Neue Medikation: Endlich weg vom Venlafaxin

Eine der wenigen guten Nachrichten der letzten Zeit betrifft meine Medikationsumstellung. Nachdem ich vor zwei Wochen den ersten Termin bei meiner neuen Neurologin/Psychiaterin hatte, bei der ich mich übrigens sehr gut verstanden fühle, begann ich meine Medikation nun zu wechseln.

Schon einmal wollte ich von Venlafaxin wegkommen. Damals, vor 3 Jahren, nahm ich das Zeug bereits knapp 3-4 Jahre und kam mit den Nebenwirkungen einfach nicht mehr zurecht. Schweißausbrüche in der Nacht, massive Gewichtszunahme durch ständigen Appetit, Schlafprobleme in der Nacht, Schläfrigkeit am Tage, Libidoprobleme in einem Ausmaß, wie sie nicht mehr feierlich waren und ironischerweise: Depressionen und Antriebslosigkeit. Eben die Symptome gegen die ich eigentlich Antidepressiva nehme,

Das damalige Ausschleichen war eine Qual. Die Entzugserscheinungen zogen sich über Monate hinweg. So genannte Brainzaps, Blitze und Zuckungen im Kopf, bestimmten meinen Alltag und schränkten mich über lange Zeit ein. Selbst das Autofahren erachtete ich in dem Zustand als zu riskant. Ich entschied mich, keinerlei Antidepressiva mehr zu nehmen.

Allerdings merkte ich, dass meine Psyche sehr unter den Umständen im Exil zu leiden hatte, so dass ich mir wohl oder übel wieder Venlafaxin verschreiben ließ. Lange Geschichte kurz: Mich holten die Nebenwirkungen wieder in aller Fülle ein, ich ertrug es nicht mehr und wechselte nach etwas mehr als einem Jahr erneut.

Dieses Mal wagte ich einen neuen Versuch mit Bupropion/Elontril. Vor rund zehn Jahren hatte ich bereits Erfahrungen damit gemacht, war aber irritiert von der massiv aufputschenden Wirkung und setzte es nach kurzer Zeit wieder ab. Aufgrund der negativen Erinnerungen kam das Präparat für mich lange Zeit nicht mehr infrage, jedoch stellte ich mich der Herausforderung erneut und bin dieses Mal positiv begeistert.

Das Ausschleichen und “runterkommen” von Venlafaxin war kurz und schmerzvoll, eine Woche lang totale Ausfallerscheinungen und Stimmungsschwankungen massivsten Ausmaßes, so dass ich mich präventiv nicht aus meinem Bett wagte und erst recht aufs Autofahren verzichtete. Die Brainzaps waren anfangs doch so massiv, dass ich teilweise am ganzen Körper zusammenzuckte und Blackouts hatte. Doch mit der ersten Einnahme von Elontril wandte sich alles zum Positiven. Zwar leider ich immer noch unter Brainzaps, doch sind diese mittlerweile minimal und nicht störend, erst recht nicht einschränkend.

Das Elontril wirkte zeitnah: Ich habe seit langer Zeit wieder Antrieb und Motivation, mein Schlafpensum hat sich bei 6-8 Stunden pro Tag eingependelt, die ewige Müdigkeit ist fort, ich schwitze nicht mehr wie ein Bär und andere Dinge scheinen auch langsam wieder in Fahrt zu kommen. Und eines der wichtigsten Dinge: Die ständigen Fressflashs sind fort! Bei mittlerweile wieder über 130KG war es dringend nötig, hier Einhalt zu gebieten. Ich schaffte es nämlich nicht, mich zur Bewegung zu zwingen, wie es ein Psychiater in der Klinik vor 2 Jahren empfahl. Der Antrieb war so gering, dass ich zusehends fetter wurde und zwanghaft Essen in mich hineinstopfte.

Damit ist nun hoffentlich Schluss! Generell bin ich bislang zufrieden und ärgere mich über die Jahre, in denen ich meinen Körper mit Venlafaxin so dermaßen quälte.

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Stand der Dinge

Wie im letzten Beitrag schon angekündigt, legte ich mir einen Fahrplan zurecht, um das aktuelle Anliegen zu bewältigen. Mittlerweile sind über den Vorfall informiert:

  • Anwalt
  • Landwirtschaftskammer
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes
  • Autinom

Weitere Vereine/Einrichtungen, die sich dem Thema Autismus, Inklusion und Diskriminierung verschrieben haben, folgen noch. Missstände dürfen nicht mehr totgeschwiegen werden, sondern müssen ans Tageslicht gelangen, auch wenn es für manche kleinkariert klingen mag. Dinge erscheinen oftmals erst relevant, wenn man selbst betroffen ist.

Ich kann nicht mehr schweigen, ich kann auch nicht mehr drüber hinwegsehen. Mir geht es hier primär nicht einmal mehr um die Absage der Stelle, sondern um die Umstände, wie es dazu kam.

Vor Jahren ermutigte mich mein damaliger Therapeut meine Hochschule wegen grober Unzulänglichkeiten in Sachen Inklusion zu verklagen. Bekam zudem Rückenwind von der Sozialarbeiterin der Psychiatrie, in die mich das Studium letztendlich brachte. Leider fehlte mir damals jedwede Kraft und Motivation, mich einem solchen Verfahren zu stellen.

Was ich mir jedoch geschworen habe: Sobald ich wieder Kraft habe und mir jemand erneut auf diesem Wege Steine in den Weg legt, werde ich sämtliche Hebel in Bewegung setzen, dass diese Menschen aus ihren Handlungen für die Zukunft lernen.

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Bereit zum Kampf

“Vielen Dank für Ihre Anfrage an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.”

Der erste Punkt meiner Checkliste ist abgehakt. Mittlerweile fühle ich mich wieder gut, richtig gut. Ich habe ein Ziel, ich werde kämpfen.

Für morgen und die nächsten Tage gilt: Anwalt einschalten, den Vorfall bei der Landwirtschaftskammer melden, das Integrationsamt mit ins Boot holen, zudem Lokalmedien kontaktieren. Bis spätestens in einer Woche will ich alle Punkte abgearbeitet haben und weitere Schritte planen.

Ich bin es leid und werde nicht mehr schweigen oder es sang und klanglos hinnehmen, von potentiellen Arbeitgebern und Personalabteilungen trotz bester Voraussetzungen aufgrund altbackener Vorurteile als ungeeignet abgestempelt zu werden.

