Resümee: November.

Mittlerweile ist die Fassungslosigkeit und Trauer der Wut gewichen. Die Gedanken sind gefasst und die Enttäuschung tat ihr bestes. Letztendlich ist Enttäuschung nur ein Akt, sich der Täuschung zu entledigen, der man lange Zeit erlegen war. Das Ergebnis: akzeptieren, reflektieren, realisieren. Wobei Akzeptanz immer wieder mit Kompromissen und Eingeständnissen einhergeht, mit denen man sich selbst als schwaches Glied dieser Kette offenbart. Ich akzeptierte in der Ohnmacht meiner Trauer den Verlust eines scheinbar liebenden Menschen, reflektierte mit der Enttäuschung und realisierte, dass diese Liebe nur noch ein Hirngespinst meiner selbst war, mich selbst in Hoffnung und Zuversicht suhlend, blindlings etwas nachzueifern, was schon lange nicht mehr existierte.

Ich hatte längst die Rolle des Hassobjektes eingenommen, fand mich scheinbar selbstlos damit ab, um ihr alles recht zu machen. Doch schüttete ich damit weiterhin Öl ins Feuer und erreichte genau das Gegenteil von dem, was ich mir vorstellte: Ich wurde beleidigt, als rückgratlos, als Memme, als Lappen bezeichnet. Mein Verhalten, nicht anecken zu wollen um der Person, von der ich glaubte, dass sie mich liebte, möglichst keine Last zu sein, wurde letztendlich als „feiges Kuschen“ bezeichnet. Selbst vor ihren Eltern nahm sie kein Blatt mehr vor dem Mund und bezeichnete mich immer öfter als Idiot, gar Vollidiot.

Ich hätte die Trennung von vornerein als Geschenk sehen sollen. Nein: Ich hätte diesen Schritt selber gehen müssen. Schon viel, viel eher, statt dieser Person auch nur eine Träne hinterherheulen zu sollen!

Wer nach 5 1/2 Jahren erst zu dem Schluss kommt, dass die Beziehung mit einem Asperger-Autisten nunmal anders verläuft, und dass ein Aspie im Bezug auf sozialer Interaktion nunmal unkonventionell agiert, handelt egoistisch und sadistisch, eine Beziehung unter gegebenen Fakten mir nichts, dir nichts mit fadenscheinigen Argumenten zu beenden.

Letztendlich diente ich nur noch als Sündenbock. War das Krebsgeschwür, das sie einschränkte, gar ihre Gesundheit belastete. Ich nahm es in Kauf gekniffen, in den Haaren gezogen und getreten zu werden. Aus Rücksicht vor einer fragilen Persönlichkeit, die ich mit meinem Aspergerverhalten nicht weiter strapazieren sollte. Doch als Sätze fielen wie „ich muss mich an dir rächen, du hast mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin, ich muss dir wehtun, dich kneifen„, hätte mir ein Licht aufgehen sollen. Ich war viel zu sehr in diesem Uhrwerk integriert, als dass ein Schlussstrich meinerseits jemals eine plausible Lösung für mich dargestellt hätte.

Ich trug die Schuld an ihrem Verhalten, an ihren Allergien, an ihren psychischen Ausfällen. Nur ich war es, der Fehler machte. Ich schaltete aus Faulheit nicht rechtzeitig in den nächsttieferen Gang und der Wagen begann zu blubbern: „Kannst du nicht Auto fahren? Hast du alles wieder verlernt? Bist du wieder in deiner Welt gefangen?“. Der Wagen machte laute Fahrgeräusche, die vom Fahrbahngrund her rührten: dito. Ich drehte mich um meine eigene Achse, ich hatte Entscheidungsschwierigkeiten, ich erzählte Fakten zu Dingen, die uns im Alltag begegneten, ich war einfach nur ich.. und wurde jedes Mal auf’s Neue beleidigt.

Ich war es, für den man sich rechtfertigen musste, ich war der Grund, weshalb sie sich vom sozialen Leben immer mehr zurückzog. Ich war einfach Schuld an allem. Ich war sogar Schuld an der Tatsache, dass sie mit meinem Freundeskreis nie richtig warm wurde. „Wenn man in eine Beziehung geht, verschmelzen die Freundeskreise beider Partner“ war ihre Ansicht. Da diese Person jedoch so dermaßen vorurteilsbehaftet und voreingenommen war, das absolut jeder in ihren Augen in irgendeiner Art eine Macke hatte, stand dies jedoch nie zur Option. Letztendlich war dies aber auch ein Argument das im Trennungsgespräch betont wurde. Danke.

Zwei Wochen nach der Trennung verschlug es mich nach Berlin. Ich schickte ihr Postkarten und Bilder, die ich eine Woche vor der Trennung noch von ihr machte. Mein Fehler: Die Postkarten beschriftete ich mit „Ich vermisse dich, du fehlst mir, ich liebe dich„. Die Reaktion war dementsprechend. Ich wurde verbal angegriffen; Absolut unpassende Worte.. Sie liebt mich nicht. Wie konnte ich es nur wagen, dieser Furie meine Liebe entgegenzubringen.

Sie wolle wieder glücklich werden und hätte viel „nachzuholen“.

Ein solcher Mensch hat meine Liebe nicht verdient. Ich kann kotzen. Einfach nur kotzen, dass ich nicht viel eher aufgewacht bin und den Schritt zuerst ging.

