qual weiterhin ertragen, wenn das Ende eh in greifbare Nähe rückte?” War mein Gedanke. Das Schuljahr endete auf Grund der anstehenden Praktika bereits im Mai. Dinge, von denen meine Mutter nichts wusste. Sie wusste nichtmal, dass ich die 12. Klasse wiederholte und war im glauben, dass ich wenige Monate später mein Abi nach Hause brachte…

Da ich mich nicht um einen Praktikumsplatz bemühte und meine Mutter glauben sollte, dass ich die Tage in der Schule verbrachte, ging ich jeden Morgen – über 2 Monate hinweg – Tag für Tag artig aus dem Haus und Schlug mir die Zeit in Parks und sonstigen stillen Orten, welche die Natur mir bot, tot. Ich genoss die Stille. Es war seit langer Zeit eine meiner wenigen Situationen, in denen ich halbwegs abschalten konnte. Teilweise beobachtete ich über Stunden hinweg Hasen und Vögel, um gegen Mittag den Heimweg anzutreten. Natürlich musste ich höllisch aufpassen, dass mir niemand begegnete. Aber irgendwie konnte ich diese Taktik bis zu den Sommerferien erfolgreich durchhalten.

Der darauf folgende Übergang in ein Leben, dass lediglich aus “Warten auf den nächsten Tag” besteht, war nahezu fließend. Die Freude, dass ich endgültig von dieser Schule, welche mir so großes emotionales Leid zufügte, fort war, war so groß, dass ich bis heute keinen Schritt mehr in diese Anstalt tat – auch nicht, um das letzte Zeugnis der wiederholten 12. abzuholen.

Allerdings schämte ich mich, dass ich kein Abizeugnis vorzeigen konnte. Zu diesem Zeitpunkt kam es mir gelegen, dass ein Umzug anstand und meine Mutter anderweitig beschäftigt war und mir keine unangenehmen Fragen stellen konnte. Ergo hüllte ich mich in Schweigen und ließ die Situation geschehen. Zu meinem Erstaunen wurden auch nach dem Umzug keine Fragen gestellt. Auch nicht, als der Zeitpunkt kam, an dem ich täglich zuhause blieb und plötzlich keinem geregelten Alltag mehr nachging.

Ich begann, die Situation zu genießen und igelte mich immer mehr in meinem Dachgeschoss ein. Es folgten Phasen in denen ich mein Zimmer tagelang, das Haus monatelang nicht verließ. Isolation wurde immer mehr zu meinem Lebensmittelpunkt. Ich genoss die Freiheit und die Tatsache, keine anderen Menschen mehr um mich dulden zu müssen und machte mein kleines Dachgeschosszimmer dieses Einfamilienhauses immer mehr zu meinem Heiligtum, das niemand außer mir betreten durfte.

Nach einigen Monaten kam ich selbst zu der Erkenntnis, dass etwas geschehen musste. Ergo überwand ich mich zu einem Gang zum Arbeitsamt. Ich versagte völlig, als ich mit dieser unbekannten Person zusammen in diesem Büro saß und über meine Situation reden musste. Es war mir peinlich und ich sprach nur das Nötigste. Im Grunde brachte mir der Besuch nichts. Außer, dass ich mich in meiner Tatsache bestätigt fühlte, dass es besser sei, den Kontakt zu anderen Menschen weiterhin zu meiden. Was folgte waren sporadische Besuche beim Amt und ein mir zugewiesener Lehrgang zum Thema “wie schreibe ich Bewerbungen”. Im Sommer 2006 fand bis dato mein letzter Kontakt mit dem Arbeitsamt statt.

Der nächste soziale Absturz folgte 2 Jahre später, als mich 2008 meine damalige Krankenkasse regelrecht vor die Türe setzte. Seit diesem Zeitpunkt bin ich ohne KV.

Im Sommer 2010 hatte ich das Glück, in einer Band zu spielen. Es kostete große Überwindung, mich diesem Projekt anzuschließen. Mein Verhalten war allerdings so, wie ich es erwartete. Ich war die stumme Deko mit der Gitarre vorm Bauch und stand stumm und nahezu apathisch in der Ecke und leierte mir aus purer Langeweile die wahnwitzigsten Riffs aus den Fingern, ohne mich an Unterhaltungen der anderen zu beteiligen oder diese gar zu beachten.

