„Ist der immer so?“

Als wäre es nicht schon anstrengend genug, als erwachsener Asperger im zweiten Bildungsweg das Abi nachzumachen, gab es heute eine „offene Gesprächsrunde“ mit dem Schullleiter. Theoretisch halb so schlimm und interessant, hätte der Typ nicht hartnäckigst auf meinen Verhaltensweisen herumgeritten und mich als arrogant bezeichnet, weil ich ihm nicht in die Augen blickte.

Bei der obligatorischen Anwesenheitskontrolle pickte er sich jeden Namen heraus und stellte irgendwelche Fragen, die ihm just in den Sinn kamen. Fragen zur Namensherkunft, Fragen zu Zukunftsplänen etc. Ich weiss gar nicht mehr, was er mich fragte, jedoch verstand er nicht auf anhieb, was ich sagte, äffte mich nach und fragte vor der gesamten Klasse: „Hat das irgendjemand verstanden?“. Als das „Ja“ aus der Menge ihn verwunderte, verwickelte er mich weiter ins Gespräch. Da ich momentan nicht wirklich bei der Sache bin und mich sehr viele Gedanken plagen, bin ich aktuell mal wieder etwas „seltsam“. Kurzum: Ich antwortete, blickte ihn für den Bruchteil einer Sekunde an und senkte meinen Blick erneut auf meinen Tisch. Ich war wie eingefroren.

Mir war, als erkannte ich die Zornesröte in seinem Gesicht emporsteigen. Als wäre die erste Verhöhnung nicht längst genug gewesen, fragte er nun alle anwesenden Leute: „Ist der immer so?“, ohne Rücksicht auf meine Anwesenheit zu nehmen.

Er ließ nicht locker, hatte gefallen dran gefunden, mich in jedweder Hinsicht zu verballhornen. Ich wollte einfach nur meine Pflicht erledigen und hoffte, dass es endlich endete und er seine Aufmerksamkeit einem anderen schenkte. Falsch gedacht. Meine Aufnahmefähigkeit riss ab. Selbstschutz. Ich begann innerlich zu fliehen, rannte los. War wie gefesselt. Saß da und war wieder in der Klasse. Als meine Gedanken wieder bereit waren, sich der Situation zu stellen, ein zynischer Kommentar zu „arroganten Menschen“, wie ich einer sei. Mir stockte die Sprache, ich war machtlos. Hätte ihm am liebsten meinen SbA hingeknallt und ihn zur Sau gemacht.

Später bemerkte ich via Whatsapp, wie sich Leute aus der Klasse über sein Verhalten abfälligst äußerten und mir verbal den Rücken stärkten. Ich war beschämt. Solch eine Schwäche zeigte ich schon lang nicht mehr..

Momentan wird mir alles zu viel. Mein Gehirn rennt, kommt nicht zur Ruhe. Körperlich anwesend, geistig in anderen Sphären. Mittlerweile habe ich einen neuen Termin für das just abgesagte Erstgespräch der Autismustherapie. Noch zwei Wochen. In der selben Woche, in der ich endlich auch die Termine bei meinen bekannten Ärzten habe. Sollte ich nicht bald Wege finden, meine jetzige Situation in den Griff zu bekommen, habe ich ein großes Problem.

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