Gedanken zur Arbeitslosigkeit und der Jobsuche

https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/bewerbung-von-schwerbehinderten-arbeitgeberpflichten_76_487172.html

Interessant.. Man schreibt seit einem Jahr Bewerbungen, wird ständig ignoriert oder abgelehnt (letzteres nun 2x – immerhin waren es die einzigen Reaktionen auf meine Bewerbungen innerhalb eines Jahres! Immerhin Reaktionen – da kann ich mich ja richtig glücklich schätzen!) und wird von den Betrieben auch noch als Depp dargestellt.

Ja, es gibt Urteile, Gesetze und Paragraphen, die einen schwerbehinderten Bewerber in Schutz nehmen. In der Praxis lachen sich die Betriebe offenbar darüber ins Fäustchen und vermeiden es tunlichst, einem schwerbehinderten Bewerber (in meinem Falle mit Bestnoten und mindestens einer Handvoll anderer Faktoren, die für mich sprechen!) die Chance auf ein normales, geregeltes Leben und somit die Angst aus akuten Existenzängsten zu geben

Das kann nur enden, wenn jeder Betroffene kämpft und sich nicht mehr tatenlos zum Spielball ignoranter Betriebe macht. Ja, ich formuliere es absichtlich so. Eine Anstellung ist für die Allermeisten der einzige Weg aus der Misere. Geld fällt nicht vom Himmel (zumindest nicht bei ehrlichen Menschen, denen die Werte unserer Leistungsgesellschaft in die Wiege gelegt wurden, die autark für ihren eigenen Unterhalt sorgen wollen) und Selbstständigkeit ist für viele keine Option.
Zudem ist in manchen Fällen eine Anstellung nur in einer expliziten Fachrichtung möglich. Ich beispielsweise kann als Autist nicht einfach die Fachrichtung wechseln oder gar umschulen, wie man es mir so oft schon vorschlug. Könnte ich das, wäre ich so flexibel, dann wäre mein Leben nicht so verlaufen, wie es nun mal verlief und ich würde mit mittlerweile 38 Jahren ganz woanders im Leben stehen und nicht nach einer gescheiterten Existenz nun wieder im Dachzimmer meines Elternhauses versuchen, mein Leben in den Griff zu bekommen und verzweifelt einen Job zu finden.

Somit ist man auf den guten Willen eines potentiellen Arbeitgebers angewiesen, der einem trotz Schwerbehindertenausweis eine Chance gibt. Ohne Arbeit ist man nichts. Man hat nichts, man erreicht nichts. Man kostet nur Geld und kann nichts zur Gesellschaft beitragen. Man kann nur zusehen, wie die eigene Existenz unfreiwillig abwärts stürzt und kann sich aufgrund der mittlerweile eh unumgänglichen Altersarmut später nur noch einen schnellen Tod wünschen, um nicht auf der Straße zu landen und von der Hand im Mund zu leben.

Jeder Tag der Arbeitslosigkeit ist verschwendetes Potential. Bestnoten in Rekordzeit, lebenslanger Enthusiasmus für DIESES EINE Thema, das irgendwann der Beruf geworden ist, Wissen und Motivation, wie sie andere Bewerber kaum aufweisen können, aber dennoch arbeitslos, ohne zeitnahe Aussicht auf eine Anstellung, weil Betriebe ZWEIFEL an mir, meinen Fähigkeiten, meiner Leistung, meinem Wesen haben, ohne mir auch nur den Hauch einer Chance zu geben, mich in der PROBEZEIT unter Beweis stellen zu können.

Wie abgefuckt und krank ist dieses Denken?

Was mich am aktuellen Fall so rasend macht, ist die Personalerin bzw. ihr Handeln und ihre Aussagen.

Nur ein Beispiel von vielen. Es war bekannt, dass ich Autist bin und “mein regionales Umfeld” benötige. Was Schlug sie mir vor? BEWERBEN SIE SICH DOCH MAL AUF DER BLUMENINSEL MAINAU.

Es herrscht Fachkräftemangel, die Stelle ist immer noch frei und ihr erlaubt es Euch, einen absolut geeigneten Bewerber aufgrund Zweifel an meiner Eignung wegen meines Autismus abzulehnen.

Weiterlesen

Statusupdate zu meinem Kampf gegen Diskriminierung

Statusupdate: Ich komme jetzt endlich dazu, die Mails und Nachrichten der letzten 10 Tage abzuarbeiten. Leider staute sich einiges an, da mir die ganze Thematik momentan über den Kopf hinaus zu wachsen scheint. Heute habe ich immerhin Energie, mich den Mails zu widmen, nachdem mir meine Psychiaterin gestern Mut zusprach. Ich entschuldige mich allgemein und präventiv bei allen, die noch auf Antwort von mir warten, sei es per Mail oder Socialmedia.. Ich brauche nur etwas Zeit!

Eigentlich wäre hier ein Hashtag zwecks Sortierung mal ganz praktisch – Ideen, anyone? Allerdings finden sich alle Details zum Thema und die hier veröffentlichten Beiträge mittlerweile auch öffentlich einsehbar auf meinem Blog www.aspienaut.de und auf meiner FB-Pinwand. Daher gehe ich nun nicht auf den kompletten Sachverhalt ein, sondern nenne lediglich die Updates. Im Blog kann man sich dahingehend einlesen.

Zurück zur Angelegenheit..

Bislang wartete ich noch auf Antwort von:

• Landwirtschaftskammer,
• Autismus – einfach anders e.V.
• Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.

Die heiß ersehnte Antwort der Landwirtschaftskammer NRW liegt mir nun auch vor. Leider, ohne auf die Thematik der offensichtlichen #Diskriminierung eingegangen zu sein, die ich detailliert schilderte.

Die Antwort war sehr knapp und nicht zielführend, bzw. führte am Thema vorbei:

[..] vielen Dank für Ihre Anfrage. Als Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber informieren wir Betriebe rund um die Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung.

Betroffene Menschen können sich an den Integrationsfachdienst wenden. Dieser begleitet und unterstützt Menschen mit Behinderung im Berufsleben.[..]

Der ifD ist natürlich wieder eine passende Idee. Dennoch hakte ich bzgl. der geschilderten Diskiminierung nach und bleibe am Ball:

[..] vielen Dank für Ihre Antwort. Mit dem ifD stand ich bereits an meinem Studienort in Kontakt.