Ab jetzt werden schwere Geschütze aufgefahren. Wenn es sein muss, darf die Sache gern vors Arbeitsgericht gehen und aufquellen wie ein ranziger Hefeteig, der sich richtig eklig und stinkend in jede noch so kleinste Fuge hineinsetzt. Allein schon die Nichtvergleichbarkeit des nachträglich (nach bereits erfolgter Jobzusage) unter fadenscheinigen Ausreden eingeschobenen Einstellungstests und das Wissen und Ignorieren meiner Behinderung und des Schwerbehindertenausweises sind offenbar massive Verstöße, gegen die ich als Betroffener rechtlich vorgehen kann – und werde!

Finde es erstaunlich, welche Wellen des Zuspruchs der Fall jetzt schon bekommt.. Das bekräftigt mich einfach ungemein, hier beherzt mit aller Kraft zu kämpfen!

Ja, ich halte diese Thematik bewusst öffentlich, weil ich hier nicht nur für mich kämpfe, sondern letztendlich für unzählige Betroffene, die trotz bester Qualifizierung absolut keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, weil sich viele Arbeitgeber auch im Jahr 2024 einen Kehricht um Inklusion und Gleichstellung scheren. Ich schwieg einfach viel zu lang. Damit ist jetzt Schluss!

Ich bin Ben und ich will wieder in meinem erlernten Beruf arbeiten.

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Absage..

Ich beziehe mich mit diesem Beitrag auf meinen Beitrag von vor 8 Tagen: https://aspienaut.de/?p=620

Ein aktuelles Update zur Thematik, da ich eben die Info erhielt:

Absage, weil das Gesamtbild einfach nicht stimme. (Dazu möge man bitte einen Blick in den Beitrag von vor einer Woche werfen. Man gab mir sogar schon mündlich eine Zusage!)

So, kurzer Abriss zum Verlauf:

Ich habe vor einer Woche den Test gemacht, hatte das Gespräch mit der Personalleiterin und ging mit einem massiv unwohlen Gefühl aus der Sache raus. Die Dame wirkte zwar nett, aber man merkte ihr immer an, dass sie einen fragenden Blick auflegte, wenn ich sprach. Irgendwie war eine ganz komische Stimmung im Raum.

Es fing an mit einem Persönlichkeitstest. Dazu gehörten Fragen a la “wie würde ihr Umfeld ihre Zuverlässigkeit bewerten?”, “wofür würden sie sich entscheiden: Ein Gedicht oder ein Gewehr”, “fühlen sie sich anderen Menschen überlegen”, “Wären sie lieber Förster oder Lehrer” und viele andere Fragen, die ich leider nicht mehr im Gedächtnis habe. Die Beantwortung erfolgte per “ja”, “unentschieden” oder “nein” bzw zwischen der Wahl der möglichen Punkte. Für mich gab es oft Fragen, die ich nicht mit den vorgegeben Antwortmöglichkeiten beantworten konnte. Würde ich mich für ein Gedicht oder Gewehr entscheiden? Das – und viele andere Fragen – waren Fragen, deren Antwort ich erklären musste. Generell hätte ich zu jeder Frage sehr viel sagen können, weil sie teilweise sehr uneindeutig formuliert waren.

Anderes Beispiel: “Sinkt bei schlechtem Wetter ihre Laune UND ihre Arbeitsleistung?”. Antwortmöglichkeiten “ja”, “Unentschieden”, “nein”. Mein Gedankengang, den ich auch so erläuterte: Meine Laune sinkt, aber das hat keinerlei Einfluss auf meine Arbeitsleistung, jedoch steht dort “Laune UND Arbeitsleistung”, weshalb ich die Frage zwar – aufgrund der UND-Verknüpfung – mit Nein beantworten müsse, dies aber nicht der Realität entspricht, da zwar meine Laune sinkt, dies jedoch keinerlei Bezug zur Arbeitsleistung hat.

Dieses Beispiel steht stellvertretend für rund 50 % der Fragen im Test.

Insgesamt waren es ungefähr 5 Bögen mit je 20-100 Fragen. Zum Schluss folgten Fragen zur Mitarbeiterführung und Problemlösung als Vorgesetzter und eine mathematische Knobelaufgabe, für die man mir die Anleitung vorlas. Im Nachgang erfuhr ich, dass sie es Bemerkenswert fand, dass ich die Aufgabestellung ohne große Notizen direkt verinnerlichte – eine Thematik an der die meisten Bewerber bereits scheitern, wie sie mir sagte. Zudem rechnete ich in den vorgegebenen 10 Minuten mehrere alternative Lösungswege durch, was wohl auch nicht an der Tagesordnung ist.

Im Anschluss folgte noch ein Gespräch über meine Erwartungshaltung, mein Umgang mit Stress. Das Thema Asperger/Schwerbehinderung wurde nur rudimentär angeschnitten, wobei es anfangs erst hieß, dass man diesbezüglich Zweifel hätte.

Gut, der ganze Termin dauerte 2 1/2 Stunden und man versprach mir eine Rückmeldung in der folgen – also der aktuellen – Woche.

Das Warten war höllisch. Ich kann seit 5 Tagen nicht schlafen, mir ist nur noch schlecht, ich fange vor lauter Stress an spontan zu heulen, bin einfach nur fertig, weil ich mir diesen verdammten Job so sehr wünschte und so sehr hoffte, dass es klappte.

Heute dann der Anruf. Man entschied sich leider gegen mich. Auf meine Nachfrage, wie diese Entscheidung zustande kam, zumal man mir eine Woche zuvor noch eine mündliche Zusage erteilte und mich bereits auf der Vertragliche einschwor, wurde nur um den heißen Brei geredet. “DAS GESAMTBILD PASSE EINFACH NICHT” und sie sieht mich in einem anderen Umfeld, aber nicht dort. Ich solle den Kopf nicht hängen lassen.

(das in dem Kontext, dass man eine Woche zuvor bereits das vertragliche Regeln wollte, und mir die HR-Dame plötzlich Steine in den Weg legte, macht diese Aussage besonders pikant und zynisch.) Auf mein Nachhaken wurde nicht eingegangen. Ich wusste aber, dass das auf dem Mist der HR gewachsen war (RW) und sie plötzlich dazwischenfunkte. (siehe verlinkter Beitrag)

Ich versuchte sie zum Test zu fragen, aber sie wich aus. Ich blieb hartnäckig und ratterte meine Fragen runter:

“Darf ich fragen, an wievielen Asperger-Autisten der Test erprobt ist und wieviele damit erfolgreich eingestellt wurde?”