Ich konnte die Gespräche der anderen oft nicht deuten und fand keinen Grund in diese Einzusteigen. Es war ein bohrendes Gefühl, wieder ständig den Blicken anderer Menschen ausgesetzt zu sein und obendrein mit diesen in einem geschlossenen Raum zu agieren. Ich fühlte mich an mein letztes Schuljahr erinnert. Dies waren einige der Gründe, weshalb ich mich nach 5 Monaten aus der Sache zurückzog. Es machte zwar Spaß, aber die gefühlte psychische Belastung war so groß, dass ich mich nicht mehr im Stande sah, weiterhin meinen Beitrag in dieser Band zu leisten.

Durch die Bandgeschichte lernte ich allerdings meine erste Freundin kennen. Die erste Frau, die kein Problem mit meiner Art hatte und selbst mit meinem “Nichtstun” leben konnte. Durch sie schaffte ich es, neuen Mut zu fassen und über meinen Schatten zu springen. Ich begann ernsthaft an meiner Zukunft zu arbeiten und schmiedete Pläne, wie ich meiner schier aussichtslosen Situation hätte entliehen können. Zum ersten mal seit 5 Jahren machte mein Leben wieder einen Sinn und ich dachte nicht täglich daran, wie ich mein Leben auf möglichst kreativer Art beenden könnte. Ich war einfach nur glücklich. Zum ersten Mal durfte ich erfahren, wie sich Dinge anfühlen, nach denen ich mich bis dato vergebens sehnte. Es waren die Banalitäten, die mich glücklich machten und mich neuen Mut schöpfen ließen; ein Kuss, eine Umarmung oder einfach nur die Tatsache, geliebt zu werden.. Allerdings war auch hier nach 4 Monaten Schluss.. Aus einem schleierhaften Grunde wäre es natürlich das Beste, alles zu vergessen. Punkt. Schicht im Schacht.

Und abermals begann mein Fall in ein schwarzes Loch. All der neue Mut war von einem Tag auf den andren wie weggeblasen. Meine Pläne verworfen und die Lethargie zog mich abermals in ihren Bann. Ich bin 25 und dulde diese Situation des Nichtstuns nun im 6. Jahr. Auch wenn ich mich in meiner Situation am Bodensatz der Gesellschaft befinde, so kann ich mit Stolz behaupten, dass ich keine staatlichen Gelder beziehe und der Gesellschaft nicht auf der Tasche liege.

Wahrscheinlich schaffe ich dies nur, weil ich immernoch im Haus meiner Mutter wohne. Ich bin die Personifikation der Unselbstständigkeit. Monatlich lebe ich von 30Eur Taschengeld, die ich seit meinem 16. Lebensjahr per Dauerauftrag überwiesen bekomme. Es ist wenig, aber ich weiß damit umzugehen. Da ich eh kaum ausgehe und mir selten etwas kaufe, schaffe ich dies auch sehr gut. Allerdings muss etwas geschehen.

Es gelingt mir nichtmal, mein eigenes Leben zu leben. Selbst zu banalster zwischenmenschlicher Kommunikation bin ich nicht im Stande. Ich habe panische Angst vor sozialen Konfrontationen und weiche ihnen soweit es geht aus. Gespräche anderer erscheinen mir oft zu oberflächlich und belanglos, um ihnen Beachtung zu schenken. Kleinigkeiten – sei es auch nur
die Kritik an meiner Situation – ziehen mich so sehr runter, dass ich Wochen bis Monate dran zu knacken habe.

Angelegenheiten, die mich emotional noch stärker aufwühlen, setzen sich dementsprechend tiefer in meiner Seele fest. Eine Frau, welche mich 2008 zurückwies, hat mir bis zum Sommer 2010 starkes Kopfzerbrechen bereitet. 2 Jahre Heulerei und den Wunsch, etwas zu vergessen, was sich weder vergessen noch verdrängen lässt, weil es fest in mein Hirn eingebrannt ist.