Viel mehr interessiert mich akut aber, ob der vorliegende, von mir geschilderte Fall der offensichtlichen Diskriminierung keinerlei Relevanz für die LWK hat? Immerhin sind Anwälte und Medien bzw diverse Inklusionsvereine bereits eingeschaltet und das Echo über diesen Vorfall schlägt große Wellen.
Betreibt die LWK keine interne Stelle zur Aufarbeitung von Diskriminierung seitens ihrer Mitglieder-Betriebe gegenüber Bewerbern?[..]

Bei der lieben Antwort von “Autismus – einfach anders e.V.” tut es mir gerade richtig leid, dass ich nicht eher in mein Postfach schaute. Zumindest kann man sich dort mit Gleichgesinnten vernetzen, die unter selbigen Problem im Leben leiden. Werde dort sicher die Selbsthilfegruppe aufsuchen. Allerdings ist das eher mittel- bis langfristig orientiert und ganz ehrlich, würde eine SHG mir gerade zu viele Ressourcen rauben – leider.

Etwas enttäuscht bin ich zudem von “Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.”. Aber hatte wohl einfqach zu viel erwartet, als man mir die Stelle in der Autismusgruppe empfohlen hatte. Hier verwies man lediglich auf die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die ich bereits informierte. Zudem wies man auf die Beratungsstellen hin, die ich aufsuchen solle.

Leider, so habe ich schon sehr früh festgestellt, befassen sich die wenigen Beratungsstellen, die die Antidiskriminierungsstelle in meiner Gegend listet, nahezu ausschließlich mit Thematiken zur Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder religiöser Hintergründe. Dort fühle ich mich nicht aufgehoben und ehrlich gesagt auch nicht wohl mit meiner Angelegenheit.

Jedoch fand ich nun eine Beratungsstelle, die den Namen “Bundesverband Psychiatrieerfahrener e.V.” trägt. Die werde ich zumindest auf die Liste setzen – immerhin ist sie die einzige Beratungsstelle, die das Thema psychische und seelische Erkrankungen behandelt. Ob sie jedoch in meinem Fall geeignet ist, wird sich zeigen.

Zu den Antworten der anderen, genannten Institutionen äußerte ich mich bereits im letzten Beitrag, am 26. Januar.

Ich halte all das bewusst öffentlich, in der Hoffnung, weiter Zuspruch und vielleicht auch andere Betroffene für meinen Kampf gegen Diskriminierung zu gewinnen. Der Weg ist steinig, der Kampf schwer. Über Mitstreiter wäre ich sehr erfreut. Gemeinsam erreicht man mehr.

#Diskriminierung #autismus #Schwerbehinderung #jobsuche #unfreiwilligarbeitslos

(Beitrag kopiert von meiner Facebookpinwand)

Weiterlesen

aspienaut.de ab sofort öffentlich

Ich habe beschlossen, diese Seite ab sofort öffentlich zu führen. Sprich: Alle Inhalte werden durch Suchmaschinen indiziert und sind über solche öffentlich zugänglich – das nachdem die Seite im Januar 2017 an den Start ging.

Da ich hier meine intimsten Gedanken teile und Einblicke in mein Leben als Autist mit all meinen Problemen gebe, führte ich die Seite vorher als reines Tagebuch für mich und mir nahestehende Personen, denen diese Seite bekannt war. Vieles ist sicherlich für Nichtbetroffene und Fremde grenzwertig und schwer verständlich. Manche mögen wohl von einem Seelenstriptease sprechen, wenn sie diese Seite besuchen und unerwartet direkte Einblicke in meine Psyche erhalten. Doch habe ich mich bewusst dazu entschieden, diese Seite fortan frei zugänglich für Jedermann zu führen.

Ich erfahre mittlerweile durch meine Schwerbehinderung unausstehliche Repressionen im Alltag und auf der Jobsuche, dass ich diese Problematik in Zukunft publik machen und auf Missstände aufmerksam machen möchte. Ich bin es Leid, von Menschen, die keinerlei Berührungspunkte zum Thema Asperger-Autismus haben, pauschalisiert zu werden, ohne dass man mir die Möglichkeit gibt, mich zu beweisen.

Ich bin Ben, ich will ein normales Leben führen. Ich will arbeiten, ich will Teil der Leistungsgesellschaft sein, ich möchte alles mir mögliche daran setzen, später nicht vollends in Armut zu sterben. Leider wird es mit jeder Woche die vergeht, die ich älter werde, schwerer, überhaupt einen Fuß ins Berufsleben zu setzen.

Ich bin hochintelligent, habe Abschlüsse mit Bestnoten und nahezu lebenslange Erfahrung mit meinem Spezialinteresse und daher eine Motivation für mein Gebiet, die kaum ein anderer Mitbewerber jemals aufbringen könnte. Ich bringe alle Voraussetzungen mit, um theoretisch alles zu erreichen, was ich mir vornehme. Doch ich habe ein Problem: Ich habe einen Schwerbehindertenausweis mit einem GdB 60, den ich bei Bewerbungen natürlich nicht verschweige.

Leider schreckt auch im Jahr 2024 ein Schwerbehindertenausweis potentielle Arbeitgeber zu sehr ab und Hilfe von außen, durch Antidiskriminierungsstellen, ist bislang leider nicht zielführend. Ich führe den Kampf von nun an als Einzelkämpfer und versuche über diese Seite Unterstützung zu finden. Menschen, denen es ergeht wie mir, die massives Potential bieten, aber aufgrund der Ignoranz anderer keinerlei Chance bekommen, ihr Potential zu entfalten.

Ich werde in Zukunft weiteres zu diesem Thema schreiben, weiter auf meine Person und meine Situation eingehen, Probleme beim Namen nennen und nicht mehr schweigen.

Weiterlesen

Statusupdate zu meinem Kampf gegen Diskriminierung

Statusupdate bzgl. meiner Angelegenheit von vor einer Woche. Folgende Institutionen/Verbände und Personen schrieb ich nun an, bzw. legte ihnen meinen Sachverhalt dar (bin offen für weitere Empfehlungen!):

• Anwalt 1, Anwalt 2.
• Landwirtschaftskammer,
• Antidiskriminierungsstelles des Bundes,
• Autinom Essen,
• Autismus – einfach anders e.V.
• Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.