“Meine Absichten beim Test wären für sie vielleicht ersichtlicher gewesen, wenn man mir die Möglichkeit gegeben hätte, meine Antworten zu erläutern.

Man kann einen Autisten nicht nach denselben Kriterien bewerten, wie es bei neurotypischen Menschen der Fall ist – erst recht nicht mit einem Fragebogen, der einen Autisten regelrecht diskriminiert, weil die Fragen weder eindeutig formuliert sind noch Möglichkeit zur Erklärung einkalkuliert ist.

Sie haben bereits im Gespräch gemerkt, dass ich Anmerkungen zu diversen Fragen hatte, weil diese sich nicht mit einem einfachen Kreuz an einer vorformulierten Antwort beantworten lassen.

Meine Wahrnehmung und Auffassung sind völlig konträr zu deren eines neurotypischen Menschen, für den ein solcher Test zugeschnitten ist.

Ich zweifle das Testergebnis ernsthaft an und wage zu behaupten, dass ein solcher Test die Persönlichkeit eines Asperger-Autisten nicht korrekt widerspiegelt.”

“Es mangelt mir nicht an IQ. Ich kann lediglich nicht zwischen den Zeilen lesen und somit sind Psychotricks und Spielchen für mich nicht per se ersichtlich.

Aber dazu sagte ich Ihnen ja bereits, dass sowas in der Praxis kaum ins Gewicht fällt, wenn ich das Gegenüber kenne.”

“Ich verstehe nicht, wieso ein Test unter solchen Bedingungen nun meine Motivation, meinen Ehrgeiz, meine Noten und Leistungen, sowie das positive Feedback des Probearbeitens in den Schatten stellen soll.

Dieser Test hat Null Aussagekraft über mich und meine Leistung bei der Arbeit”

Ja, ich hatte mir ein grobes Skript zurechtgelegt, weil ich meinem Bauchgefühl vertraute und damit rechnete, diese Punkte ansprechen zu müssen. Nach der Absage ging es mir auch gar nicht mehr um die Stelle, sondern nur noch um Gerechtigkeit. In dem Kontext erwähnte ich meine weitere Vorgehensweise, nämlich dass ich die Angelegenheit nun anwaltlich prüfen lasse.

Daraufhin wurde sie ungehalten: Sie hätte mich auch gar nicht erst informieren brauchen, keifte sie mich an. (die Änderung der Tonlage war hier sehr, sehr eindeutig). Ich, dem Weinen nahe, legte auf und schaltete das Handy aus.

Ich werde nun tatsächlich den Sachverhalt der Antidiskriminierungsstelle melden und einen Anwalt einschalten. Mir geht es gar nicht mehr um diese Stelle in dieser Firma (da habe ich eh keinerlei Chancen mehr), sondern ausschließlich um Gerechtigkeit und der Tatsache, dass ich es leid bin, ständig von fremden Menschen pauschalisiert und drangsaliert zu werden. Einem Bewerber erst eine mündliche Zusage erteilen, ihn drauf einschwören, dass die Personalleitung wegen der vertraglichen Dinge anrufen wird und dann dieser offensichtliche Alleingang der HR (siehe verlinkter Beitrag von letzter Woche).. Das geht einfach gar nicht.

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Nach Jobzusage und Probearbeiten zum Einstellungstest

Ich habe nach fast einem Jahr des Bewerbens nun endlich einen Job in Aussicht – so dachte ich. Vor Weihnachten gabs ein positives Bewerbungsgespräch und ein Probearbeiten, das mir quasi die Türen in den Betrieb öffnete. Der Betriebsleiter sagte mir bereits inoffiziell zu. Nach Silvester kam dann quasi telefonisch die Bestätigung. Seitens Betriebsleiter und Betriebsführung kam man zu der Übereinkunft, auf das zweite Vorstellungsgespräch zu verzichten und direkt das Vertragliche zu regeln. Ich sollte am Tag drauf ein Telefonat der Personalabteilung erhalten, um die Formalitäten zu regeln.

Allerdings kam alles ganz anders. Die Dame fragte mich noch kurz zum Ablauf meiner Probetage, ich erläuterte meine Erlebnisse und Abläufe und bekräftigte meinen Wunsch nach der Stelle.

Entgegen der Ankündigung des Betriebsleiters, das Vertragliche zu regeln, nahm das Telefonat mit der HR einen komplett anderen Weg.. Sie war der Ansicht, dass man erstmal abklären müsse, ob ich überhaupt zu dieser Stelle passe (Zu mir: Abschlüsse mit Bestnoten: Abi im zweiten Bildungsweg und Ausbildung als Jahrgangsbester, IQ im 130er Bereich, Vorstellungsgespräch lief sehr positiv, Probearbeiten ebenso positiv).

Sie hatte – so sagte sie – ein Problem mit meinem Lebenslauf, der autismusbedingt eine Lücke von 10 Jahren in meinen 20ern aufweist. Auch das Thema Autismus bereitete ihr Zweifel und sie weiß nicht, ob ich der passende Kandidat bin (was ich im Probearbeiten ja bereits bewies und auch so als Rückmeldung erhielt). Kurzum: Statt eines Vertrages habe ich nun einen Termin für einen Einstellungstest – trotz Zusage des Leiters, der diese Zusage in Übereinkunft mit der Geschäftsführung traf.

Zynischerweise gab die Dame der HR die Info, dass der Einstellungstest ja völlig freiwillig sei. Klar, das Bewerben ist auch freiwillig – man kann es auch sein lassen und ist dann logischerweise aus dem Rennen.. wirklich zynisch! Vor allem angesichts der Tatsache, dass ich seit einem Jahr Bewerbungen schreibe und das meine ZWEITE Einladung überhaupt ist.

Ich hielt am Montag nochmal Rücksprache mit dem Betriebsleiter. Er konnte das Handeln der HR-Dame absolut nicht verstehen, zumal mit der Geschäftsführung bereits abgeklärt war, dass das Vertragliche geregelt werden sollte. Er war völlig entgeistert und riet mir nur, mich der Willkür der Dame zu stellen.