Ich habe mich so sehr drauf festgefahren, dass jegliche Art der Ablenkung vergebens war.. Selbiges hat mich auch nun bei meiner Freundin ereilt, welche im Feb. nach 4 Monaten – für mich unverständlich – den Schlussstrich zog und mich aufs Abstellgleis schob, obwohl sie mir kurz vorher noch die ultimative Liebe beschwor, ob der Tatsache, dass sie mehrfach betonte, mit meiner Situation ansich kein Problem zu haben..

Ich steigere mich unfreiwillig in Dinge rein, die mich bewegen. Mache sie zu meinem Lebensinhalt und verbringe soviel Zeit mit Nachdenken, dass mir keine Zeit für sinnvolle Dinge bleibt. Es ist eine Sucht, gegen die ich nicht ankämpfen kann. Jedes banale Detail muss ich hinterfragen. Jede Kleinigkeit füllt mein Hirn mit Unmengen an Informationen, die Jahre der Bewältigung benötigen. Es ist egal, ob es ein (negativer) emotionaler Reiz ist, oder lediglich ein Bild oder Gegenstand. Wenn mich etwas tief berührt, Grübel ich zwangsläufig drüber nach. Ich sitze manchmal stundenlang regungslos auf meinem Stuhl und vertrödel meine Zeit damit, banale Dinge zu bewundern, bis ich keinen Anlauf finde. Zeit, die ich deutlich sinnvoller nutzen könnte. Manchmal habe ich das Gefühl, in meiner Masse an Gedanken zu ersticken.

Denke ich zu sehr, überkommen mich starke Migräneanfälle, die mich für ein paar Tage komplett aus dem Verkehr ziehen. Ich liebe die Einsamkeit. Allerdings weiß ich nicht, ob dies mittlerweile aus purer Abstumpfung geschieht, oder ob dies meine ehrliche Meinung ist. Auf der anderen Seite hasse ich Sie. Die Einsamkeit frisst mich auf. Nur steht dies in einem Widerspruch zu meinen sozialen Umgangsformen.

Ich will etwas ändern. Weiß aber nicht, wo ich anfangen soll. Ich könnte Bewerbungen schreiben, mich bei einer Schule einschreiben, versuchen mein Abi nachzumachen. Aber was bringt mir das, wenn dies genau so endet, wie jeglicher Versuch bisher? Ich will raus aus diesem Trott, raus aus diesem Seelengefängnis, weg vom Bodensatz der Gesellschaft. Aber es gelingt mir nicht, mit anderen Menschen umzugehen.

Die Band zeigte mir dass ich noch immer nicht fähig bin, kontinuierlich mit anderen Menschen konfrontiert zu werden. Es staut sich binnen weniger Wochen/Monate soviel seelischer Druck an, dass ich das Handtuch werfe, eh ich richtig durchstarten konnte. Im Grunde muss ich das Problem an der Wurzel fassen. Und die Wurzel ist nunmal mein absonderliches Sozialverhalten.

Nur wird dies ohne professionelle Hilfe kaum möglich sein. Aber wo anfangen, wenn keine Krankenversicherung vorhanden ist? Eine KV kann ich mir erst leisten, wenn regelmäßiges Einkommen vorhanden ist. Und um regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften, muss ich erstmal das Problem an der Wurzel packen, um nicht wieder zu versagen – was ich wiederum seit 6 Jahren nicht allein schaffe. Es ist ein Teufelskreis.

Kommt hinzu, dass ich panische Angst vor der Wahrheit habe, die sich in meinem Kopf verbirgt. Ich kann schließlich nicht leugnen, dass da oben anscheinend irgendwas nicht stimmt.. Ich könnte meiner Mutter mein Herz ausschütten, aber davor drücke ich mich permanent. Ich bin der Ansicht, dass es an ihr ist, nachzufragen. Seit 6 Jahren wird hier dieser offensichtliche Missstand einfach totgeschwiegen. Ich hatte eine wunderbare Kindheit und Jugend, das Verhältnis zu meiner Familie ist immer gut gewesen, aber ich schaffe es nicht, meine Problematik darzulegen. Es ist beschämend genug, dass es überhaupt soweit gekommen ist.