Ich sage es mal vorsichtig.. die letzten beiden schrieb ich heute erst an und erwarte jetzt vorm WE sowieso keine Antwort mehr – das ist völlig ok. Bei den erstgenannten hielt man sich mit Reaktionen jedoch bislang zurück, bzw. reagierte nur nach telefonischer Nachfrage durch meine Freundin. Lediglich Anwalt 2 äußerte sich detaillierter. Den werde ich wohl nehmen. Werde aber weiterhin die Fühler ausstrecken und bin offen für Empfehlungen bzgl. eines Anwaltes, der Erfahrungen mit der Thematik “Diskriminierung von Schwerbehinderten bei der Jobsuche” hat.

Ganz ehrlich? Ich fühle mich alleingelassen, gerade da das Thema Diskriminierung ständig in den Medien präsent ist. Leider wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Die Thematik, einen Schwerbehinderten aufgrund seiner (nicht einschränkenden!) Diagnose wegen offensichtlicher Vorurteile abzulehnen, hat für manche Verbände/Institutionen offenbar weniger Priorität, als Themen, die die sexuelle Orientierung betreffen. Ich maße mir nicht an, die Probleme von Betroffenen kleinzureden – dennoch muss man den Eindruck haben, liegt der Fokus bei Antidiskriminierungsstellen eben überwiegend bei solchen Themen. Die Auswahl an Beratungsstellen, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hier bspw. konkret vorschlägt, spricht Bände.. Da fühlt man sich als Schwerbehinderter einfach nicht ernst genommen, gar verhöhnt!

Auch von der Kammer hätte ich mir mehr erhofft. Legt man etwa keinen Wert darauf, bzw. hat kein Interesse daran hat, wie ihre Mitglieder mit Bewerbern umgehen und dem Fakt, dass Bewerbungen seit einem Jahr konsequent ignoriert werden, sprich: Betriebe Bewerbungen eines Menschen, der Träger eines Schwerbehindertenausweises ist, offenbar kategorisch aussortieren? Ich werde da nächste Woche erneut nachhaken – und zwar so lange, bis man mir eine konstruktive und zielführende Antwort gibt.

Die Ultima Ratio ist für mich immer noch, den #WDR und die #WAZ ins Boot zu holen. Aber das ist wirklich der allerletzte Schritt, da ich mich dadurch auch persönlich in eine weitaus größere Öffentlichkeit begebe, als ich es hier auf Facebook bereits mache. Gerade im Netz ist das mittlerweile eine nicht zu verachtende Gefahr. Dennoch entschied ich mich bewusst dafür, diese Beiträge bereits “öffentlich” auf meiner Pinwand zu posten, da diese Thematik einfach nicht verschwiegen werden darf!

#diskriminierung #autismus #Schwerbehinderung #Jobsuche #landwirtschaftskammer

(Beitrag kopiert von meiner Facebookpinwand)

Weiterlesen

Neue Medikation: Endlich weg vom Venlafaxin

Eine der wenigen guten Nachrichten der letzten Zeit betrifft meine Medikationsumstellung. Nachdem ich vor zwei Wochen den ersten Termin bei meiner neuen Neurologin/Psychiaterin hatte, bei der ich mich übrigens sehr gut verstanden fühle, begann ich meine Medikation nun zu wechseln.

Schon einmal wollte ich von Venlafaxin wegkommen. Damals, vor 3 Jahren, nahm ich das Zeug bereits knapp 3-4 Jahre und kam mit den Nebenwirkungen einfach nicht mehr zurecht. Schweißausbrüche in der Nacht, massive Gewichtszunahme durch ständigen Appetit, Schlafprobleme in der Nacht, Schläfrigkeit am Tage, Libidoprobleme in einem Ausmaß, wie sie nicht mehr feierlich waren und ironischerweise: Depressionen und Antriebslosigkeit. Eben die Symptome gegen die ich eigentlich Antidepressiva nehme,

Das damalige Ausschleichen war eine Qual. Die Entzugserscheinungen zogen sich über Monate hinweg. So genannte Brainzaps, Blitze und Zuckungen im Kopf, bestimmten meinen Alltag und schränkten mich über lange Zeit ein. Selbst das Autofahren erachtete ich in dem Zustand als zu riskant. Ich entschied mich, keinerlei Antidepressiva mehr zu nehmen.

Allerdings merkte ich, dass meine Psyche sehr unter den Umständen im Exil zu leiden hatte, so dass ich mir wohl oder übel wieder Venlafaxin verschreiben ließ. Lange Geschichte kurz: Mich holten die Nebenwirkungen wieder in aller Fülle ein, ich ertrug es nicht mehr und wechselte nach etwas mehr als einem Jahr erneut.

Dieses Mal wagte ich einen neuen Versuch mit Bupropion/Elontril. Vor rund zehn Jahren hatte ich bereits Erfahrungen damit gemacht, war aber irritiert von der massiv aufputschenden Wirkung und setzte es nach kurzer Zeit wieder ab. Aufgrund der negativen Erinnerungen kam das Präparat für mich lange Zeit nicht mehr infrage, jedoch stellte ich mich der Herausforderung erneut und bin dieses Mal positiv begeistert.

Das Ausschleichen und “runterkommen” von Venlafaxin war kurz und schmerzvoll, eine Woche lang totale Ausfallerscheinungen und Stimmungsschwankungen massivsten Ausmaßes, so dass ich mich präventiv nicht aus meinem Bett wagte und erst recht aufs Autofahren verzichtete. Die Brainzaps waren anfangs doch so massiv, dass ich teilweise am ganzen Körper zusammenzuckte und Blackouts hatte. Doch mit der ersten Einnahme von Elontril wandte sich alles zum Positiven. Zwar leider ich immer noch unter Brainzaps, doch sind diese mittlerweile minimal und nicht störend, erst recht nicht einschränkend.

Das Elontril wirkte zeitnah: Ich habe seit langer Zeit wieder Antrieb und Motivation, mein Schlafpensum hat sich bei 6-8 Stunden pro Tag eingependelt, die ewige Müdigkeit ist fort, ich schwitze nicht mehr wie ein Bär und andere Dinge scheinen auch langsam wieder in Fahrt zu kommen. Und eines der wichtigsten Dinge: Die ständigen Fressflashs sind fort! Bei mittlerweile wieder über 130KG war es dringend nötig, hier Einhalt zu gebieten. Ich schaffte es nämlich nicht, mich zur Bewegung zu zwingen, wie es ein Psychiater in der Klinik vor 2 Jahren empfahl. Der Antrieb war so gering, dass ich zusehends fetter wurde und zwanghaft Essen in mich hineinstopfte.