Ich bin massivst verunsichert und habe Angst vor dem, was mich Donnerstag erwartet.. Wenn meine Stimmung weiterhin so fällt, werde ich dort wohl mit einem Shutdown im Büro sitzen und stillschweigend den Test zerreißen oder in Tränen ausbrechen. Auch wenn mein Plan eigentlich ist, mit der Dame offen und ehrlich zu reden (damit habe ich im ersten Gespräch bei der Firma bereits sehr gepunktet) und sie zu überzeugen. Ich weiß, dass ich unter Stress keinerlei Test unter Normalbedingungen bestehen kann (Deshalb hatte ich im Studium Nachteilsausgleiche). Abgesehen davon, habe ich meine Toleranz und Fähigkeiten bereits im Probearbeiten unter Beweis gestellt.. Es ist gerade einfach alles so dermaßen verwirrend..

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Der Autismus kickt vorm Vorstellungsgespräch

Als für mich zum Jahresbeginn klar wurde, dass das Studium für mich keinen Sinn mehr ergab, begann ich Bewerbungen zu schreiben. Während dieser Zeit hatte ich – bis einschließlich heute – exakt zwei Vorstellungsgespräche, beide im botanischen Garten der HHU Düsseldorf im öffentlichen Dienst.

Nach der ersten Absage auf eine Stelle, die für mich der ideale Traumjob gewesen wäre, nämlich im Bereich der Pflanzenforschung, war ich mir ziemlich sicher, dass man mich nur der Quote wegen einlud und durch den Bewerbungsprozess schleuste, um mir hinterher zu sagen, dass es für mehr leider nicht reichte (Details). Die Verbitterung über diesen Reinfall sitzt bis heute tief und lässt mich nicht drüber hinwegsehen, was man mir alles zumutete, um mir letztendlich doch die Absage zu erteilen.

Seitdem sind mehrere Monate vergangen, doch im Oktober fand ich erneut eine Stelle in besagtem botanischen Garten, auf die ich mich bewarb. Allerdings war mir von vornherein klar, dass diese aktuelle Stelle nur eine Notlösung sein würde, da es sich nur um einen Halbtagsjob in einem anderen Bereich, mit dem ich mich nicht identifizieren konnte, handelte. Doch ich bewarb mich, um eben in einem botanischen Garten arbeiten zu können und den “Fuß in der Tür” zu haben, für einen späteren Wechsel in eine bevorzugtere Abteilung oder auch um das Bekannte Vitamin B zu gewinnen, welches mir vielleicht eine Empfehlung für einen anderen botanischen Garten gebracht hätte.

Auch dieses Mal erhielt ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, doch merkte ich, dass ich mich nicht freute. Klar hätte ich mit einem Halbtagsjob meinen Plan B ausführen und nebenbei weiter studieren können, doch konnte ich mich akut noch nicht damit anfreunden.

Die Anfahrt ins 50km entfernte Düsseldorf war bereits holprig und durch massive Verkehrsbehinderungen geprägt. Zudem drückte meine Blase heftigst und die Stimmung war generell angeschlagen. Doch meine Zeitplanung war perfekt: Wir kamen rechtzeitig an und ich machte mich auf den Weg vom Parkplatz in den botanischen Garten. Auch der Umweg zum Toilettenhäuschen war eingeplant. Doch war der geplante Weg durch Reinigungsarbeiten versperrt. Ich mogelte mich dennoch durch, da ich im Vorfeld bereits diesen Weg einplante und keinen Umweg in kauf nehmen konnte. Nachdem die Blase entleert war, ging ich den selben Weg zurück. Allerdings sprach mich der Arbeiter wutentbrannt an und hielt mich auf. Ich ging einen Umweg. Erneut ein unnötiger Stressfaktor, der Zeit kostete.

Ich rannte zum angepeilten Gebäude und wurde bereits von innen gesehen. Ich blieb stehen, schaute auf die Uhr: 10:02. Zwei Minuten zu spät. Während man mich anguckte, drehte ich auf dem Absatz um und ging unverrichteter Dinge wieder zum Auto. Ich hörte Rufe und ignorierte sie.

Ein tolles Vorstellungsgespräch. Nicht.

Noch im Auto schrieb ich folgende Mail, auf die natürlich keine Reaktion kam..

[..] da ich aufgrund der Reinigungsarbeiten an der Zisterne am Afrikahaus einen nicht einkalkulierten Umweg zum Toilettenwagen nehmen musste, verspätete ich mich leider um zwei Minuten. 

Das ist ein für mich nicht hinnehmbarer Fakt, weshalb ich nicht am Vorstellungsgespräch teilnehmen konnte.

Mit freundlichen Grüßen, [..]

Ein wunderbares Beispiel, wieso ich einen Schwerbehindertenausweis habe. Mich bringen Kleinigkeiten und Abweichungen vom Plan so dermaßen aus dem Takt, dass ich in einen Tunnelblick verfalle und flüchte. Und ja, ich wies explizit auf meine Behinderung bereits im Anschreiben hin und reichte auch den Schwerbehindertenausweis als Nachweis ein.

Ich habe immer noch ernsthaft Angst, dass sich dieser Reinfall, den ich längst nicht überstanden habe, wieder traumaartig bei mir manifestiert und ich dadurch in zukünftigen Bewerbungssituationen mir selbst im Weg stehe.

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Autismus und Socialmedia: Ambivalenzen und ständige Trigger

Ich muss gestehen, dass Socialmedia für mich immer DER Rückzugsort war, wenn das Reallife mich überforderte, wenn die menschliche Interaktion, die face-to-face Kommunikation mich überreizte und es mir nicht mehr möglich war, die Handlungen des Gegenübers zu verstehen oder ich generell in Phasen war, in denen ich jedweden sozialen Kontakt generell vermied.

Socialmedia war für mich immer ein Ort der Stille, in den ich hinabtauchen konnte, wenn die Welt da draußen mich überforderte. Die Interaktion fand statt, ohne drüber nachdenken zu müssen, wie ich auf andere wirke, ohne dass ich mir selbst großartige Gedanken um das Handeln anderer Personen oder meiner Interaktionspartner machen musste. Kurzum es funktionierte und brachte mir den Funken Normalität, den ich mir so oft im sozialen Umgang im Reallife auch wünschte.