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Gedanken zur Arbeitslosigkeit und der Jobsuche

https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/bewerbung-von-schwerbehinderten-arbeitgeberpflichten_76_487172.html

Interessant.. Man schreibt seit einem Jahr Bewerbungen, wird ständig ignoriert oder abgelehnt (letzteres nun 2x – immerhin waren es die einzigen Reaktionen auf meine Bewerbungen innerhalb eines Jahres! Immerhin Reaktionen – da kann ich mich ja richtig glücklich schätzen!) und wird von den Betrieben auch noch als Depp dargestellt.

Ja, es gibt Urteile, Gesetze und Paragraphen, die einen schwerbehinderten Bewerber in Schutz nehmen. In der Praxis lachen sich die Betriebe offenbar darüber ins Fäustchen und vermeiden es tunlichst, einem schwerbehinderten Bewerber (in meinem Falle mit Bestnoten und mindestens einer Handvoll anderer Faktoren, die für mich sprechen!) die Chance auf ein normales, geregeltes Leben und somit die Angst aus akuten Existenzängsten zu geben

Das kann nur enden, wenn jeder Betroffene kämpft und sich nicht mehr tatenlos zum Spielball ignoranter Betriebe macht. Ja, ich formuliere es absichtlich so. Eine Anstellung ist für die Allermeisten der einzige Weg aus der Misere. Geld fällt nicht vom Himmel (zumindest nicht bei ehrlichen Menschen, denen die Werte unserer Leistungsgesellschaft in die Wiege gelegt wurden, die autark für ihren eigenen Unterhalt sorgen wollen) und Selbstständigkeit ist für viele keine Option.
Zudem ist in manchen Fällen eine Anstellung nur in einer expliziten Fachrichtung möglich. Ich beispielsweise kann als Autist nicht einfach die Fachrichtung wechseln oder gar umschulen, wie man es mir so oft schon vorschlug. Könnte ich das, wäre ich so flexibel, dann wäre mein Leben nicht so verlaufen, wie es nun mal verlief und ich würde mit mittlerweile 38 Jahren ganz woanders im Leben stehen und nicht nach einer gescheiterten Existenz nun wieder im Dachzimmer meines Elternhauses versuchen, mein Leben in den Griff zu bekommen und verzweifelt einen Job zu finden.

Somit ist man auf den guten Willen eines potentiellen Arbeitgebers angewiesen, der einem trotz Schwerbehindertenausweis eine Chance gibt. Ohne Arbeit ist man nichts. Man hat nichts, man erreicht nichts. Man kostet nur Geld und kann nichts zur Gesellschaft beitragen. Man kann nur zusehen, wie die eigene Existenz unfreiwillig abwärts stürzt und kann sich aufgrund der mittlerweile eh unumgänglichen Altersarmut später nur noch einen schnellen Tod wünschen, um nicht auf der Straße zu landen und von der Hand im Mund zu leben.

Jeder Tag der Arbeitslosigkeit ist verschwendetes Potential. Bestnoten in Rekordzeit, lebenslanger Enthusiasmus für DIESES EINE Thema, das irgendwann der Beruf geworden ist, Wissen und Motivation, wie sie andere Bewerber kaum aufweisen können, aber dennoch arbeitslos, ohne zeitnahe Aussicht auf eine Anstellung, weil Betriebe ZWEIFEL an mir, meinen Fähigkeiten, meiner Leistung, meinem Wesen haben, ohne mir auch nur den Hauch einer Chance zu geben, mich in der PROBEZEIT unter Beweis stellen zu können.

Wie abgefuckt und krank ist dieses Denken?

Was mich am aktuellen Fall so rasend macht, ist die Personalerin bzw. ihr Handeln und ihre Aussagen.

Nur ein Beispiel von vielen. Es war bekannt, dass ich Autist bin und “mein regionales Umfeld” benötige. Was Schlug sie mir vor? BEWERBEN SIE SICH DOCH MAL AUF DER BLUMENINSEL MAINAU.

Es herrscht Fachkräftemangel, die Stelle ist immer noch frei und ihr erlaubt es Euch, einen absolut geeigneten Bewerber aufgrund Zweifel an meiner Eignung wegen meines Autismus abzulehnen.