Damit ist nun hoffentlich Schluss! Generell bin ich bislang zufrieden und ärgere mich über die Jahre, in denen ich meinen Körper mit Venlafaxin so dermaßen quälte.

Weiterlesen

Stand der Dinge

Wie im letzten Beitrag schon angekündigt, legte ich mir einen Fahrplan zurecht, um das aktuelle Anliegen zu bewältigen. Mittlerweile sind über den Vorfall informiert:

  • Anwalt
  • Landwirtschaftskammer
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes
  • Autinom

Weitere Vereine/Einrichtungen, die sich dem Thema Autismus, Inklusion und Diskriminierung verschrieben haben, folgen noch. Missstände dürfen nicht mehr totgeschwiegen werden, sondern müssen ans Tageslicht gelangen, auch wenn es für manche kleinkariert klingen mag. Dinge erscheinen oftmals erst relevant, wenn man selbst betroffen ist.

Ich kann nicht mehr schweigen, ich kann auch nicht mehr drüber hinwegsehen. Mir geht es hier primär nicht einmal mehr um die Absage der Stelle, sondern um die Umstände, wie es dazu kam.

Vor Jahren ermutigte mich mein damaliger Therapeut meine Hochschule wegen grober Unzulänglichkeiten in Sachen Inklusion zu verklagen. Bekam zudem Rückenwind von der Sozialarbeiterin der Psychiatrie, in die mich das Studium letztendlich brachte. Leider fehlte mir damals jedwede Kraft und Motivation, mich einem solchen Verfahren zu stellen.

Was ich mir jedoch geschworen habe: Sobald ich wieder Kraft habe und mir jemand erneut auf diesem Wege Steine in den Weg legt, werde ich sämtliche Hebel in Bewegung setzen, dass diese Menschen aus ihren Handlungen für die Zukunft lernen.

Weiterlesen

Absage..

Ich beziehe mich mit diesem Beitrag auf meinen Beitrag von vor 8 Tagen: https://aspienaut.de/?p=620

Ein aktuelles Update zur Thematik, da ich eben die Info erhielt:

Absage, weil das Gesamtbild einfach nicht stimme. (Dazu möge man bitte einen Blick in den Beitrag von vor einer Woche werfen. Man gab mir sogar schon mündlich eine Zusage!)

So, kurzer Abriss zum Verlauf:

Ich habe vor einer Woche den Test gemacht, hatte das Gespräch mit der Personalleiterin und ging mit einem massiv unwohlen Gefühl aus der Sache raus. Die Dame wirkte zwar nett, aber man merkte ihr immer an, dass sie einen fragenden Blick auflegte, wenn ich sprach. Irgendwie war eine ganz komische Stimmung im Raum.

Es fing an mit einem Persönlichkeitstest. Dazu gehörten Fragen a la “wie würde ihr Umfeld ihre Zuverlässigkeit bewerten?”, “wofür würden sie sich entscheiden: Ein Gedicht oder ein Gewehr”, “fühlen sie sich anderen Menschen überlegen”, “Wären sie lieber Förster oder Lehrer” und viele andere Fragen, die ich leider nicht mehr im Gedächtnis habe. Die Beantwortung erfolgte per “ja”, “unentschieden” oder “nein” bzw zwischen der Wahl der möglichen Punkte. Für mich gab es oft Fragen, die ich nicht mit den vorgegeben Antwortmöglichkeiten beantworten konnte. Würde ich mich für ein Gedicht oder Gewehr entscheiden? Das – und viele andere Fragen – waren Fragen, deren Antwort ich erklären musste. Generell hätte ich zu jeder Frage sehr viel sagen können, weil sie teilweise sehr uneindeutig formuliert waren.

Anderes Beispiel: “Sinkt bei schlechtem Wetter ihre Laune UND ihre Arbeitsleistung?”. Antwortmöglichkeiten “ja”, “Unentschieden”, “nein”. Mein Gedankengang, den ich auch so erläuterte: Meine Laune sinkt, aber das hat keinerlei Einfluss auf meine Arbeitsleistung, jedoch steht dort “Laune UND Arbeitsleistung”, weshalb ich die Frage zwar – aufgrund der UND-Verknüpfung – mit Nein beantworten müsse, dies aber nicht der Realität entspricht, da zwar meine Laune sinkt, dies jedoch keinerlei Bezug zur Arbeitsleistung hat.

Dieses Beispiel steht stellvertretend für rund 50 % der Fragen im Test.

Insgesamt waren es ungefähr 5 Bögen mit je 20-100 Fragen. Zum Schluss folgten Fragen zur Mitarbeiterführung und Problemlösung als Vorgesetzter und eine mathematische Knobelaufgabe, für die man mir die Anleitung vorlas. Im Nachgang erfuhr ich, dass sie es Bemerkenswert fand, dass ich die Aufgabestellung ohne große Notizen direkt verinnerlichte – eine Thematik an der die meisten Bewerber bereits scheitern, wie sie mir sagte. Zudem rechnete ich in den vorgegebenen 10 Minuten mehrere alternative Lösungswege durch, was wohl auch nicht an der Tagesordnung ist.

Im Anschluss folgte noch ein Gespräch über meine Erwartungshaltung, mein Umgang mit Stress. Das Thema Asperger/Schwerbehinderung wurde nur rudimentär angeschnitten, wobei es anfangs erst hieß, dass man diesbezüglich Zweifel hätte.

Gut, der ganze Termin dauerte 2 1/2 Stunden und man versprach mir eine Rückmeldung in der folgen – also der aktuellen – Woche.

Das Warten war höllisch. Ich kann seit 5 Tagen nicht schlafen, mir ist nur noch schlecht, ich fange vor lauter Stress an spontan zu heulen, bin einfach nur fertig, weil ich mir diesen verdammten Job so sehr wünschte und so sehr hoffte, dass es klappte.

Heute dann der Anruf. Man entschied sich leider gegen mich. Auf meine Nachfrage, wie diese Entscheidung zustande kam, zumal man mir eine Woche zuvor noch eine mündliche Zusage erteilte und mich bereits auf der Vertragliche einschwor, wurde nur um den heißen Brei geredet. “DAS GESAMTBILD PASSE EINFACH NICHT” und sie sieht mich in einem anderen Umfeld, aber nicht dort. Ich solle den Kopf nicht hängen lassen.