Mit dieser Haltung stehe ich auch heute noch dem Thema Socialmedia gegenüber und bin daher ein intensiver Nutzer vieler Dienste. Doch merke ich, dass sich die Dinge grundlegend änderten. Ist es mein Anspruch an die virtuelle Kommunikation als solche oder hat sich die Kommunikation und Interaktion im Netz einfach so sehr verändert, dass ich sie nicht mehr verstehe?

Ich muss dazu sagen, dass ich in Sachen Socialmedia schon fast ein Dinosaurier bin und das Netz als intensives Kommunikationsmedium nutzte, weit bevor es Socialmedia, wie wir es heute kennen, gab. Vor zwanzig Jahren nutzte ich exzessiv ICQ und IRC und liebte es damals, Menschen virtuell kennenzulernen – etwas, das mir im echten Leben fernab des Internets nie gelang, wonach ich mich jedoch immer sehr sehnte, mir jedoch verwehrt blieb.

Damals war die Userschaft im Netz noch etwas spezieller. Vor allem auf Plattformen (auch wenn Plattform hier technisch nicht korrekt ist, bleibe ich der Einfachheit bei diesem Begriff), wie dem IRC traf man eher auf Nerds und technikaffine Freaks, Gamer und Menschen wie mich, die ihre sozialen Einschränkungen im Offlineleben durch ihre Aktivitäten im Netz erfolgreich kompensieren konnten und somit das Internet als einziges Ventil zur sozialen Außenwelt nutzten, weil sie dort normal sein konnten. Es bildeten sich eingeschworene Gruppen, aus denen gar Freundschaften hervorgingen, die später teils sogar in die Offlinewelt übergingen, Menschen mit denen man Interessen teilte und gemeinsamen Freizeitaktivitäten nachging; Menschen, die man wahrscheinlich ohne das Medium Internet nie kennengelernt hätte.

Das Ganze zog sich hin bis die ersten Socialmedia- und Web 2.0- Angebote auftauchten (aus diesem Grunde bin war ich übrigens seit 2007 Twitternutzer). Die Interaktion war einfach eine Selbstverständlichkeit. Sogar für mich war es etwas, über das ich nicht groß nachdenken musste, das mir einfach gelang. Man kam in Kontakt, wurde respektiert und akzeptiert. Aus dieser Zeit nehme ich die einzigen, wenigen Erfahrungen mit, in denen mir das Kennenlernen von fremden Menschen leicht fiel, sogar Freude bereitete – weil es eben nur rein online stattfand und der Umgangston, das komplette Gebaren im Netz, noch ganz anders war.

Heute fühle ich mich wie jemand, der aus einer anderen Zeit kommt, jemand der aus einem Koma erwachte und die Gegenwart nicht mehr versteht, jemand, sich auf Portalen/Apps anmeldet und mit der selben Attitüde an die Sache herangeht, die vor 15-20 Jahren für mich erfolgreich war. Für mich ist Socialmedia (stellvertretend für Kommunikation/Interaktion und dem Kennenlernen von Gleichgesinnten übers Netz im Allgemeinen) immer noch dieses leichtgängige Etwas, das schon fast sentimentale Erinnerungen und Sehnsüchte in mir weckt, ich wünsche es mir zumindest, aber die Realität sieht mittlerweile anders aus.

Socialmedia hat für mich längst nicht mehr den Charakter eines sicheren Rückzugsortes, in dem auch ein sozial völlig verkrüppelter Autist funktionieren kann und anerkannt wird, in dem man eintauchte und irgendwie mit völlig fremden Menschen sowas wie eine Freundschaft aufbaute, im Gegenteil: Socialmedia ist für mich heute einer der größten Trigger mit einer Tragweite, die weit in meinen Alltag hineinreicht. Subjektiv assoziiere ich Socialmedia heute eher mit negativen Worten und Erfahrungen wie: Egoismus, Narzissmus, Neid, Missgunst, Ignoranz, Konkurrenzdenken, Lügen, Stutenbissigkeit, Überreizung, Anschuldigungen, Oberflächlichkeit und anderen Dingen, die Energie rauben.

Okay..

Eigentlich wollte ich nur meine Gedanken zum Thema Instagramgepflogenheiten aus der Sicht eines Autisten loswerden und nun sinniere ich hier völlig abgedriftet über sämtliche Trigger, die mich an Socialmedia stören. Angefangen hat alles, weil ich mich nicht komplett auf diesen Text konzentrierte, sondern nebenbei (mal wieder) einen Shitstorm auf Facebook losgetrieben habe. Das wäre nun wieder ein Thema für einen anderen Artikel, daher möchte ich da nun auch nicht weiter drauf eingehen, sonst steigere ich mich zu sehr hinein und der Tag endet wieder mit schlechter Laune.

Ich versuche, den Faden wieder zu finden..

Ich öffne meine Apps und rege mich auf. Egal ob über User, den Diensten als solche, deren Algorithmen, Inhalte, die User bereitstellen. Ich rege mich oftmals so sehr auf, dass ich diese Wut in meinen Alltag hineinbringe und alles Unmittelbare aus dem Gleichgewicht gerät. Völlig egal, ob einer der oben genannten Trigger ausschlaggebend war oder ob es einfach das Unverständnis ist, das das (womöglich nicht einmal bewusste) Verhalten anderer bei mir provoziert.

Akut sind es wieder einmal diverse Gepflogenheiten auf Instagram und Facebook, die bei mir Unverständnis hervorrufen, die mich dazu bringen, überhaupt einen solchen Text zu schreiben. Was mir als ambitionierter Hobbyfotograf mit hohen Maßstäben an seinen eigenen Output immer wieder auffällt ist, dass oftmals nur die Werke Aufmerksamkeit erhalten, deren Urheber am lautesten schreien – ungeachtet der Qualität der Beiträge. In vielen Fotogruppen oder auf Instagram werden technisch völlig inadäquate Bilder hochgelobt, während wirklich technisch perfekte Aufnahmen untergehen. Ich spreche selten von Perfektion, da ich alles bin, nur nicht perfekt. Allerdings beziehe ich mich nur auf die handwerklichen Aspekte, deren Ausführung man tatsächlich objektiv bewerten kann. Ich würde mir nicht anmaßen, Punkte als perfekt zu bezeichnen, die der subjektiven Wahrnehmung unterliegen.