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Statusupdate zu meinem Kampf gegen Diskriminierung

Statusupdate: Ich komme jetzt endlich dazu, die Mails und Nachrichten der letzten 10 Tage abzuarbeiten. Leider staute sich einiges an, da mir die ganze Thematik momentan über den Kopf hinaus zu wachsen scheint. Heute habe ich immerhin Energie, mich den Mails zu widmen, nachdem mir meine Psychiaterin gestern Mut zusprach. Ich entschuldige mich allgemein und präventiv bei allen, die noch auf Antwort von mir warten, sei es per Mail oder Socialmedia.. Ich brauche nur etwas Zeit!

Eigentlich wäre hier ein Hashtag zwecks Sortierung mal ganz praktisch – Ideen, anyone? Allerdings finden sich alle Details zum Thema und die hier veröffentlichten Beiträge mittlerweile auch öffentlich einsehbar auf meinem Blog www.aspienaut.de und auf meiner FB-Pinwand. Daher gehe ich nun nicht auf den kompletten Sachverhalt ein, sondern nenne lediglich die Updates. Im Blog kann man sich dahingehend einlesen.

Zurück zur Angelegenheit..

Bislang wartete ich noch auf Antwort von:

• Landwirtschaftskammer,
• Autismus – einfach anders e.V.
• Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.

Die heiß ersehnte Antwort der Landwirtschaftskammer NRW liegt mir nun auch vor. Leider, ohne auf die Thematik der offensichtlichen #Diskriminierung eingegangen zu sein, die ich detailliert schilderte.

Die Antwort war sehr knapp und nicht zielführend, bzw. führte am Thema vorbei:

[..] vielen Dank für Ihre Anfrage. Als Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber informieren wir Betriebe rund um die Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung.

Betroffene Menschen können sich an den Integrationsfachdienst wenden. Dieser begleitet und unterstützt Menschen mit Behinderung im Berufsleben.[..]

Der ifD ist natürlich wieder eine passende Idee. Dennoch hakte ich bzgl. der geschilderten Diskiminierung nach und bleibe am Ball:

[..] vielen Dank für Ihre Antwort. Mit dem ifD stand ich bereits an meinem Studienort in Kontakt.

Viel mehr interessiert mich akut aber, ob der vorliegende, von mir geschilderte Fall der offensichtlichen Diskriminierung keinerlei Relevanz für die LWK hat? Immerhin sind Anwälte und Medien bzw diverse Inklusionsvereine bereits eingeschaltet und das Echo über diesen Vorfall schlägt große Wellen.
Betreibt die LWK keine interne Stelle zur Aufarbeitung von Diskriminierung seitens ihrer Mitglieder-Betriebe gegenüber Bewerbern?[..]

Bei der lieben Antwort von “Autismus – einfach anders e.V.” tut es mir gerade richtig leid, dass ich nicht eher in mein Postfach schaute. Zumindest kann man sich dort mit Gleichgesinnten vernetzen, die unter selbigen Problem im Leben leiden. Werde dort sicher die Selbsthilfegruppe aufsuchen. Allerdings ist das eher mittel- bis langfristig orientiert und ganz ehrlich, würde eine SHG mir gerade zu viele Ressourcen rauben – leider.

Etwas enttäuscht bin ich zudem von “Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.”. Aber hatte wohl einfqach zu viel erwartet, als man mir die Stelle in der Autismusgruppe empfohlen hatte. Hier verwies man lediglich auf die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die ich bereits informierte. Zudem wies man auf die Beratungsstellen hin, die ich aufsuchen solle.

Leider, so habe ich schon sehr früh festgestellt, befassen sich die wenigen Beratungsstellen, die die Antidiskriminierungsstelle in meiner Gegend listet, nahezu ausschließlich mit Thematiken zur Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder religiöser Hintergründe. Dort fühle ich mich nicht aufgehoben und ehrlich gesagt auch nicht wohl mit meiner Angelegenheit.

Jedoch fand ich nun eine Beratungsstelle, die den Namen “Bundesverband Psychiatrieerfahrener e.V.” trägt. Die werde ich zumindest auf die Liste setzen – immerhin ist sie die einzige Beratungsstelle, die das Thema psychische und seelische Erkrankungen behandelt. Ob sie jedoch in meinem Fall geeignet ist, wird sich zeigen.