(das in dem Kontext, dass man eine Woche zuvor bereits das vertragliche Regeln wollte, und mir die HR-Dame plötzlich Steine in den Weg legte, macht diese Aussage besonders pikant und zynisch.) Auf mein Nachhaken wurde nicht eingegangen. Ich wusste aber, dass das auf dem Mist der HR gewachsen war (RW) und sie plötzlich dazwischenfunkte. (siehe verlinkter Beitrag)

Ich versuchte sie zum Test zu fragen, aber sie wich aus. Ich blieb hartnäckig und ratterte meine Fragen runter:

“Darf ich fragen, an wievielen Asperger-Autisten der Test erprobt ist und wieviele damit erfolgreich eingestellt wurde?”

“Meine Absichten beim Test wären für sie vielleicht ersichtlicher gewesen, wenn man mir die Möglichkeit gegeben hätte, meine Antworten zu erläutern.

Man kann einen Autisten nicht nach denselben Kriterien bewerten, wie es bei neurotypischen Menschen der Fall ist – erst recht nicht mit einem Fragebogen, der einen Autisten regelrecht diskriminiert, weil die Fragen weder eindeutig formuliert sind noch Möglichkeit zur Erklärung einkalkuliert ist.

Sie haben bereits im Gespräch gemerkt, dass ich Anmerkungen zu diversen Fragen hatte, weil diese sich nicht mit einem einfachen Kreuz an einer vorformulierten Antwort beantworten lassen.

Meine Wahrnehmung und Auffassung sind völlig konträr zu deren eines neurotypischen Menschen, für den ein solcher Test zugeschnitten ist.

Ich zweifle das Testergebnis ernsthaft an und wage zu behaupten, dass ein solcher Test die Persönlichkeit eines Asperger-Autisten nicht korrekt widerspiegelt.”

“Es mangelt mir nicht an IQ. Ich kann lediglich nicht zwischen den Zeilen lesen und somit sind Psychotricks und Spielchen für mich nicht per se ersichtlich.

Aber dazu sagte ich Ihnen ja bereits, dass sowas in der Praxis kaum ins Gewicht fällt, wenn ich das Gegenüber kenne.”

“Ich verstehe nicht, wieso ein Test unter solchen Bedingungen nun meine Motivation, meinen Ehrgeiz, meine Noten und Leistungen, sowie das positive Feedback des Probearbeitens in den Schatten stellen soll.

Dieser Test hat Null Aussagekraft über mich und meine Leistung bei der Arbeit”

Ja, ich hatte mir ein grobes Skript zurechtgelegt, weil ich meinem Bauchgefühl vertraute und damit rechnete, diese Punkte ansprechen zu müssen. Nach der Absage ging es mir auch gar nicht mehr um die Stelle, sondern nur noch um Gerechtigkeit. In dem Kontext erwähnte ich meine weitere Vorgehensweise, nämlich dass ich die Angelegenheit nun anwaltlich prüfen lasse.

Daraufhin wurde sie ungehalten: Sie hätte mich auch gar nicht erst informieren brauchen, keifte sie mich an. (die Änderung der Tonlage war hier sehr, sehr eindeutig). Ich, dem Weinen nahe, legte auf und schaltete das Handy aus.

Ich werde nun tatsächlich den Sachverhalt der Antidiskriminierungsstelle melden und einen Anwalt einschalten. Mir geht es gar nicht mehr um diese Stelle in dieser Firma (da habe ich eh keinerlei Chancen mehr), sondern ausschließlich um Gerechtigkeit und der Tatsache, dass ich es leid bin, ständig von fremden Menschen pauschalisiert und drangsaliert zu werden. Einem Bewerber erst eine mündliche Zusage erteilen, ihn drauf einschwören, dass die Personalleitung wegen der vertraglichen Dinge anrufen wird und dann dieser offensichtliche Alleingang der HR (siehe verlinkter Beitrag von letzter Woche).. Das geht einfach gar nicht.

Weiterlesen

Nach Jobzusage und Probearbeiten zum Einstellungstest

Ich habe nach fast einem Jahr des Bewerbens nun endlich einen Job in Aussicht – so dachte ich. Vor Weihnachten gabs ein positives Bewerbungsgespräch und ein Probearbeiten, das mir quasi die Türen in den Betrieb öffnete. Der Betriebsleiter sagte mir bereits inoffiziell zu. Nach Silvester kam dann quasi telefonisch die Bestätigung. Seitens Betriebsleiter und Betriebsführung kam man zu der Übereinkunft, auf das zweite Vorstellungsgespräch zu verzichten und direkt das Vertragliche zu regeln. Ich sollte am Tag drauf ein Telefonat der Personalabteilung erhalten, um die Formalitäten zu regeln.

Allerdings kam alles ganz anders. Die Dame fragte mich noch kurz zum Ablauf meiner Probetage, ich erläuterte meine Erlebnisse und Abläufe und bekräftigte meinen Wunsch nach der Stelle.

Entgegen der Ankündigung des Betriebsleiters, das Vertragliche zu regeln, nahm das Telefonat mit der HR einen komplett anderen Weg.. Sie war der Ansicht, dass man erstmal abklären müsse, ob ich überhaupt zu dieser Stelle passe (Zu mir: Abschlüsse mit Bestnoten: Abi im zweiten Bildungsweg und Ausbildung als Jahrgangsbester, IQ im 130er Bereich, Vorstellungsgespräch lief sehr positiv, Probearbeiten ebenso positiv).

Sie hatte – so sagte sie – ein Problem mit meinem Lebenslauf, der autismusbedingt eine Lücke von 10 Jahren in meinen 20ern aufweist. Auch das Thema Autismus bereitete ihr Zweifel und sie weiß nicht, ob ich der passende Kandidat bin (was ich im Probearbeiten ja bereits bewies und auch so als Rückmeldung erhielt). Kurzum: Statt eines Vertrages habe ich nun einen Termin für einen Einstellungstest – trotz Zusage des Leiters, der diese Zusage in Übereinkunft mit der Geschäftsführung traf.

Zynischerweise gab die Dame der HR die Info, dass der Einstellungstest ja völlig freiwillig sei. Klar, das Bewerben ist auch freiwillig – man kann es auch sein lassen und ist dann logischerweise aus dem Rennen.. wirklich zynisch! Vor allem angesichts der Tatsache, dass ich seit einem Jahr Bewerbungen schreibe und das meine ZWEITE Einladung überhaupt ist.

Ich hielt am Montag nochmal Rücksprache mit dem Betriebsleiter. Er konnte das Handeln der HR-Dame absolut nicht verstehen, zumal mit der Geschäftsführung bereits abgeklärt war, dass das Vertragliche geregelt werden sollte. Er war völlig entgeistert und riet mir nur, mich der Willkür der Dame zu stellen.