Allerdings ist mir auch bewusst, dass die Reichweite künstlich durch Algorithmen gesteuert werden und vieles einfach im Äther untergeht. Es herrscht einfach ein Überschuss an Inhalten im Netz. Doch genau dies ist wieder ein Punkt, der mich jedes Mal aufs Neue beschäftigt. Mittlerweile versuche ich dem Algorithmus ein Schnippchen zu schlagen und sorge selbst dafür, dass man mich sieht, in dem ich eifrig kommentiere und einiges an Zeit investiere, um Interaktion mit anderen Usern zu gestalten, um KONTAKTE ZU KNÜPFEN. Doch wofür das ganze? Und jetzt kommt etwas, was ich wirklich schade finde: Für nichts. Es scheint viele User nicht zu interessieren ob man ihnen folgt, ihre Beiträge kommentiert, mit ihnen Interagiert. Man wird einfach ignoriert. Ein Phänomen, das allerdings in der Bubble der Fotografieanhängern häufig vorkommt. Man ist zwar gut darin, Lob zu kassieren, will aber selten selbst aktiv werden und Feedback austeilen oder Beiträge zu liken – es könnten ja mehr likes sein als man selber hat. Folgen? Auch ein heißes Thema. Trotz identischer Themenbubble und ähnlicher Beiträge, scheint man sich einen Zacken aus der Krone zu brechen, wenn man auf “Auch folgen” clickt. Socialmedia besteht mittlerweile scheinbar nur noch aus oberflächlichen Narzissten, Egomanen und Nichtgönnern. Gerade die Bubble der Hobbyfotografen ist voll von solchen Subjekten.

Ich messe hier wahrscheinlich mit falschen Maßstäben, nämlich mit meinen. Wenn mir neue Leute folgen (egal auf welcher Plattform), freue ich mich, sehe mir ihre Profile an, hinterlasse Kommentare und Interaktionen und folge ihnen zurück, wenn ich merke, dass da gegenseitiges Interesse an den Beiträgen besteht. Leider erwarte ich zu häufig, dass Menschen so uneigennützig denken und handeln, wie ich es mache, doch damit grabe ich mir jedes Mal ein neues Fettnäpfchen.

Ich mag nicht über die Gründe dieser Empfindung urteilen, da ich nur vermuten kann, weshalb die Dinge im Bezug auf meine eigene Interneterfahrung (OMG, ich schreibe dieses Wort wirklich!) mittlerweile so völlig anders sind im Vergleich zu früher. Folgend nun drei Thesen:

  • es liegt an mir, da ich mich geändert habe mit einer falschen Erwartungshaltung an die Sache heran gehe und nicht mehr mit den heutigen Standards der Kommunikation mithalten kann. Ich habe zu hohe Ansprüche und Erwartungen, meine eigene Reizschwelle ist mittlerweile gesunken
  • es liegt daran, dass das Internet längst nicht mehr der Treffpunkt der Geeks und Nerds ist, sondern die Normalos die breite Masse stellen. Eben jene, mit denen ich damals schon nicht klar kam.
  • Die Sozialkompetenz ist bei den heutigen Usern einfach noch mangelhafter

Auf diese Thesen möchte ich nun nicht im Detail eingehen. Es handelt sich um Erklärungsversuche, die ich für mich selbst zurechtgelegt habe.

Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Ich will einfach nur Kontakt zu Gleichgesinnten aufbauen, mit denen man offenbar Interessen teilt, um sich auszutauschen und zu fachsimpeln. Mir ist es tatsächlich egal, wieviele Likes oder Follower ich habe, doch es stört mich diese Gleichgültigkeit, diese Ignoranz. Es vermittelt mir das Gefühl, dass ich mittlerweile selbst im Netz zu Unfähig bin, Kontakte zu knüpfen.

Und da beginnt der Teufelskreis: Entmutigt durch oben genannte Situationen betrachte ich Socialmedia mittlerweile voller Verbitterung, habe oftmals gar keine Kraft, mich mit anderen Dingen außer meinen eigenen Posts auseinanderzusetzen. Das bekommen dann die wenigen Leute zu spüren, die tatsächlich mit mir kommunizieren wollen.

Hier komme ich nämlich zu der im Titel erwähnten Ambivalenz. Auf der einen Seite wünsche ich mir Kontakte zu anderen Menschen, möchte Kontakte knüpfen, wie ich es vor 15-20 Jahren im Netz machte, auf der anderen Seite bin ich durch diese vielen Punkte, die ich im Text ansprach, völlig überreizt und kraftlos, um überhaupt Kontakte zu pflegen. Das bekommen alte Freunde von mir gleichermaßen zu spüren, wie langjährige Onlinekontakte, die mir zum Geburtstag gratulierten, die mir ausführliche Nachrichten schreiben, die sich generell oft melden und von mir eiskalt ignoriert werden.

Es tut mir leid, ich wünschte mir, ich könnte die Kraft aufbringen, mich um all diese Kontakte zu kümmern, aber es gelingt mir schon seit Monaten nicht. Immer noch ruhen unbeantwortete Geburstagsglückwünsche von Mitte September im Posteingang. Egal auf welcher Plattform: Ich habe einen massiven Rückstau im Beantworten von Nachrichten und befasse mich stattdessen damit, von Leuten beachtet zu werden, denen es völlig gleichgültig ist.

Das wiederum mag widersprüchlich klingen, zumal ich sehr aktiv bin und nahezu täglich Beiträge verfasse. Das Posten ist für mich immer noch ein Ventil, aber eben eine Einbahnstraße. Sobald es zur tieferen Kommunikation kommt, schalte ich aus.

Mir fehlen langsam die Worte, daher komme ich nun zur Quintessenz meiner Gedanken. Plakativ ausgedrückt: Socialmedia ist autistenfeindlich. Zumindest für jene, die Socialmedia so nutzen, wie ich es mache und tatsächlich den Fokus auf “Social” legen. Ich bin zwar wegen meiner sozialen Defizite stark eingeschränkt und habe allein dafür meinen GdB 60, doch schaffte ich es immerhin früher, im Netz normal unterwegs zu sein, ohne dass es mich nachhaltig belastet. Und das belastet.