Zu den Antworten der anderen, genannten Institutionen äußerte ich mich bereits im letzten Beitrag, am 26. Januar.

Ich halte all das bewusst öffentlich, in der Hoffnung, weiter Zuspruch und vielleicht auch andere Betroffene für meinen Kampf gegen Diskriminierung zu gewinnen. Der Weg ist steinig, der Kampf schwer. Über Mitstreiter wäre ich sehr erfreut. Gemeinsam erreicht man mehr.

#Diskriminierung #autismus #Schwerbehinderung #jobsuche #unfreiwilligarbeitslos

(Beitrag kopiert von meiner Facebookpinwand)

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aspienaut.de ab sofort öffentlich

Ich habe beschlossen, diese Seite ab sofort öffentlich zu führen. Sprich: Alle Inhalte werden durch Suchmaschinen indiziert und sind über solche öffentlich zugänglich – das nachdem die Seite im Januar 2017 an den Start ging.

Da ich hier meine intimsten Gedanken teile und Einblicke in mein Leben als Autist mit all meinen Problemen gebe, führte ich die Seite vorher als reines Tagebuch für mich und mir nahestehende Personen, denen diese Seite bekannt war. Vieles ist sicherlich für Nichtbetroffene und Fremde grenzwertig und schwer verständlich. Manche mögen wohl von einem Seelenstriptease sprechen, wenn sie diese Seite besuchen und unerwartet direkte Einblicke in meine Psyche erhalten. Doch habe ich mich bewusst dazu entschieden, diese Seite fortan frei zugänglich für Jedermann zu führen.

Ich erfahre mittlerweile durch meine Schwerbehinderung unausstehliche Repressionen im Alltag und auf der Jobsuche, dass ich diese Problematik in Zukunft publik machen und auf Missstände aufmerksam machen möchte. Ich bin es Leid, von Menschen, die keinerlei Berührungspunkte zum Thema Asperger-Autismus haben, pauschalisiert zu werden, ohne dass man mir die Möglichkeit gibt, mich zu beweisen.

Ich bin Ben, ich will ein normales Leben führen. Ich will arbeiten, ich will Teil der Leistungsgesellschaft sein, ich möchte alles mir mögliche daran setzen, später nicht vollends in Armut zu sterben. Leider wird es mit jeder Woche die vergeht, die ich älter werde, schwerer, überhaupt einen Fuß ins Berufsleben zu setzen.

Ich bin hochintelligent, habe Abschlüsse mit Bestnoten und nahezu lebenslange Erfahrung mit meinem Spezialinteresse und daher eine Motivation für mein Gebiet, die kaum ein anderer Mitbewerber jemals aufbringen könnte. Ich bringe alle Voraussetzungen mit, um theoretisch alles zu erreichen, was ich mir vornehme. Doch ich habe ein Problem: Ich habe einen Schwerbehindertenausweis mit einem GdB 60, den ich bei Bewerbungen natürlich nicht verschweige.

Leider schreckt auch im Jahr 2024 ein Schwerbehindertenausweis potentielle Arbeitgeber zu sehr ab und Hilfe von außen, durch Antidiskriminierungsstellen, ist bislang leider nicht zielführend. Ich führe den Kampf von nun an als Einzelkämpfer und versuche über diese Seite Unterstützung zu finden. Menschen, denen es ergeht wie mir, die massives Potential bieten, aber aufgrund der Ignoranz anderer keinerlei Chance bekommen, ihr Potential zu entfalten.

Ich werde in Zukunft weiteres zu diesem Thema schreiben, weiter auf meine Person und meine Situation eingehen, Probleme beim Namen nennen und nicht mehr schweigen.

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Statusupdate zu meinem Kampf gegen Diskriminierung

Statusupdate bzgl. meiner Angelegenheit von vor einer Woche. Folgende Institutionen/Verbände und Personen schrieb ich nun an, bzw. legte ihnen meinen Sachverhalt dar (bin offen für weitere Empfehlungen!):

• Anwalt 1, Anwalt 2.
• Landwirtschaftskammer,
• Antidiskriminierungsstelles des Bundes,
• Autinom Essen,
• Autismus – einfach anders e.V.
• Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.