Ich bin massivst verunsichert und habe Angst vor dem, was mich Donnerstag erwartet.. Wenn meine Stimmung weiterhin so fällt, werde ich dort wohl mit einem Shutdown im Büro sitzen und stillschweigend den Test zerreißen oder in Tränen ausbrechen. Auch wenn mein Plan eigentlich ist, mit der Dame offen und ehrlich zu reden (damit habe ich im ersten Gespräch bei der Firma bereits sehr gepunktet) und sie zu überzeugen. Ich weiß, dass ich unter Stress keinerlei Test unter Normalbedingungen bestehen kann (Deshalb hatte ich im Studium Nachteilsausgleiche). Abgesehen davon, habe ich meine Toleranz und Fähigkeiten bereits im Probearbeiten unter Beweis gestellt.. Es ist gerade einfach alles so dermaßen verwirrend..

Weiterlesen

Der Autismus kickt vorm Vorstellungsgespräch

Als für mich zum Jahresbeginn klar wurde, dass das Studium für mich keinen Sinn mehr ergab, begann ich Bewerbungen zu schreiben. Während dieser Zeit hatte ich – bis einschließlich heute – exakt zwei Vorstellungsgespräche, beide im botanischen Garten der HHU Düsseldorf im öffentlichen Dienst.

Nach der ersten Absage auf eine Stelle, die für mich der ideale Traumjob gewesen wäre, nämlich im Bereich der Pflanzenforschung, war ich mir ziemlich sicher, dass man mich nur der Quote wegen einlud und durch den Bewerbungsprozess schleuste, um mir hinterher zu sagen, dass es für mehr leider nicht reichte (Details). Die Verbitterung über diesen Reinfall sitzt bis heute tief und lässt mich nicht drüber hinwegsehen, was man mir alles zumutete, um mir letztendlich doch die Absage zu erteilen.

Seitdem sind mehrere Monate vergangen, doch im Oktober fand ich erneut eine Stelle in besagtem botanischen Garten, auf die ich mich bewarb. Allerdings war mir von vornherein klar, dass diese aktuelle Stelle nur eine Notlösung sein würde, da es sich nur um einen Halbtagsjob in einem anderen Bereich, mit dem ich mich nicht identifizieren konnte, handelte. Doch ich bewarb mich, um eben in einem botanischen Garten arbeiten zu können und den “Fuß in der Tür” zu haben, für einen späteren Wechsel in eine bevorzugtere Abteilung oder auch um das Bekannte Vitamin B zu gewinnen, welches mir vielleicht eine Empfehlung für einen anderen botanischen Garten gebracht hätte.

Auch dieses Mal erhielt ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, doch merkte ich, dass ich mich nicht freute. Klar hätte ich mit einem Halbtagsjob meinen Plan B ausführen und nebenbei weiter studieren können, doch konnte ich mich akut noch nicht damit anfreunden.

Die Anfahrt ins 50km entfernte Düsseldorf war bereits holprig und durch massive Verkehrsbehinderungen geprägt. Zudem drückte meine Blase heftigst und die Stimmung war generell angeschlagen. Doch meine Zeitplanung war perfekt: Wir kamen rechtzeitig an und ich machte mich auf den Weg vom Parkplatz in den botanischen Garten. Auch der Umweg zum Toilettenhäuschen war eingeplant. Doch war der geplante Weg durch Reinigungsarbeiten versperrt. Ich mogelte mich dennoch durch, da ich im Vorfeld bereits diesen Weg einplante und keinen Umweg in kauf nehmen konnte. Nachdem die Blase entleert war, ging ich den selben Weg zurück. Allerdings sprach mich der Arbeiter wutentbrannt an und hielt mich auf. Ich ging einen Umweg. Erneut ein unnötiger Stressfaktor, der Zeit kostete.

Ich rannte zum angepeilten Gebäude und wurde bereits von innen gesehen. Ich blieb stehen, schaute auf die Uhr: 10:02. Zwei Minuten zu spät. Während man mich anguckte, drehte ich auf dem Absatz um und ging unverrichteter Dinge wieder zum Auto. Ich hörte Rufe und ignorierte sie.

Ein tolles Vorstellungsgespräch. Nicht.

Noch im Auto schrieb ich folgende Mail, auf die natürlich keine Reaktion kam..

[..] da ich aufgrund der Reinigungsarbeiten an der Zisterne am Afrikahaus einen nicht einkalkulierten Umweg zum Toilettenwagen nehmen musste, verspätete ich mich leider um zwei Minuten. 

Das ist ein für mich nicht hinnehmbarer Fakt, weshalb ich nicht am Vorstellungsgespräch teilnehmen konnte.

Mit freundlichen Grüßen, [..]

Ein wunderbares Beispiel, wieso ich einen Schwerbehindertenausweis habe. Mich bringen Kleinigkeiten und Abweichungen vom Plan so dermaßen aus dem Takt, dass ich in einen Tunnelblick verfalle und flüchte. Und ja, ich wies explizit auf meine Behinderung bereits im Anschreiben hin und reichte auch den Schwerbehindertenausweis als Nachweis ein.

Ich habe immer noch ernsthaft Angst, dass sich dieser Reinfall, den ich längst nicht überstanden habe, wieder traumaartig bei mir manifestiert und ich dadurch in zukünftigen Bewerbungssituationen mir selbst im Weg stehe.

Weiterlesen

Autismus und Socialmedia: Ambivalenzen und ständige Trigger

Ich muss gestehen, dass Socialmedia für mich immer DER Rückzugsort war, wenn das Reallife mich überforderte, wenn die menschliche Interaktion, die face-to-face Kommunikation mich überreizte und es mir nicht mehr möglich war, die Handlungen des Gegenübers zu verstehen oder ich generell in Phasen war, in denen ich jedweden sozialen Kontakt generell vermied.

Socialmedia war für mich immer ein Ort der Stille, in den ich hinabtauchen konnte, wenn die Welt da draußen mich überforderte. Die Interaktion fand statt, ohne drüber nachdenken zu müssen, wie ich auf andere wirke, ohne dass ich mir selbst großartige Gedanken um das Handeln anderer Personen oder meiner Interaktionspartner machen musste. Kurzum es funktionierte und brachte mir den Funken Normalität, den ich mir so oft im sozialen Umgang im Reallife auch wünschte.