Hauptsache sie lag mir am Tag der Trennung noch heulend in den Armen und schluchzte „Meld dich bitte mal“ ins Ohr..

Jetzt frage ich mich: Wer ist hier der gestörte? Ich, der Aspie, der null Empathie besitzt und möglichst darauf getrimmt ist, das Uhrwerk geschmeidig am Laufen zu halten, oder die Neurotypische, vermeintlich psychisch unauffällige Person, die mich des Psychoterrors bezichtigt, selbst aber handelte, wie der Elefant im Porzellanladen?

So traurig ich bin, aber Ich bin frei. Auch ich habe ein Recht, wieder glücklich zu werden.

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Reflexion einer Misere

Mittlerweile liegt die Trennung drei Wochen zurück und ich schaffe es wieder, so langsam klare Gedanken zu fassen und die ganze Situation zu reflektieren.

Wie kann man einen Menschen, den man sechs Jahre kannte und fünfeinhalb Jahre an seiner Seite hatte, von jetzt auf gleich abschieben? Ihm alle Ablehnung entgegenbringen, die man sich nur vorstellen kann? Ich möchte gar nicht wissen, welch Abneigung sich nun angestaut hat, damit eine derartige Entscheidung so leicht ausgesprochen werden kann.

Ich bin kein Opfer der Trennung, ich bin der Grund.

Harter Tobak, wenn man versucht, es ständig allen Recht zu machen, aber dennoch irgendwie nicht das erreicht, was das Gegenüber sich vorstellt. Mittlerweile bin ich jedoch an einem Punkt angelangt, an dem ich die Trennung als eben solche sehe und auch für mich den finalen Schlussstrich gezogen habe. Das Vertrauen ist hinüber, die Hoffnung weg. Wie lange wurde ich belogen? Wie lange wurde ich schon nicht mehr geliebt?

Wozu etwas hinterhertrauen, was nicht mehr ist.

Retrospektiv betrachtet, fallen mir auch mittlerweile immer mehr Punkte auf, die in einer gesunden Beziehung einfach nie hätten sein dürfen. Wenn jemand starr und fest behauptet, eine Mutterrolle eingenommen zu haben, nur weil die Liebe, die man für diese Person empfand, einen dazu brachte, sein Leben komplett zu ändern, ist das nicht nur ein Unding, sondern Arrogant und Egozentrisch und verletzend, dem gegenüber, der durch die Liebe den Anlauf fand, sich zu entwickeln. Statt Anerkennung folgte nur noch Ablehnung. Von der Mutterrolle oder auch die Rolle des Therapeuten wurde gesprochen, ich als Marionette bezeichnet, die nur in Abhängigkeit von dieser Person existieren könne.

In den letzten beiden Jahren habe ich es erduldet, mich beschimpfen zu lassen, mit den Launen einer unberechenbaren Furie klarzukommen, die für jeden Fehltritt meinerseits – sei er auch noch so klein – ein Fass öffnete und mich als Idiot darstellte. Habe ich nicht rechtzeitig heruntergeschaltet, zu stark gebremst, zu langsam aufgeräumt, zu viele Fakten erzählt – oder auch einfach nur gegrübelt – war ich der Idiot, der nichts auf die Reihe bekommt und mal wieder in seiner eigenen Welt lebt.

Im letzten Jahr der Beziehung kamen körperliche Übergriffe hinzu, die man eher in das erste Kindergartenjahr einsortiert hätte, statt in die Beziehung zweier erwachsener Menschen; Kneifen und Beißen. Ersteres in Verbindung mit einem grenzdebilen, grotesken „ich muss mich rächen, du machst mein Leben kaputt“, unterlegt mit einem clownartigen Gelächter. Spätestens, als mein Körper von vielen blauen Flecken vom ständigen Kneifen übersät war, hätte ich zuerst die Reißleine ziehen müssen und merken sollen, dass dieses Verhalten eben keine Form der Liebkosung, sondern eine abgrundtiefe Verachtung darstellte.

Ich hatte schon lange den Wunsch, die Ketten zu sprengen, doch konnte ich mir das nicht eingestehen. Die Angst vor der Trauer, der Einsamkeit, dem Neuanfang und dem Kennenlernen fremder Menschen ließ mich jedoch immer erdulden, was mich innerlich zerstörte. Klar, die Liebe war da. Unbestritten konnte ich dies auch mit meinem Gewissen vereinbaren, dass ich diese Person als Seelenverwandte absolut und uneingeschränkt liebte und ich über viele Missständer duldend hinwegblickte. Auch wenn ich das als Autist sicher nicht so darstellen konnte, wie es ein Nicht-Autist sich wünscht.

Wenn ich eines nun gelernt habe: Liebe ist mehr als einen Menschen in sein Leben zu lassen, ihn als Seelenverwandten zu akzeptieren und mit ihm die kleinste, noch so banale Erfahrung zu teilen, ihn mit Nettigkeiten überhäufen, die man sonst nur für sich selbst aufwenden würde, sich diesem Menschen zu 100% hingeben und ausschließlich auf diese Person zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Liebe bedeutet aber auch nicht, jede Form der Erniedrigung zu akzeptieren, nur um dem Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen. Jedoch erweckt eben dieses Verhalten das Bild einer unselbstständigen Marionette, eines Waschlappen, den man beschimpfen kann.

Ich bin frei.

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