Das übliche Chaos zwischen Parkplatzsuche und Einkäufen.

Ich habe lang überlegt, ob ich den heutigen Beitrag zusätzlich in meiner Facebook Aspiegruppe des Vertrauens posten sollte. Einerseits erfährt man dort direktes Feedback, oftmals in sinnvoller Form, wie man es von Facebookgruppen eigentlich gar nicht gewohnt ist – andererseits überkommt es mich manchmal, meine Inhalte wieder zu löschen, wenn mich die Kommentarflut negativ triggert oder ich den Drang habe mich einfach aus der Diskussion auszuklinken. Ein relativ aspietypisches Verhalten, das jedoch kurioserweise dort nicht geduldet wird und bereits in der Vergangenheit zu Diskussionen führte.. Da diese Regelung einen schon sehr einschränkt, verzichte ich seit geraumer Zeit auf eigene Beiträge, auch wenn sie mir immer halfen, meinen Sichtweise zu einem Standpunkt zu hinterfragen. Schade!

Da ich heute einen Brückentag habe, versprach ich meiner Oma gestern, sie heute früh mit dem Auto abzuholen, um mit ihr in die Stadt zu fahren und mit ihr einzukaufen und Bankgeschäfte zu erledigen. Dort angekommen, erwartete mich das übliche Verkehrschaos in Form von Autoschlangen und Gehupe. Normalerweise kann ich solche Situationen ignorieren und fahre einfach durch – zudem drücke ich selber gern mal auf die Hupe, wenn mir etwas nicht passt, was sich vor meiner Stoßstange abspielt. Jedoch befand ich mich mitten im Getümmel und zudem auf der Suche nach einem Parkplatz. Geschlagene 20 Minuten fuhr ich durch die Innenstadt, um einen verdammten Parkplatz zu finden. Nichts. Mit jeder Minute wurde ich gereizter und aggressiver.

Während ich das fünfte Mal um den Marktplatz fuhr, fanden andere bereits Parkplätze, doch ich fuhr auch ein sechstes und siebtes Mal die selbe Strecke ohne Erfolg. Jedes Mal innerlich aggressiver, den Puls bereits am Hals spürend, den Drang, meinen Kopf aufs Lenkrad zu schlagen. Ich hatte meiner Oma versprochen, die Geschäfte mit ihr heute zu erledigen und habe mich vollkommen darauf eingestellt, dass ich sie zur Bank begleitete und anschließend in den Gemüseladen, um frischen Spargel zu kaufen. Eines habe ich jedoch nicht einkalkuliert: die Parkplatzsuche – und erst recht nicht die Tatsache, dass die Innenstadt an einem Montagmorgen so dermaßen verstopft ist.

Sollte die Fahrt in die Stadt umsonst gewesen sein? Auch sie merkte, dass ich langsam aber sicher „am Rad drehte“ und einfach nur noch „weg wolllte“. Raus aus dieser verstopften Innenstadt, in der die blechgewordene Anarchie wütete. Ich wollte raus aus dem Molloch, doch ich hatte meiner Oma etwas versprochen, das ich natürlich nicht im Sande verlaufen lassen wollte.

Glücklicherweise ergriff sie den Faden und schlug vor, zurück zu fahren, um auf dem Weg beim Supermarkt anzuhalten. Gesagt, getan. Doch auch hier erwartete mich eine ähnliche Szene, in der die Parkplatzsuche den Klimax der Handlung darstellte. Doch hatte ich hier etwas mehr Glück, als in der Innenstadt und erwische die letzte freie Parkbox.