Mit dieser Haltung stehe ich auch heute noch dem Thema Socialmedia gegenüber und bin daher ein intensiver Nutzer vieler Dienste. Doch merke ich, dass sich die Dinge grundlegend änderten. Ist es mein Anspruch an die virtuelle Kommunikation als solche oder hat sich die Kommunikation und Interaktion im Netz einfach so sehr verändert, dass ich sie nicht mehr verstehe?

Ich muss dazu sagen, dass ich in Sachen Socialmedia schon fast ein Dinosaurier bin und das Netz als intensives Kommunikationsmedium nutzte, weit bevor es Socialmedia, wie wir es heute kennen, gab. Vor zwanzig Jahren nutzte ich exzessiv ICQ und IRC und liebte es damals, Menschen virtuell kennenzulernen – etwas, das mir im echten Leben fernab des Internets nie gelang, wonach ich mich jedoch immer sehr sehnte, mir jedoch verwehrt blieb.

Damals war die Userschaft im Netz noch etwas spezieller. Vor allem auf Plattformen (auch wenn Plattform hier technisch nicht korrekt ist, bleibe ich der Einfachheit bei diesem Begriff), wie dem IRC traf man eher auf Nerds und technikaffine Freaks, Gamer und Menschen wie mich, die ihre sozialen Einschränkungen im Offlineleben durch ihre Aktivitäten im Netz erfolgreich kompensieren konnten und somit das Internet als einziges Ventil zur sozialen Außenwelt nutzten, weil sie dort normal sein konnten. Es bildeten sich eingeschworene Gruppen, aus denen gar Freundschaften hervorgingen, die später teils sogar in die Offlinewelt übergingen, Menschen mit denen man Interessen teilte und gemeinsamen Freizeitaktivitäten nachging; Menschen, die man wahrscheinlich ohne das Medium Internet nie kennengelernt hätte.

Das Ganze zog sich hin bis die ersten Socialmedia- und Web 2.0- Angebote auftauchten (aus diesem Grunde bin war ich übrigens seit 2007 Twitternutzer). Die Interaktion war einfach eine Selbstverständlichkeit. Sogar für mich war es etwas, über das ich nicht groß nachdenken musste, das mir einfach gelang. Man kam in Kontakt, wurde respektiert und akzeptiert. Aus dieser Zeit nehme ich die einzigen, wenigen Erfahrungen mit, in denen mir das Kennenlernen von fremden Menschen leicht fiel, sogar Freude bereitete – weil es eben nur rein online stattfand und der Umgangston, das komplette Gebaren im Netz, noch ganz anders war.

Heute fühle ich mich wie jemand, der aus einer anderen Zeit kommt, jemand der aus einem Koma erwachte und die Gegenwart nicht mehr versteht, jemand, sich auf Portalen/Apps anmeldet und mit der selben Attitüde an die Sache herangeht, die vor 15-20 Jahren für mich erfolgreich war. Für mich ist Socialmedia (stellvertretend für Kommunikation/Interaktion und dem Kennenlernen von Gleichgesinnten übers Netz im Allgemeinen) immer noch dieses leichtgängige Etwas, das schon fast sentimentale Erinnerungen und Sehnsüchte in mir weckt, ich wünsche es mir zumindest, aber die Realität sieht mittlerweile anders aus.

Socialmedia hat für mich längst nicht mehr den Charakter eines sicheren Rückzugsortes, in dem auch ein sozial völlig verkrüppelter Autist funktionieren kann und anerkannt wird, in dem man eintauchte und irgendwie mit völlig fremden Menschen sowas wie eine Freundschaft aufbaute, im Gegenteil: Socialmedia ist für mich heute einer der größten Trigger mit einer Tragweite, die weit in meinen Alltag hineinreicht. Subjektiv assoziiere ich Socialmedia heute eher mit negativen Worten und Erfahrungen wie: Egoismus, Narzissmus, Neid, Missgunst, Ignoranz, Konkurrenzdenken, Lügen, Stutenbissigkeit, Überreizung, Anschuldigungen, Oberflächlichkeit und anderen Dingen, die Energie rauben.

Okay..

Eigentlich wollte ich nur meine Gedanken zum Thema Instagramgepflogenheiten aus der Sicht eines Autisten loswerden und nun sinniere ich hier völlig abgedriftet über sämtliche Trigger, die mich an Socialmedia stören. Angefangen hat alles, weil ich mich nicht komplett auf diesen Text konzentrierte, sondern nebenbei (mal wieder) einen Shitstorm auf Facebook losgetrieben habe. Das wäre nun wieder ein Thema für einen anderen Artikel, daher möchte ich da nun auch nicht weiter drauf eingehen, sonst steigere ich mich zu sehr hinein und der Tag endet wieder mit schlechter Laune.

Ich versuche, den Faden wieder zu finden..

Ich öffne meine Apps und rege mich auf. Egal ob über User, den Diensten als solche, deren Algorithmen, Inhalte, die User bereitstellen. Ich rege mich oftmals so sehr auf, dass ich diese Wut in meinen Alltag hineinbringe und alles Unmittelbare aus dem Gleichgewicht gerät. Völlig egal, ob einer der oben genannten Trigger ausschlaggebend war oder ob es einfach das Unverständnis ist, das das (womöglich nicht einmal bewusste) Verhalten anderer bei mir provoziert.

Akut sind es wieder einmal diverse Gepflogenheiten auf Instagram und Facebook, die bei mir Unverständnis hervorrufen, die mich dazu bringen, überhaupt einen solchen Text zu schreiben. Was mir als ambitionierter Hobbyfotograf mit hohen Maßstäben an seinen eigenen Output immer wieder auffällt ist, dass oftmals nur die Werke Aufmerksamkeit erhalten, deren Urheber am lautesten schreien – ungeachtet der Qualität der Beiträge. In vielen Fotogruppen oder auf Instagram werden technisch völlig inadäquate Bilder hochgelobt, während wirklich technisch perfekte Aufnahmen untergehen. Ich spreche selten von Perfektion, da ich alles bin, nur nicht perfekt. Allerdings beziehe ich mich nur auf die handwerklichen Aspekte, deren Ausführung man tatsächlich objektiv bewerten kann. Ich würde mir nicht anmaßen, Punkte als perfekt zu bezeichnen, die der subjektiven Wahrnehmung unterliegen.