Eigentlich bin ich mir im Klaren darüber, dass nur ich das Problem lösen kann. Ich muss “drüber stehen”, dem Thema Socialmedia keine so hohe Priorität einräumen, aber es ist nunmal mehr. Die Inhalte, die ich poste, sind ein Teil von mir und meinen Spezialinteressen. Ich wünsche mir nur etwas Gehör bei Menschen die diese Themen genau so leben, wie ich…

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Gedanken zum Thema psychische Gesundheit anlässlich des “mental health awareness day”

In dieser Woche fand der weltweite mental health awareness Tag statt – ein Tag, um auf psychische Erkrankungen und deren Auswirkungen aufmerksam zu machen. Denn gerade nicht sichtbare Krankheiten und Behinderungen werden immer noch von vielen Menschen als Faulheit, Dummheit Unwille oder Unfähigkeit abgestempelt, Betroffene nur zu oft in ein entsprechendes Klischee einsortiert, ohne die Hintergründe und Umstände einer Situation zu kennen.

Meine Reise durch diese Kontroverse der eigenen psychischen Abgründe dauert nun schon seit meiner Jugend an und prägte mein ganzes Leben. Die Einsicht, den Umstand als Krankheit zu bezeichnen, kam leider erst sehr spät in meinen Zwanzigern.

“Stell dich nicht so an”, lass das Gejammer sein”, “Heule nicht herum”, “sei ein Mann”, “musst du eigentlich immer anecken?”: Nur wenige, aber prägende, Beispiele, die man regelmäßig zu hören und lesen bekommt, wenn man das Thema Depression offen kommuniziert.

Ich selbst fand mich sogar mal in dieser Position wieder, jemandem mit lebenseinschränkenden psychischen Leiden ernsthaft klar machen zu wollen, dass Therapien und ein starker Wille immer zum Ziel führen und man manchmal einfach “aus dem Quark kommen muss”. Ganz ehrlich? Ein Satz, wie man ihn häufig zu hören bekommt, der von vielen scheinbar als Allheilmittel gegen Depressionen und Artverwandtes angesehen wird. Doch Sätze wie dieser sind der Grund, weshalb auf psychische Erkrankungen immer noch aktiv aufmerksam gemacht werden muss, solang sie nicht gesellschaftlich akzeptiert sind. Für mich ist klar – und so wurde mir in den letzten Jahren meiner Reise bewusst: ich schäme mich, jemals einer Person einen solchen Satz gesagt zu haben. Er ist anmaßend, überheblich, arrogant und zeugt von eklatanten Wissenslücken über psychische Erkrankungen und dem massiven Unwillen, sich mit der psychischen Gesundheit einer anderen Person auseinander zu setzen – was man eigentlich machen sollte, wenn man eben jene Person zu seinem Bekannten- oder gar Freundeskreis zählen will.

Doch bin ich eben so aufgewachsen und lernte es nicht anders: Depressionen wurden in meinem Umfeld – teils sogar in der eigenen Familie – nur zu oft als “Wehwehchen” menopausierender, arbeitsloser Hausfrauen abgetan, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Im besten Falle wurde das Thema einfach totgeschwiegen oder jedwede Gesprächsversuche über die psychische Gesundheit im familiären Umfeld mit Zorn im Keim erstickt. Klar, dass man sich selbst der Realität verwehrt, wenn man plötzlich in sich geht und einem bewusst wird, dass man genau diese Symptome an sich seit Ewigkeiten wahrnimmt. Meine Erkenntnis glich damals einem coming out – zumindest soweit, wie ich mir als heterosexueller Mann anmaßen kann, diese Wortwahl verwenden zu dürfen.

Die Reise durch die psychischen Abgründe meiner selbst begann eigentlich schon in der Kindheit, schränkte mich aber erst seit der Jugend wirklich ein und brauchte Jahre, um ausgesprochen zu werden.

Letztes Jahr kam – mit damals noch 36 Jahren – nach über 20 Jahren des Leidens und immer größer werdender, akuter Suizidalität nun die offizielle Diagnose “rezidivierende Depression” hinzu – jedoch, so bin ich überzeugt, als Symptom jahrzehntelangen Maskings aufgrund des viel zu spät diagnostizierten Aspergersyndroms. Sich sein Leben zu verstellen, um als normal angesehen zu werden und nicht aufzufallen, ist wie ein ewigwährender Marathon ohne Pause, ohne Schlaf, immer auf 180: ständig versuchen, unterm Radar zu bleiben, nicht als sonderbar angesehen zu werden und gesellschaftliche Ziele zu erreichen, die einfach nicht erreichbar sind.

Antidepressiva (davon habe ich rund ein Dutzend durch) wirken bei mir nicht, wie sie sollen, jahrelange Psychotherapie im verschiedensten Ausprägungen und zuletzt ein mehrmonatiger Klinikaufenthalt im letzten Jahr waren auch nicht zielführend. Letzterer eher kontraproduktiv, weil man mich ständig mit meiner Andersartigkeit und Unangepasstheit konfrontiert. Einzig die Bestätigung der eben genannten Diagnose rezidivierende Depression war der einzige Benefit, den ich für mich persönlich aus diesem Klinikaufenthalt mitnahm.

Nun war meine einzige und für mich letzte Lösung, mein – eh schon immer weniger – lebenswertes und selbstständiges Leben aufzugeben und mit 37 wieder ins Elternhaus zu ziehen, um irgendwie wieder mental mit mir selbst im Reinen zu sein und wieder lernen, zu funktionieren. Selbst Kleinigkeiten, wie überhaupt erstmal das Bett zu verlassen, sich zu duschen und zu rasieren, seine Wäsche nicht wahllos in die Ecke zu werfen, sondern zu sortieren, sind manchmal riesige Erfolge – an manchen Tagen sogar die einzigen, zu denen ich im Stande bin.. Wenn überhaupt. Das sind verdammt kleine Schritte und ich habe keine Ahnung, wohin mich dieser Weg führt, aber die Panik, irgendwo in einem anderen Bundesland völlig einsam im seinen eigenen Müll dahin zu vegetieren und sich unaufhaltsam den Tod herbei zu wünschen, ist erstmal vom Tisch.

Manchmal hat man einfach die Arschkarte im Leben gezogen. Depressionen und psychische Erkrankungen im Allgemeinen müssen in dieser Gesellschaft endlich sichtbarer werden und diese Banalisierung, die leider immer noch in vielen Köpfen zu finden ist, muss endlich aufhören! Man ist kein schlechter Mensch oder Mensch zweiter Klasse, weil man eben nicht so funktioniert, wie es der kapitalistisch leistungsorientierte gesellschaftliche Konsens von einem verlangt.