Im Laden angekommen griff ich mir intuitiv einen kleinen Einkaufskorb, meine Oma jedoch wollte einen Wagen holen. Die Idee redete ich ihr aus und stellte den Einkaufskorb als viel praktischeres Transportmittel dar. Jedoch fiel mir erst hinterher ein, dass sie sich wahrscheinlich am Wagen aufstützen wollte und ihr das Laufen dadurch leichter fiel. Egoistisch wie ich bin, bestand ich jedoch auf meinen Einkaufskorb und raste in den Laden. Das schlechte Gewissen kam schleppend. Ich versuchte noch während des Einkaufes sie davon zu überzeugen, ihr einen Wagen zu holen. Doch sie schlug aus. Dieser Gedanke brannte sich in mein Gehirn und ich überdachte ihn in jeglichen Variationen: Weshalb war ich so blind und kam nicht vorher drauf, dass sie den Wagen vielleicht als Gehhilfe nutzen wollte? Wozu sollte man sonst einen Wagen nehmen, wenn man eh nur 3 Teile kaufen möchte? Ich fühlte mich so dermaßen dämlich und hätte mich selber in den Hintern treten können.

An der Wursttheke angekommen, wartete ich in zweiter Reihe, während meine Oma ihre Wurst kaufte. Ich beobachtete die Situation, wie ich es am besten kann: Als Außenstehender. Ich analysierte die Bedienungen und musterte jede ihrer Bewegungen. Eine Frau fiel mir besonders negativ auf: Im Gegensatz zu den anderen dreien, trug sie nur einen Gummihandschuh. Die rechte Hand war unbekleidet und griff immer wieder abwechselnd unbewusst an ihre Haare und an die Wurst, die sie aus der Auslage nahm. Mit der nackten Hand, mit der sie sich eben noch durchs Haar fuhr, ergriff sie den Kochschinken und wühlte in dem Stapel geschnittener Scheiben wie in einem Buch, in dem sie eine Seite suchte. Ich versuchte meine Oma aus dem Off ständig darauf hinzuweisen, doch sie war viel zu sehr vertieft in ihre Bestellungen und Smalltalk mit den anderen Kundinnen, die an der Theke warteten. Nachdem nun auch die zweite Wurstsorte von der Bedienung mit der ungeschützten, keimverseuchten Hand angefasst wurde, platzte mir der Kragen und ich fuhr sie lautstark an. Ich hätte am liebsten den Einkaufskorb samt Inhalt in die Wursttheke geschmissen. Sichtlich peinlich ergriffen entschuldigte sich die Bedienung, wusch sie die Hände, zog sich zwei neue Handschuh an und verpackte die Wurst erneut, während sie sich weiterhin für ihr Verhalten entschuldigte. Ich merkte gar nicht, wie sehr ich die Blicke auf mich zog, als ich das Verhalten der Bedienung als Widerlich und Ekelhaft bezeichnete. Wie selbstverständlich nahmen alle anderen Kunden es duldend hin, Wurst verpackt zu bekommen, die mit nackten Händen angefasst wurde. Ich fühlte mich in dem Augenblick sicherlich genau so schlecht, wie die Bedienung, die ich bloßstellte.

Während meine Oma weiter einkaufte, zog ich mich zurück und fühlte mich wie ein Angeklagter, der von allen Seiten angestarrt wurde. Im Auto angekommen, versuchte ich meiner Oma die Situation und den Auslöser dafür zu schildern. Sie stimmte mir zwar zu, doch fühlte ich mich immer noch seltsam.

Eigentlich ist es gar nicht meine Art, mich lautstark in der Öffentlichkeit über andere zu echauffieren. Im Augenblick tat es wirklich gut und ich fühlte mich selbstbewusst und sicher – auch wenn hinterher seltsame Schuldgefühle einsetzten.

Die Vorfälle am Morgen führten dazu, dass ich mich hinlegen musste und den ganzen Nachmittag verschlief. Ich schreibe diesen Text um 18:18. Etwa sieben Stunden nach den geschilderten Vorfällen und jetzt ärgere ich mich darüber, dass ich meine Kritik nicht eloquenter Argumentierte. Doch sie war aus mir herausgeplatzt, ohne vorher zu überlegen.

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