Allerdings ist mir auch bewusst, dass die Reichweite künstlich durch Algorithmen gesteuert werden und vieles einfach im Äther untergeht. Es herrscht einfach ein Überschuss an Inhalten im Netz. Doch genau dies ist wieder ein Punkt, der mich jedes Mal aufs Neue beschäftigt. Mittlerweile versuche ich dem Algorithmus ein Schnippchen zu schlagen und sorge selbst dafür, dass man mich sieht, in dem ich eifrig kommentiere und einiges an Zeit investiere, um Interaktion mit anderen Usern zu gestalten, um KONTAKTE ZU KNÜPFEN. Doch wofür das ganze? Und jetzt kommt etwas, was ich wirklich schade finde: Für nichts. Es scheint viele User nicht zu interessieren ob man ihnen folgt, ihre Beiträge kommentiert, mit ihnen Interagiert. Man wird einfach ignoriert. Ein Phänomen, das allerdings in der Bubble der Fotografieanhängern häufig vorkommt. Man ist zwar gut darin, Lob zu kassieren, will aber selten selbst aktiv werden und Feedback austeilen oder Beiträge zu liken – es könnten ja mehr likes sein als man selber hat. Folgen? Auch ein heißes Thema. Trotz identischer Themenbubble und ähnlicher Beiträge, scheint man sich einen Zacken aus der Krone zu brechen, wenn man auf “Auch folgen” clickt. Socialmedia besteht mittlerweile scheinbar nur noch aus oberflächlichen Narzissten, Egomanen und Nichtgönnern. Gerade die Bubble der Hobbyfotografen ist voll von solchen Subjekten.

Ich messe hier wahrscheinlich mit falschen Maßstäben, nämlich mit meinen. Wenn mir neue Leute folgen (egal auf welcher Plattform), freue ich mich, sehe mir ihre Profile an, hinterlasse Kommentare und Interaktionen und folge ihnen zurück, wenn ich merke, dass da gegenseitiges Interesse an den Beiträgen besteht. Leider erwarte ich zu häufig, dass Menschen so uneigennützig denken und handeln, wie ich es mache, doch damit grabe ich mir jedes Mal ein neues Fettnäpfchen.

Ich mag nicht über die Gründe dieser Empfindung urteilen, da ich nur vermuten kann, weshalb die Dinge im Bezug auf meine eigene Interneterfahrung (OMG, ich schreibe dieses Wort wirklich!) mittlerweile so völlig anders sind im Vergleich zu früher. Folgend nun drei Thesen:

  • es liegt an mir, da ich mich geändert habe mit einer falschen Erwartungshaltung an die Sache heran gehe und nicht mehr mit den heutigen Standards der Kommunikation mithalten kann. Ich habe zu hohe Ansprüche und Erwartungen, meine eigene Reizschwelle ist mittlerweile gesunken
  • es liegt daran, dass das Internet längst nicht mehr der Treffpunkt der Geeks und Nerds ist, sondern die Normalos die breite Masse stellen. Eben jene, mit denen ich damals schon nicht klar kam.
  • Die Sozialkompetenz ist bei den heutigen Usern einfach noch mangelhafter

Auf diese Thesen möchte ich nun nicht im Detail eingehen. Es handelt sich um Erklärungsversuche, die ich für mich selbst zurechtgelegt habe.

Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Ich will einfach nur Kontakt zu Gleichgesinnten aufbauen, mit denen man offenbar Interessen teilt, um sich auszutauschen und zu fachsimpeln. Mir ist es tatsächlich egal, wieviele Likes oder Follower ich habe, doch es stört mich diese Gleichgültigkeit, diese Ignoranz. Es vermittelt mir das Gefühl, dass ich mittlerweile selbst im Netz zu Unfähig bin, Kontakte zu knüpfen.

Und da beginnt der Teufelskreis: Entmutigt durch oben genannte Situationen betrachte ich Socialmedia mittlerweile voller Verbitterung, habe oftmals gar keine Kraft, mich mit anderen Dingen außer meinen eigenen Posts auseinanderzusetzen. Das bekommen dann die wenigen Leute zu spüren, die tatsächlich mit mir kommunizieren wollen.

Hier komme ich nämlich zu der im Titel erwähnten Ambivalenz. Auf der einen Seite wünsche ich mir Kontakte zu anderen Menschen, möchte Kontakte knüpfen, wie ich es vor 15-20 Jahren im Netz machte, auf der anderen Seite bin ich durch diese vielen Punkte, die ich im Text ansprach, völlig überreizt und kraftlos, um überhaupt Kontakte zu pflegen. Das bekommen alte Freunde von mir gleichermaßen zu spüren, wie langjährige Onlinekontakte, die mir zum Geburtstag gratulierten, die mir ausführliche Nachrichten schreiben, die sich generell oft melden und von mir eiskalt ignoriert werden.

Es tut mir leid, ich wünschte mir, ich könnte die Kraft aufbringen, mich um all diese Kontakte zu kümmern, aber es gelingt mir schon seit Monaten nicht. Immer noch ruhen unbeantwortete Geburstagsglückwünsche von Mitte September im Posteingang. Egal auf welcher Plattform: Ich habe einen massiven Rückstau im Beantworten von Nachrichten und befasse mich stattdessen damit, von Leuten beachtet zu werden, denen es völlig gleichgültig ist.

Das wiederum mag widersprüchlich klingen, zumal ich sehr aktiv bin und nahezu täglich Beiträge verfasse. Das Posten ist für mich immer noch ein Ventil, aber eben eine Einbahnstraße. Sobald es zur tieferen Kommunikation kommt, schalte ich aus.

Mir fehlen langsam die Worte, daher komme ich nun zur Quintessenz meiner Gedanken. Plakativ ausgedrückt: Socialmedia ist autistenfeindlich. Zumindest für jene, die Socialmedia so nutzen, wie ich es mache und tatsächlich den Fokus auf “Social” legen. Ich bin zwar wegen meiner sozialen Defizite stark eingeschränkt und habe allein dafür meinen GdB 60, doch schaffte ich es immerhin früher, im Netz normal unterwegs zu sein, ohne dass es mich nachhaltig belastet. Und das belastet.

Eigentlich bin ich mir im Klaren darüber, dass nur ich das Problem lösen kann. Ich muss “drüber stehen”, dem Thema Socialmedia keine so hohe Priorität einräumen, aber es ist nunmal mehr. Die Inhalte, die ich poste, sind ein Teil von mir und meinen Spezialinteressen. Ich wünsche mir nur etwas Gehör bei Menschen die diese Themen genau so leben, wie ich…

Weiterlesen
1 2 3 5