Depressionen haben viele Ursachen, sind individuell wie die betroffene Person und äußern sich in mannigfaltigen Ausprägungen. Doch eines ist ihnen immer gemein: Depressionen sind eine potentiell tödliche Erkrankung, die nicht nur den Betroffenen, sondern sein komplettes Umfeld belasten.

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Ich will endlich wieder arbeiten..

Die zermürbende Erkenntnis: Auf die aktuellen Initiativbewerbungen gab’s bislang auch keinerlei Reaktion. Jahrgangsbester in der Gesellenprüfung 2017 (sogar mit Erwähnung in der Rheinischen Post), im Anschluss das Abi im zweiten Bildungsweg als Jahrgangsbester abgelegt. Was dann folgte, war ein nutzloses Studium ohne Abschluss. Völlig konträr zu den davor erbrachten Leistungen und meinem Intellekt. Denn der Stoff war einfach, nahezu banal. Es lag definitiv nicht an mir und meinen geistigen Fähigkeiten – wie manche Stimmen gern behaupteten. Dennoch ist das offensichtlich das Argument, das jegliche vorher erbrachten Qualifikation für potentielle Arbeitgeber so irrelevant erscheinen lässt, dass man es nichtmal für nötig erachtet, auf meine Bewerbungen zu reagieren.

Im einzigen Bewerbungsgespräch, das ich seit April hatte, stilisierte man nämlich dieses verkackte Studium zum Mittelpunkt des ganzen Gespräches. Die vorgelegten Nachweise und Zeugnisse über mein Leben vor dem Studium fanden keinerlei Erwähnung, mein Wissen und der Enthusiasmus über Pflanzen und Botanik wurden auch ignoriert. Oder ist es der Schwerbehindertenausweis, der mich direkt durchs Raster fallen lässt? Die Einstellung eines Menschen mit Schwerbehindertenausweis wird vom IFD mit bis zu 25000 Euro bezuschusst, um mögliche Einschränkungen durch die Behinderung für den Betrieb zu kompensieren, bzw den Arbeitsplatz behindertengerecht auszustatten und das Thema Schwerbehindertenausweis sollte im Jahr 2023 wirklich kein Problem mehr darstellen! Würden sich die Herren Chefs auch nur einmal dazu herablassen, mich zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, wären mögliche Bedenken über Vorurteile sowieso direkt vom Tisch. Ich bin Asperger-Autist nicht bewegungsunfähig oder geistig eingeschränkt.

Mittlerweile bin ich verzweifelt und frustriert, wütend und enttäuscht. Ich will nur wieder als Zierpflanzengärtner arbeiten, aber offensichtlich erscheine ich potentiellen Arbeitgebern als ungeeignet, zu wenig qualifiziert für diesen – pardon für diese direkte Formulierung – nicht sonderlich anspruchsvollen Beruf, zu dessen Ausbildung ein Hauptschulabschluss ausreicht. Ich rede hier vom Beruf des Gärtners! Ich bin Gärtner, kein Arzt oder Kernphysiker und will auch wieder als Gärtner arbeiten! Das nachdem ich so lange darauf hinarbeitete, mein Hobby zum Beruf zu machen, deshalb extra das Abi im zweiten Bildungsweg nachholte, um studieren zu dürfen – wenn das mal nicht von purer Motivation spricht, weiß ich auch nicht, was in den Köpfen der Betriebe vor sich geht..

Alle reden ständig vom Fachkräftemangel, aber sie weigern sich, eine Fachkraft einzustellen! Pflanzen begleiten mich seit Kindergartentagen. Eine Umschulung kommt nicht in Frage. Niemals! Das käme einer Aufgabe meiner eigenen Identität gleich.

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Fortsetzung: ständige Anrufe trotz Hinweis, dass man nicht telefoniert..

Aufgrund einer Anfrage, die ich schriftlich via Supportpostfach im Onlinebanking der Sparkasse Gelsenkirchen stellte, wurde ich mehrfach angerufen.

Auf meine schriftliche Antwort, die ich mit mit folgenden Worten beendete:

“Da ich Autist bin, bevorzuge ich die schriftliche Kommunikation, kann aber alternativ persönlich in der Filiale vorbeischauen. Bitte rufen Sie mich nicht an.”

kam folgende Reaktion:

“vielen Dank für Ihre Nachricht. Leider konnte ich Sie telefonisch nicht erreichen.Gern kümmern wir uns um Ihre Anfrage, würden den Sachverhalt allerdings gern mit Ihnen telefonisch durchgehen.”

Was zum Teufel ist so schwer daran, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die nicht telefonieren? Ich habe meinen Schwerbehindertenausweis nicht im Lotto gewonnen oder besitze ihn, weil er so cool ist, sondern wegen erheblicher Einschränkungen im sozialen Bereich, insbesondere in der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Ich fragte extra, ob ich persönlich vorbeikommen sollte, worauf man in keinem Wort einging, stattdessen weiterhin am Telefonat festhielt. Eben antwortete ich erneut stoisch auf den besagten Mailverlauf. Darin nochmals folgende Zeilen:

“Ich bitte Sie nochmal: Rufen Sie mich bitte NICHT an, ich bin Autist und telefoniere NICHT! Antworten Sie mir bitte schriftlich, ob sich das Problem akut lösen lässt oder ob ich in einer Filiale vorbeischauen soll.”

Ich wette beim Leben meiner Pflanzen darauf, dass ich morgen wieder entgangene Anrufe der Sparkasse Gelsenkirchen auf dem Handy habe und eine Mail mit der Info, dass man mich leider telefonisch nicht erreicht – ohne auch nur annähernd auf meine Frage und Bitte eingegangen zu sein..

Wenn das der Fall sein sollte, leite ich den Sachverhalt direkt an diverse Autismus- und Inklusionsvereine, den WDR und die WAZ weiter. Es kann nicht sein, dass man sich so über die Bitte nach schriftlicher Kommunikation aufgrund von Autismus hinwegsetzt.

Verlangt man von einem Gelähmten etwa auch, dass er auf einen Baum klettern soll?

Exakt das gleiche Spiel wie vor ein paar Wochen mit meinem ehemaligen Internetanbieter Osnatel

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