Ich sage es mal vorsichtig.. die letzten beiden schrieb ich heute erst an und erwarte jetzt vorm WE sowieso keine Antwort mehr – das ist völlig ok. Bei den erstgenannten hielt man sich mit Reaktionen jedoch bislang zurück, bzw. reagierte nur nach telefonischer Nachfrage durch meine Freundin. Lediglich Anwalt 2 äußerte sich detaillierter. Den werde ich wohl nehmen. Werde aber weiterhin die Fühler ausstrecken und bin offen für Empfehlungen bzgl. eines Anwaltes, der Erfahrungen mit der Thematik “Diskriminierung von Schwerbehinderten bei der Jobsuche” hat.

Ganz ehrlich? Ich fühle mich alleingelassen, gerade da das Thema Diskriminierung ständig in den Medien präsent ist. Leider wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Die Thematik, einen Schwerbehinderten aufgrund seiner (nicht einschränkenden!) Diagnose wegen offensichtlicher Vorurteile abzulehnen, hat für manche Verbände/Institutionen offenbar weniger Priorität, als Themen, die die sexuelle Orientierung betreffen. Ich maße mir nicht an, die Probleme von Betroffenen kleinzureden – dennoch muss man den Eindruck haben, liegt der Fokus bei Antidiskriminierungsstellen eben überwiegend bei solchen Themen. Die Auswahl an Beratungsstellen, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hier bspw. konkret vorschlägt, spricht Bände.. Da fühlt man sich als Schwerbehinderter einfach nicht ernst genommen, gar verhöhnt!

Auch von der Kammer hätte ich mir mehr erhofft. Legt man etwa keinen Wert darauf, bzw. hat kein Interesse daran hat, wie ihre Mitglieder mit Bewerbern umgehen und dem Fakt, dass Bewerbungen seit einem Jahr konsequent ignoriert werden, sprich: Betriebe Bewerbungen eines Menschen, der Träger eines Schwerbehindertenausweises ist, offenbar kategorisch aussortieren? Ich werde da nächste Woche erneut nachhaken – und zwar so lange, bis man mir eine konstruktive und zielführende Antwort gibt.

Die Ultima Ratio ist für mich immer noch, den #WDR und die #WAZ ins Boot zu holen. Aber das ist wirklich der allerletzte Schritt, da ich mich dadurch auch persönlich in eine weitaus größere Öffentlichkeit begebe, als ich es hier auf Facebook bereits mache. Gerade im Netz ist das mittlerweile eine nicht zu verachtende Gefahr. Dennoch entschied ich mich bewusst dafür, diese Beiträge bereits “öffentlich” auf meiner Pinwand zu posten, da diese Thematik einfach nicht verschwiegen werden darf!

#diskriminierung #autismus #Schwerbehinderung #Jobsuche #landwirtschaftskammer

(Beitrag kopiert von meiner Facebookpinwand)

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Neue Medikation: Endlich weg vom Venlafaxin

Eine der wenigen guten Nachrichten der letzten Zeit betrifft meine Medikationsumstellung. Nachdem ich vor zwei Wochen den ersten Termin bei meiner neuen Neurologin/Psychiaterin hatte, bei der ich mich übrigens sehr gut verstanden fühle, begann ich meine Medikation nun zu wechseln.

Schon einmal wollte ich von Venlafaxin wegkommen. Damals, vor 3 Jahren, nahm ich das Zeug bereits knapp 3-4 Jahre und kam mit den Nebenwirkungen einfach nicht mehr zurecht. Schweißausbrüche in der Nacht, massive Gewichtszunahme durch ständigen Appetit, Schlafprobleme in der Nacht, Schläfrigkeit am Tage, Libidoprobleme in einem Ausmaß, wie sie nicht mehr feierlich waren und ironischerweise: Depressionen und Antriebslosigkeit. Eben die Symptome gegen die ich eigentlich Antidepressiva nehme,

Das damalige Ausschleichen war eine Qual. Die Entzugserscheinungen zogen sich über Monate hinweg. So genannte Brainzaps, Blitze und Zuckungen im Kopf, bestimmten meinen Alltag und schränkten mich über lange Zeit ein. Selbst das Autofahren erachtete ich in dem Zustand als zu riskant. Ich entschied mich, keinerlei Antidepressiva mehr zu nehmen.

Allerdings merkte ich, dass meine Psyche sehr unter den Umständen im Exil zu leiden hatte, so dass ich mir wohl oder übel wieder Venlafaxin verschreiben ließ. Lange Geschichte kurz: Mich holten die Nebenwirkungen wieder in aller Fülle ein, ich ertrug es nicht mehr und wechselte nach etwas mehr als einem Jahr erneut.

Dieses Mal wagte ich einen neuen Versuch mit Bupropion/Elontril. Vor rund zehn Jahren hatte ich bereits Erfahrungen damit gemacht, war aber irritiert von der massiv aufputschenden Wirkung und setzte es nach kurzer Zeit wieder ab. Aufgrund der negativen Erinnerungen kam das Präparat für mich lange Zeit nicht mehr infrage, jedoch stellte ich mich der Herausforderung erneut und bin dieses Mal positiv begeistert.

Das Ausschleichen und “runterkommen” von Venlafaxin war kurz und schmerzvoll, eine Woche lang totale Ausfallerscheinungen und Stimmungsschwankungen massivsten Ausmaßes, so dass ich mich präventiv nicht aus meinem Bett wagte und erst recht aufs Autofahren verzichtete. Die Brainzaps waren anfangs doch so massiv, dass ich teilweise am ganzen Körper zusammenzuckte und Blackouts hatte. Doch mit der ersten Einnahme von Elontril wandte sich alles zum Positiven. Zwar leider ich immer noch unter Brainzaps, doch sind diese mittlerweile minimal und nicht störend, erst recht nicht einschränkend.

Das Elontril wirkte zeitnah: Ich habe seit langer Zeit wieder Antrieb und Motivation, mein Schlafpensum hat sich bei 6-8 Stunden pro Tag eingependelt, die ewige Müdigkeit ist fort, ich schwitze nicht mehr wie ein Bär und andere Dinge scheinen auch langsam wieder in Fahrt zu kommen. Und eines der wichtigsten Dinge: Die ständigen Fressflashs sind fort! Bei mittlerweile wieder über 130KG war es dringend nötig, hier Einhalt zu gebieten. Ich schaffte es nämlich nicht, mich zur Bewegung zu zwingen, wie es ein Psychiater in der Klinik vor 2 Jahren empfahl. Der Antrieb war so gering, dass ich zusehends fetter wurde und zwanghaft Essen in mich hineinstopfte.

Damit ist nun hoffentlich Schluss! Generell bin ich bislang zufrieden und ärgere mich über die Jahre, in denen ich meinen Körper mit Venlafaxin so dermaßen quälte.

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Stand der Dinge

Wie im letzten Beitrag schon angekündigt, legte ich mir einen Fahrplan zurecht, um das aktuelle Anliegen zu bewältigen. Mittlerweile sind über den Vorfall informiert:

  • Anwalt
  • Landwirtschaftskammer
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes
  • Autinom

Weitere Vereine/Einrichtungen, die sich dem Thema Autismus, Inklusion und Diskriminierung verschrieben haben, folgen noch. Missstände dürfen nicht mehr totgeschwiegen werden, sondern müssen ans Tageslicht gelangen, auch wenn es für manche kleinkariert klingen mag. Dinge erscheinen oftmals erst relevant, wenn man selbst betroffen ist.

Ich kann nicht mehr schweigen, ich kann auch nicht mehr drüber hinwegsehen. Mir geht es hier primär nicht einmal mehr um die Absage der Stelle, sondern um die Umstände, wie es dazu kam.

Vor Jahren ermutigte mich mein damaliger Therapeut meine Hochschule wegen grober Unzulänglichkeiten in Sachen Inklusion zu verklagen. Bekam zudem Rückenwind von der Sozialarbeiterin der Psychiatrie, in die mich das Studium letztendlich brachte. Leider fehlte mir damals jedwede Kraft und Motivation, mich einem solchen Verfahren zu stellen.

Was ich mir jedoch geschworen habe: Sobald ich wieder Kraft habe und mir jemand erneut auf diesem Wege Steine in den Weg legt, werde ich sämtliche Hebel in Bewegung setzen, dass diese Menschen aus ihren Handlungen für die Zukunft lernen.

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